17 Jahre länger leben durch gesunden Lebensstil

Heilpraxisnet

Wer zu Alkohol, Zigaretten und rotem Fleisch „nein danke“ sagt, lebt bis zu 17 Jahre länger

14.08.2014

Alkohol, Zigaretten und Übergewicht können unterschiedliche Erkrankungen begünstigen. Eines haben aber alle Risikofaktoren gemeinsam: Sie können die Lebenserwartung drastisch reduzieren. Forscher des Deutschen Krebsforschungsinstituts (DKFZ) errechneten jüngst, wie man sein Leben verlängern kann. Das Ergebnis ist wenig überraschen: Durch einen gesunden Lebensstil können wir sogar bis zu 17 Jahre dazu gewinnen.

Nichtraucher mit gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität haben die größte Lebenserwartung
Die Epidemiologen um Prof. Rudolf Kaaks vom DKFZ berechneten zum einen, wie sich jedes einzelne Risikoverhalten auf die Lebenserwartung eines heute Vierzigjährigen auswirkt und zum anderen, welche Folgen eine Kombination verschiedener Risikofaktoren mit sich bringt. Die Forscher konnten für ihre Analyse auf die Daten der sogenannten EPIC, der gesamteuropäischen Studie zum Zusammenhang von Ernährung, Lebensstil-Faktoren und Krebs, zurückgreifen. Seit mittlerweile 20 Jahren werden die Lebensstil-Faktoren im Rahmen der Studie von mehr als einer halben Million europäischer Bürger gesammelt und detailliert dokumentiert. Das DKFZ beteiligt sich an der Untersuchung und betreut 25.540 Studienteilnehmer aus dem Raum Heidelberg.

Die Auswertung der Datenflut ergab, dass Nichtraucher mit einem Body-Mass-Index (BMI, Quotient aus Körpermasse in Kilogramm und dem Quadrat der Körpergröße in Metern) zwischen 22,5 und 24,9, die wenig Alkohol und rotes Fleisch zu sich nehmen, aber viel Obst und Gemüse essen und körperlich aktiv sind, die höchste Lebenserwartung haben. Im Alter von 40 können sich diese Männer über 47,5 und diese Frauen über 48,7 weitere Jahre freuen.

Rauchen reduziert die Lebenserwartung am stärksten
Bei der Betrachtung der einzelnen Lebensstil-Faktoren, zeigte sich, dass Rauchen die meisten Lebensjahre fordert. Einen Mann, der täglich mehr als zehn Zigaretten raucht, kostet sein Nikotinkonsum 9,4 Jahre seiner Lebenserwartung. Bei einer Frau sind es im Schnitt 7,3 Jahre. Selbst wenn weniger als zehn Zigaretten pro Tag konsumiert werden, sinkt die Lebenserwartung beider Geschlechter um etwa fünf Jahre.

Adipositas (Fettleibigkeit ab einem BMI ab 30) reduziert die Lebenszeit bei Männern um 3,1 und bei Frauen um 3,2 Jahre. Auch ein niedriger BMI von unter 22,5 kg/m2verringert die Lebenserwartung um 3,5 Jahre bei Männern und 2,1 Jahre bei Frauen. Bei starkem Alkoholkonsum, den die Forscher mit mehr als vier Drinks pro Tag definierten, sinkt die Lebenserwartung bei Männern um 3,1 Jahre. Frauen, die viel rotes Fleisch essen, müssen damit rechnen, dass sie dadurch 2,4 Jahre und Männer 1,4 Jahre verlieren. Ein Mangel an körperlicher Aktivität machte sich den Forschern zufolge dagegen nicht bei der Lebenserwartung bemerkbar.

Wenig rotes Fleisch, kaum Alkohol, keine Zigaretten und Normalgewicht verlängern das Leben
Da viele Menschen unter mehr als einer ungesunden Angewohnheit leiden, berechneten die Forscher auch, welchen Effekt eine Kombination dieser Lebensstil-Faktoren hat. Demnach muss ein starker Raucher mit Adipositas, der zudem viel Alkohol trinkt und reichlich rotes Fleisch verzehrt, mit einem Verlust von 17 Jahren rechnen im Vergleich zu einem Menschen mit günstigem Risikoprofil. Bei Frauen sind es 13,9 Lebensjahre.

„Oft werden wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil als „erhobener Zeigefinger" empfunden", so Kaaks. „Deswegen ist es wichtig, dass wir ganz klar beziffern, was jeder einzelne an Lebenszeit gewinnen kann, wenn er frühzeitig auf ungesunde Angewohnheiten verzichtet."

Das DKFZ ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon über 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, erforschen, wie Krebs entsteht, erfassen Risikofaktoren und suchen nach neuen Strategien zur Vermeidung von Krebs. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Entwicklung neuer Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und erfolgreicher behandelt werden können. (ag)

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