Abnehmen: Ist gesundes Essen erfolgversprechender als kleinere Diätportionen?

Alexander Stindt

Wie wirkt es sich auf das Gewicht aus, wenn Menschen bewusst gesündere Lebensmitteln essen?

Wenn Menschen versuchen, ihr Gewicht zu reduzieren, beginnen sie häufig kleinere Portionen zu sich zu nehmen, um so insgesamt weniger zu essen. Forscher fanden jetzt aber heraus, dass Betroffene eher ungesunde durch mehr gesündere Nahrungsmittel ersetzen sollten, statt weniger zu essen, um an Gewicht abzunehmen.


Die Wissenschaftler des Department of Nutritional Sciences an der Pennsylvania State University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Menschen zum Abnehmen eher gesündere Nahrungsmittel konsumieren sollten, anstatt kleinere Portionen zu sich zu nehmen. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Appetite“.

Abnehmen ohne JoJo-Effekt; geht das? Bild: Tijana – fotolia

Der Verzehr von gesünderen Lebensmitteln führt zur Aufnahme von weniger Kalorien

Bei ihrer Untersuchung analysierten die Forscher, wie viele Mahlzeiten die Probanden mit unterschiedlicher Portionsgröße zu sich nahmen. Dabei konnten die Mediziner feststellen, dass die gesündere Nahrungsmittel essenden Teilnehmer mehr Gewicht abnahmen, verglichen mit weniger essenden Probanden. Durch die gesunden Nahrungsmittel konsumierten die Teilnehmer insgesamt weniger Kalorien.

Kleine Portionen führen zu einem stärkeren Hungergefühl

Die Ergebnisse zeigen, dass die Auswahl von gesunden, kalorienarmen Lebensmitteln effektiver und nachhaltiger war, als nur auf große Portionen mit höherer Kalorien zu verzichten, erläutert Faris Zuraikat. Wenn Sie sich für kalorienreiche Nahrungsmittel entscheiden, aber die aufgenommene Menge einschränken, werden die Portionen zu gering sein und Sie werden wahrscheinlich hungrig bleiben, fügt der Experte hinzu.

Größere Portionen bewirken höhere Nahrungsaufnahme

Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass der Effekt von größeren Portionsgrößen dazu führt, dass Menschen mehr essen. Dies kann bewirken, dass die Betroffenen mehr Kalorien zu sich nehmen, als sie es eigentlich wollen. Die Forscher entwarfen eine Intervention, um diesem Effekt entgegenzuwirken. Dafür brachten sie Teilnehmern Strategien bei, wie sie die Nahrungsmittelportionen besser kontrollieren und sich gesünder ernähren können.

Wie reagierten die geschulten Teilnehmer auf zunehmende Portionsgrößen?

Die Experten haben eine Gruppe von Probanden untersucht, welche ausführlich in Kontrollstrategien über Portionsgrößen geschult wurden. So wollten die Forscher herausfinden, ob diese Teilnehmer anders auf zunehmende Portionsgrößen reagierten, als nicht ausgebildete Menschen. „Wir waren auch daran interessiert, ob diese ungeschulten Individuen mit Übergewicht und Fettleibigkeit oder Normalgewicht verschiedene Reaktionen aufwiesen“, sagt Zuraikat.

Wissenschaftler untersuchen bei ihrer Studie über 100 Frauen

Die Forscher rekrutierten insgesamt drei Gruppen von Frauen zur Teilnahme an der Studie: 34 Teilnehmerinnen mit Übergewicht, 29 Teilnehmerinnen mit einem normalen Gewicht und 39 Frauen, welche zuvor an einer einjährigen Studie zur Gewichtsabnahme teilgenommen hatten, deren Schwerpunkt auf Strategien zur Kontrolle von Portionen lag. Alle Teilnehmerinnen besuchten das Labor einmal wöchentlich für einen Zeitraum von vier Wochen. Bei jedem Aufenthalt gaben die Forscher den Frauen die gleichen Nahrungsmittel, aber die Portionsgrößen wurden in einer zufälligen Reihenfolge über Wochen langsam erhöht.

Wenn die Portionsgröße erhöht wurde, nahmen Menschen mehr zu sich

Jede Mahlzeit bestand aus Nahrungsmitteln mit einer höheren Kaloriendichte wie Knoblauchbrot und niedrigerer Kaloriendichte wie beispielsweise Salat. Die Nahrungsmittel wurden vor und nach der Mahlzeit gewogen. So wurde bestimmt, wie viel die Frauen zu sich nahmen und errechnet wie hoch die Kalorienzufuhr lag. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Teilnehmer in allen drei Gruppen durch die größeren Portionen mehr aßen. Wenn die Portionsgröße beispielsweise um 75 Prozent erhöht wurde, stieg dadurch auch der durchschnittliche Verbrauch um 27 Prozent.

Geschulte Teilnehmerinnen nahmen Nahrungsmittel mit weniger Kalorien zu sich

Wenn die Teilnehmer an der Schulung teilgenommen hatten, verbrauchten sie jedoch insgesamt weniger Kalorien, verglichen mit den anderen Probanden. Obwohl die Probanden in allen drei Gruppen ähnliche Mengen an Nahrung zu sich nahmen, wählten die Teilnehmer, welche zuvor eine Schulung erhielten, Nahrungsmittel mit einer niedrigeren Kaloriendichte, erklären die Experten.

Die Auswahl der Speisen war bei den Teilnehmerinnen unterschiedlich

„Allen Gruppen wurden die gleichen Mahlzeiten serviert, aber ihre Auswahl an Speisen war unterschiedlich. Die Teilnehmer, die eine Schulung absolvierten, nahmen mehr kalorienarme und weniger kalorienreiche Nahrungsmittel zu sich als die untrainierten Personen“, erklärt Zuraikat in einer Pressemitteilung der Pennsylvania State University. Folglich war die Kalorienzufuhr der geschulten Teilnehmer geringer als die der Kontrollgruppen, obwohl sich das Gewicht der Mahlzeiten nicht unterschied.

Voller Teller, aber die eingenommenen Kalorien sinken

Die Studie unterstützt die Vorstellung, dass weniger kalorienreiches Essen und nahrhafte Nahrungsmittel helfen können den Hunger zu bewältigen und so bewirken, dass Menschen weniger Kalorien konsumieren, sagt Professorin Barbara Rolls von der Pennsylvania State University. Die Menschen haben zwar immer noch einen vollen Teller, aber die Proportionen der verschiedenen Arten von Lebensmitteln haben sich verändert. (as)