Orangensaft ist viel gesünder als Orangen

Heilpraxisnet

Gesunde Inhaltsstoffe aus dem Saft besser aufnehmbar als aus der Frucht

25.03.2015

Die gesunden Inhaltsstoffe der Orangen können beim Konsum von Orangensaft deutlich besser aufgenommen werden, als beim Verzehr der ganzen Frucht, so das Ergebnis einer aktuellen Studie an der Universität Hohenheim. Die Forscher widersprechen ausdrücklich der Ansicht einiger Kritiker, die Orangensaft aufgrund des hohen Zuckergehaltes für ungesund halten.

Orangen bieten einen hohen Gehalt an gesundheitlich förderlichen Nährstoffen. Sie verfügen „neben einer hohen Konzentration an Vitamin C über eine Vielfalt an Carotinoiden und Flavonoiden, die das Risiko für bestimmte Krebs- oder Herzkreislauferkrankungen senken können“, berichtet das Forscherteam um den Doktoranden Julian Aschoff und Studienleiter Professor Dr. Dr. Reinhold Carle, Inhaber des Lehrstuhls für Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel an der Universität Hohenheim. In ihrer aktuellen Studie gingen sie der Frage nach, was tatsächlich gesünder ist – die ganze Frucht oder der Orangensaft.

Kritik am Orangensaft wegen hohem Zuckergehalt
In jüngerer Vergangenheit habe der Ruf des Orangensafts wegen des relativ hohen natürlichen Zuckergehaltes deutlich gelitten, da für viele Ernährungsberater der Zucker in Lebensmitteln ein grundsätzliches Übel sei, so die Mitteilung der Universität Hohenheim. Oft werde daher anstelle von gepresstem Orangensaft eher zum Verzehr von Orangen geraten. In England sei sogar eine „Strafsteuer“ auf alle Fruchtsäfte vorgeschlagen worden und Orangensäfte wurden als „Junkfood“ aus einigen Kindergärten verbannt, berichtet die Universität weiter. Die aktuelle Studie habe diese Vorbehalte gegenüber Orangensaft nun eindeutig widerlegt. Tatsächlich würden die Nährstoffe aus dem Saft durch den Körper potentiell besser aufgenommen als aus der Frucht selbst, erklärt Studienleiter Professor Carle. Zwar würden die Carotinoid- und Vitamin C-Gehalte bei der Saftherstellung geringfügig vermindert, doch gleichzeitig nehme „die Freisetzung dieser Inhaltsstoffe und somit der Anteil, den der Körper aufnehmen und verwerten kann, um ein Vielfaches zu.“

In vitro-Modell simuliert Verdauungsprozesse
Zur Überprüfung der Nährstoffaufnahme beim Verzehr von Orangen beziehungsweise Orangensaft nutzen die Forscher ein in vitro-Modell, das die Verdauungsprozess des menschlichen Körpers simuliert. Dieses Modell des menschlichen Verdauungstraktes bildet ein weltweit übliches Standardverfahren zur Bestimmung der Freisetzung von Nährstoffen aus Lebensmitteln, so Aschoff. Im Reagenzglas seien nacheinander die gleichen Bedingungen geschaffen worden, wie sie im Mund, Magen und Dünndarm bei der Verdauung von Orangen und Orangensaft herrschen. „Neben dem Nachahmen des menschlichen Kaueffekts, um die Früchte zu zerkleinern, gaben die Wissenschaftler auch Speichel, Verdauungsenzyme und Gallenflüssigkeit hinzu, modellierten die Bewegungen der Lebensmittel im Magen-Darm-Trakt und führten die Untersuchungen bei Körpertemperatur durch“, so die Mitteilung der Universität Hohenheim. Alle Prozesse seien ausschließlich im Dunkeln geschehen, damit lichtempfindliche Inhaltsstoffe erhalten blieben, berichtet Aschoff weiter.

Pasteurisierter Saft besser als frisch gepresst
Für die Studie stellten die Forscher Saft aus einer der beliebtesten Orangensorten – der Navel-Orange – her, wobei sie neben frisch gepresstem Saft und gewöhnlichem Direktsaft, auch einen flash-pasteurisierten Saft produzierten. Letzterer werde in Supermärkten oft gekühlt als „Premiumsaft“ verkauft, so Aschoff. „Die Freisetzung der Nährstoffe aus diesen drei Säften haben wir dann mit der aus der Frucht verglichen“, berichtet der Lebensmitteltechnologe weiter. Dabei stellten die Forscher fest, dass „die Freisetzung der Carotinoide, die als Provitamin-A eine wichtige Rolle im menschlichen Körper spielen, von 11Prozent in der Frucht auf über 28 Prozent im Frischsaft und bis zu 40 Prozent im pasteurisierten Saft“ stieg. Die Carotinoide aus dem Saft seien damit potentiell vierfach besser bioverfügbar als aus der Frucht.

Orangensaft insgesamt die bessere Nährstoffquelle
„Nimmt man die Ergebnisse aus unserer Publikation, ist Orangensaft die bessere Quelle für Carotinoide als die Frucht an sich“, berichtet Aschoff. Die Inhaltsstoffe im Saft würden bei der Pasteurisierung besser freigesetzt als beim Verzehr der ganzen Frucht und könnten so vom Körper besser aufgenommen und verstoffwechselt werden. Die Ergebnisse der aktuellen Modellversuche würden ebenfalls durch eine kürzlich abgeschlossene Humanstudie bestätigt, so Aschoff weiter. Den Forschern zufolge ist Orangensaft – solange er in Maßen konsumiert wird – gesund und empfehlenswert, unabhängig davon, ob Frischsaft, Direktsaft oder der Saft aus Konzentrat bevorzugt wird. „Da der Obst- und Gemüseverzehr in Deutschland weit unter den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegen, kann der Konsum von Orangensaft zu einer gesunden Ernährung beitragen“, erläutert Professor Carle.

Orangennektar besser meiden
Allerdings bilde Orangennektar laut Angaben der Forscher eine Ausnahme. Von diesem raten die Experten der Universität Hohenheim dringend ab. Zwar höre sich der Begriff Nektar zunächst gut an und suggeriere, dass dieser als „Trank der Götter“ ein besonders hochwertiges Produkt sei. Doch „in Wirklichkeit wird Nektar zur Hälfte mit Wasser gemischt und dann mit Zucker angereichert, damit er genauso süß ist wie ein Saft“, berichtet Professor Carle. Am Ende enthalte der Orangennektar zwar genauso viel Zucker wie ein Orangensaft, verfüge aber lediglich über die Hälfe der Vitamine. Im Sinne einer gesunden Ernährung empfehlen die Experten daher Orangen-, Apfel- und Ananasnektar grundsätzlich zu meiden. Nektare hätten nur dann eine Berechtigung, wenn 100%-Säfte aufgrund des hohen Säuregehalts der Frucht, wie zum Beispiel bei Sauerkirschen und Johannisbeeren, oder aufgrund ihrer Zähflüssigkeit (zum Beispiel bei Bananen und Aprikosen) als solche nicht genießbar seien. (fp)

Advertising
>Bild: Timo Klostermeier / pixelio.de