Überarbeitete S3-Leitlinie zu Depression soll Therapie verbessern

Die Leitlinien zur Behandlung von Depressionen wurden überarbeitet. (Bild: Niki Love/fotolia.com)
Fabian Peters
S3-Leitlinie überarbeitet: Bessere Behandlung von Depressionen
Rund jeder achte Erwachsene erkrankt im Laufe seines Lebens an einer depressiven Störung. Längst sind Depressionen eine Volkskrankheit. Innerhalb eines Jahres sind allein hierzulande über sechs Millionen Menschen betroffen. Die überarbeitete S3-Leitline soll helfen, die Therapie weiter zu verbessern.

Depressionen zählen längst zu den Volkskrankheiten
Depressionen zählen längst weltweit zu den Volkskrankheiten. Allein in Deutschland sind innerhalb eines Jahres rund 6,2 Millionen Menschen betroffen, berichtet das „Deutsche Ärzteblatt“ auf seiner Internetseite. „Trotz der großen Bedeutung der Erkrankung, auch im Hinblick auf Fehltage und Frühverrentungen, gibt es bei der Versorgung von Menschen mit Depressionen große Defizite“, erklärte Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) bei der Vorstellung der revidierten S3-Leitlinie und gleichzeitigen Nationalen Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ in Berlin. Unter Verweis auf den Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung stellte die Expertin heraus: „Die Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Depressionen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Und doch erhalten drei Viertel der Menschen, die an einer schweren Depression leiden, keine leitliniengerechte Behandlung; ein Fünftel erhält sogar gar keine Behandlung.“

Die Leitlinien zur Behandlung von Depressionen wurden überarbeitet. (Bild: Niki Love/fotolia.com)
Die Leitlinien zur Behandlung von Depressionen wurden überarbeitet. (Bild: Niki Love/fotolia.com)

Defizite in der Versorgung abbauen
Die DGPPN hat die S3-Leitlinie beziehungsweise Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) gemeinsam mit 30 Fachgesellschaften, Verbänden und Organisationen umfassend überarbeitet und erweitert., um Defizite in der Versorgung abzubauen und das Wissen über Ursachen, Diagnostik und Therapie von Depressionen zu verbessern. Die neue Leitlinie, die die alte aus dem Jahr 2009 ersetzt, richtet sich an alle Berufsgruppen, die – ambulant und stationär – Patienten mit unipolarer Depression behandeln. „Die Revision trägt wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung“, teilte Frank Schneider vom Universitätsklinikum Aachen mit. Die Leitlinie bilde Neuerungen in der Pharmakotherapie und bei psychotherapeutischen Verfahren ab. „Die neue Leitlinie geht beispielsweise speziell auf die Bedürfnisse älterer Patienten und auf die Behandlung bei somatischer und psychischer Komorbidität ein“, hob Schneider hervor. „Grundsätzlich werden Pharmakotherapie und Psychotherapie nicht gegeneinander ausgespielt.“

Zahlreiche Neuerungen in den Behandlungs-Leitlinien
„Bei akuten mittelschweren bis schweren Depressionen empfehlen wir immer eine Kombination von Psychotherapie und Pharmakotherapie“, erklärte Martin Härter, Direktor des Instituts und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Hamburg -Eppendorf. Neu in der Leitlinie ist unter anderem auch die Darstellung von niedrigschwelligen psychosozialen Basisinterventionen, die Psychiater, Hausärzte und Psychotherapeuten noch vor spezifischen Behandlungen einsetzen können sowie die Darstellung der wissenschaftlichen Belege und Empfehlungen zu körperlichem Training und Sport. In Untersuchungen kamen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Sport auf ähnliche Weise wirkt wie Antidepressiva. Zudem ist erstmals ein Kapitel zum Umgang mit Patienten mit Migrationshintergrund integriert, was sicher besonders sinnvoll ist, da Migranten viel häufiger psychisch krank sind. Nachdem erst kürzlich berichtet wurde, dass Depressionen 42 Prozent der Schwangeren treffen, ist ebenfalls positiv hervorzuheben, dass in den Leitlinien auch das Thema zur Behandlung von Frauen in der Peripartalzeit erneuert wurde.

Kurzfassung für Betroffene und Angehörige
„Vertreter aller an der Behandlung von Patienten mit Depressionen beteiligten Berufsgruppen – und die Betroffenen – haben in einem sehr aufwendigen Verfahren Literatur systematisch gesichtet, kritisch geprüft und dann gemeinsam abgewogen, welche Behandlungen in welcher Situation mehr oder weniger erfolgsversprechend sind“, erläuterte Corinna Schäfer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin. Im Netz ist die Langfassung der revidierten S3-Leitlinie und Nationalen Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ bereits verfügbar. In den nächsten Monaten werden die Kurzfassung sowie die für Betroffene und Angehörige eigens entwickelte Patientenleitlinie fertig gestellt. (ad)

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