9.000 vermeidbare Todesfälle bei Säuglingen

Fabian Peters

Tausende Neugeborene sterben täglich an vermeidbaren Erkrankungen

31.08.2011

Tausende Säuglinge sterben täglich, weil eine angemessene medizinische Versorgung fehlt. Wie „Welt Online“ unter Berufung auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Vereinten Nationen berichtet, erliegen täglich rund 9.000 Neugeborene im Alter unter vier Wochen einer eigentlich vermeidbaren Erkrankung. Fast alle Säuglingstodesfälle (99 Prozent) ereignen sich dabei laut Angaben der WHO in Entwicklungs- und Schwellenländern.

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Für die Säuglinge in den ärmeren Staaten mit schlechterer medizinischer Versorgung ist vor allem die Zeit unmittelbar nach der Geburt besonders kritisch. So treten der WHO zufolge rund 40 Prozent aller Todesfälle der unter fünfjährigen Kinder in den ersten 28 Tagen nach der Geburt auf. Als Länder mit besonders hoher Kindersterblichkeit nennt „Welt Online“ in erster Linie afrikanischen Staaten wie beispielsweise den Kongo und Nigeria, aber auch Länder wie China, Pakistan und Indien.

Millennium-Entwicklungsziel zur Reduzierung der Kindersterblichkeit
Die Reduzierung der Kindersterblichkeit ist eines der Millennium-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals), die von der internationale Staatengemeinschaft im Jahr 2000 verabschiedet wurden. Dem Beschluss der Vereinten Nationen auf dem Millenniumsgipfel zufolge soll die Kindersterblichkeit der unter fünfjährigen Heranwachsenden „zwischen 1990 und 2015 um zwei Drittel (von 10,6 Prozent auf 3,5 Prozent)“ gesenkt werden. Obwohl dabei bereits erhebliche Fortschritte erzielt werden konnten und die Anzahl der Todesfälle bei Neugeborenen in den ersten vier Lebenswochen zwischen 1990 und 2009 um rund 1,3 Millionen zurückgegangen ist ( von 4,6 Millionen auf 3,3 Millionen), sterben auch heute noch viel zu viele Kinder weltweit an vermeidbaren oder behandelbaren Erkrankungen, so die Aussage der WHO.

Besonders hohe Kindersterblichkeit in Indien, Nigeria, Pakistan und China
In Bezug auf die Gesamtzahlen der Todesfälle bildet Indien den bedauerlichen Spitzenreiter. Jährlich sterben hier den Zahlen der WHO zufolge rund 900.000 Neugeborenen, was einem Anteil von 28 Prozent an den weltweiten Todesfällen der Säuglinge im Alter bis zu vier Wochen entspricht. An zweiter und dritter Stelle folgen Nigeria und Pakistan, auf Platz vier liegt China. Allerdings konnte China in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielen und die Volksrepublik ist lediglich aufgrund der enormen Bevölkerungsmenge bei den Gesamtzahlen zur Kindersterblichkeit immer noch relativ weit vorne. In Bezug auf den Anteil der Todesfälle an den insgesamt Lebendgeborenen kann China hingegen fast eine Halbierung der Kindersterblichkeit aufweisen. So seien im Jahr 1990 noch 23 Todesfälle pro 1000 Lebendgeborene zu verzeichnen gewesen, 2009 waren es nur noch elf Todesfälle pro 1000 Lebendgeborene, berichtet die WHO. Mit massiven Investitionen in das Gesundheitswesen konnte China die Kindersterblichkeit deutlich senken. Das Millennium-Entwicklungsziel zur Reduzierung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel, wurde bisher jedoch noch nicht erreicht.

Zehn Ländern haben die Kindersterblichkeit um zwei Drittel gesenkt
Anders ist die Situation laut Aussage der WHO zum Beispiel in Estland, Griechenland, Luxemburg, Tschechien und Zypern, wo die Kindersterblichkeit seit 1990 teilweise um mehr als zwei Drittel gesenkt werden konnte. Insgesamt zehn Länder haben schon heute das Millennium-Entwicklungsziel zur Reduzierung der Kindersterblichkeit erreicht, berichtet die WHO. In den meisten afrikanischen Staaten konnten indes während der vergangenen Jahre kaum Fortschritte erzielt werden. So weisen die afrikanischen Länder durchschnittlich einen Rückgang der Kindersterblichkeit von lediglich einem Prozent pro Jahr auf, was bedeuten würde, dass erst in 150 Jahren die Sterberate der Neugeborenen ungefähr das Niveau moderner Industriestaaten, wie Deutschland, Großbritannien oder den USA, erreicht. Ein Erreichen des Millennium-Entwicklungsziels scheint daher schon heute ausgeschlossen. Lediglich durch erhebliche Investitionen in das Gesundheitswesen der Staaten auf dem afrikanischen Kontinent, ließe sich überhaupt eine signifikante Verbesserung erreichen. Doch da viele der afrikanischen Staaten mit besonders hoher Kindersterblichkeit bis heute von Hunger und Krieg geplagt werden, scheint ein angemessener Ausbau des Gesundheitssystems zur Versorgung der Bevölkerung und der Neugeborenen kaum vorstellbar. (fp)