Wertvoller Durchbruch in der Alzheimer-Forschung: Krankheit erstmals erfolgreich zurückgebildet

Erste Beobachtungen eines deutlichen Rückgangs der Alzheimer-Krankheit

Forscher am Lerner Research Institute in Cleveland haben es geschafft, die Alzheimer-Krankheit zurückzudrängen, indem sie ein Enzym im Gehirn hemmten. Dies weckt neue Hoffnung für Alzheimer-Patienten, dass in Zukunft ein Medikament oder eine Therapie entwickelt wird, die nicht nur die Symptome verringert, sondern möglicherweise die Krankheit vollständig rückgängig machen könnte. Bislang konnte die Alzheimer-Demenz nur bei Mäusen umgekehrt werden. Versuchen am Menschen stehen noch aus.


Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die allmähliche Erschöpfung eines bestimmten Enzyms im Gehirn der Schlüssel zur Behebung der Gehirnerkrankung sein könnte. Es gibt derzeit keine Behandlungen, die das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit stoppen kann. Von der Krankheit sind circa eine Millionen Leute in Deutschland betroffen und die Zahl steigt stetig an. Die kürzlich im „Journal of Experimental Medicine“ veröffentlichte Studie beschreibt, wie die Hemmung des Enzyms BACE1 dazu verwendet werden kann, die Entwicklung von gefährlichen Eiweißablagerungen im Gehirn zu stoppen, die an der Auslösung der Krankheit beteiligt sind.

Die Bildung von Beta-Amyloid-Plaques, die für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit im Gehirn mitverantwortlich sind, lässt sich durch das Hemmen des BACE1-Enzyms stoppen. (Bild: Juan Gärtner/fotolia.com)

Die Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer oder Alzheimer-Demenz genannt ist eine hirnorganische beziehungsweise neurodegenerative Krankheit, bei der die Betroffenen an ausgeprägtem Mangel der Gedächtnis-, Sprach- und Orientierungsfunktion des Gehirns leiden sowie Störungen des Denk- und Urteilsvermögens aufweisen. Auch finden bei vielen Betroffenen krankheitsbedingte Veränderungen der Persönlichkeit statt. Die meisten Erkrankten sind über 65 Jahre alt.

Alzheimer-Krankheitsverlauf

Die Krankheit beginnt mit einer leichten Demenz, die sich langsam aber stetig verschlimmert und zum völligem Kontrollverlust vieler Gehirn- und Körperfunktionen führen kann. Morbus Alzheimer führt zwar nicht direkt zum Tod der Patienten, erhöht aber zunehmend die Infektionsanfälligkeit. Infektionskrankheiten sind demnach auch die häufigste Todesursache bei Alzheimer-Kranken.

Genaue Ursachen der Krankheit immer noch unklar

Die Krankheit wurde schon vor über 100 Jahre erstmalig dokumentiert. Dennoch ist Alzheimer bis heute nicht vollständig erforscht und verstanden. Nach aktuellem Wissensstand vermuten Forscher, dass das Protein Amyloid-β (Beta-Amyloid) ein entscheidender Faktor bei der Alzheimer-Krankheit ist. Das Protein steht als Auslöser im Verdacht und seine Präsenz gilt als Symptom der Krankheit. Die Beta-Amyloiden verklumpen und bilden unlösliche Ablagerungen, die Amyloid-Plaques genannt werden. Diese Ablagerungen stören die Kommunikation der Nervenzellen.

Die Wissenschaftler konnten die Plaque-Bildung verhindern

Insbesondere gelang es den Wissenschaftlern, die Bildung der gefährlichen Amyloid-Plaques im Gehirn der Mäuse erfolgreich rückgängig zu machen, was eventuell auch den Weg für ähnliche Behandlungen beim Menschen ebnet. Der entscheidende Faktor war die Hemmung des Enzyms BACE1, woraufhin die Entwicklung von Amyloid-Plaques im Gehirn gestoppt werden konnte.

Die Bedeutung des Enzyms BACE1

BACE1 hilft bei der Produktion der schädlichen Plaques, indem das Enzym das Amyloid-Vorläuferprotein in die schädlichen Beta-Amyloide spaltet. Zwar wurde bereits eine Reihe von Arzneimitteln als mögliche Therapie entwickelt, die BACE1 hemmen und somit die Bildung der Amyloid-Plaques stoppen sollte. Das Problem ist jedoch, dass das Enzym auch andere wichtige Spaltungsprozesse kontrolliert. Ein vollständiger Ausschluss kann die Funktionalität des Gehirns ernsthaft beeinträchtigen. Das Team um den Hauptautor der Studie Riqiang Yan hat einen Ansatz entwickelt, der BACE1 davon abhalten könnte, Plaques zu bilden, ohne die grundlegende Funktionalität des Gehirns zu beeinträchtigen.

Untersuchungen von Mäusegehirnen lieferten die Hinweise

Den Wissenschaftlern gelang es, Mäuse zu züchten, die mit zunehmendem Alter das BACE1-Enzym verringern. Die Folge war, dass sich in den Hirnen der Nagetiere zwar erst Plaques bildeten, diese jedoch mit abfallendem BACE1-Spiegel begann sich zu reduzieren, bis die Ablagerungen letztendlich ganz verschwanden. „Nach unserem Wissen ist dies die erste Beobachtung einer so dramatischen Umkehrung der Amyloidablagerung bei jeder Untersuchung von Alzheimer-Mausmodellen“, erläuterte Yan gegenüber dem Magazin „alphr Bioscience“.

Nebenwirkungen des fehlenden Enzyms

Die Ergebnisse waren allerdings nicht durchweg positiv. Aufnahmen der Neuronen in den Mäusegehirnen zeigten, dass die Funktionalität der Synapsen nur teilweise wiederhergestellt werden konnte, obwohl die Plaques verschwunden waren. Die Forscher gehen davon aus, dass das BACE1-Enzym für die Informationsverarbeitung im Gehirn benötigt wird, um auf optimalem Niveau zu funktionieren.

Trotzdem besteht Hoffnung auf zukünftige Alzheimer-Heilung

Die BACE1-Funktionalität scheint ein schwer zu erreichendes Gleichgewicht zu sein, aber es besteht die Hoffnung, dass weitere Untersuchungen durchgeführt werden können, um die idealen Konzentrationen des störenden Enzyms zu bestimmen. Sollte es den Wissenschaftlern in zukünftigen Studien gelingen, das BACE1-Enzym besser zu nutzen, könnte sich daraus eine neue Form der Therapie von Alzheimer entwickeln, die die Krankheit nicht nur stoppen, sondern auch rückgängig machen kann. (vb)