Adipositas während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Geburtsfehler beim Kind

Alexander Stindt
Wirkt sich ein erhöhtes Gewicht von Müttern auf neugeborene Kinder aus?
Übergewicht und Fettleibigkeit sind weltweit auf dem Vormarsch und führen zu immer mehr gesundheitlichen Problemen bei betroffene Menschen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Fettleibigkeit bei schwangeren Frauen zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Geburtsfehler bei ihren Babys führt.

Die Wissenschaftler des Karolinska Institute stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Fettleibigkeit von werdenden Müttern zu ernsten Geburtsfehlern bei deren Babys führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Fettleibigkeit und Übergewicht während der Schwangerschaft wirken sich negativ auf die Gesundheit von Säuglingen aus und führen zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Geburtsfehler. (Foto: Kletr/fotolia.com)

Welche gesundheitlichen Probleme können entstehen?
In der heutigen Zeit haben immer mehr Menschen Probleme mit ihrem Gewicht. Fettleibigkeit und Übergewicht sind deswegen in vielen Ländern leider weitverbreitet. Das erhöhte Gewicht führt aber nicht nur bei den betroffenen Menschen zu gesundheitlichen Problemen, auch die Säuglinge von fettleibigen Frauen werden dadurch negativ beeinflusst, erläutern die Experten. Durch Fettleibigkeit bei den Müttern steige das Risiko der Säuglinge für angeborene Herzfehler, Anomalien des Verdauungssystems und Missbildungen von Genitalorganen oder Gliedmaßen.

Mediziner analysieren Daten von mehr als 1,2 Millionen Teilnehmern
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die Daten von mehr als 1,2 Millionen Lebendgeburten in Schweden zwischen dem Jahr 2001 und dem Jahr 2014. Dabei fanden sie einige überzeugende Beweise für die Verbindung zwischen Fettleibigkeit bei Schwangerschaften und auftretende Geburtsfehler.

Es konnte ein Kausalzusammenhang festgestellt werden
Während das erhöhte Risiko für etwas übergewichtige Frauen noch sehr gering ausfiel, machte die fortschreitende Erhöhung des Risikosbei steigendem Übergewicht eine kausale Verbindung ersichtlich, sagen die Forscher. Im Bezug auf das Risiko der Geburtsfehler beim Kind sei es besser, wenn Frauen ein normales Gewicht haben, anstatt übergewichtig oder gar fettleibig zu sein, fügt der Autor und Epidemiologe Martin Neovius hinzu. Es sollten generell mehr Anstrengungen unternommen werden, um Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter zu ermutigen, einen gesunden Lebensstil zu führen. So könnten sie ein normales Körpergewicht vor der Schwangerschaaft beibehalten oder erreichen, sagt der Experte.

Für viele fettleibige Betroffene ist es schwer abzunehmen
Die gleitende Skala des Risikos deutet darauf hin, dass schon die Gewichtsreduktion von schwerer Adipositas zu einer milderen Fettleibigkeit zu gesundheitlichen Vorteilen führen kann. Es ist allerdings nicht einfach für eine Person, von einem BMI von 42 auf eine normales Gewicht zu kommen, erklärt Autor Martin Neovius.

Wie stark war das Risiko durch Übergewicht und Fettleibigkeit erhöht?
Bei der Untersuchung wurde schnell klar, dass insgesamt 43.550 Babys (3,5 Prozent aller Geburten) große angeborene Fehlbildungen aufwiesen. Bei Müttern in einem normalen Gewichtsbereich lag das Risiko für Mängel bei 3,4 Prozent. Bei übergewichtigen Müttern betrug das Risiko 3,5 Prozent, bei fettleibigen Müttern lag das Risiko schon bei 3,8 Prozent. Bei höheren Kategorien von Fettleibigkeit stieg das Risiko sogar auf 4,7 Prozent an, sagen die Wissenschaftler.

Was ist der Body Mass Index?
Die Kategorien basierten auf dem sogenannten Body Mass Index (BMI), der das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße wiedergibt. Dieser definiert ein gesundes Gewicht bei einem BMI zischen 18,5 und 24, Übergewicht bei einem BMI von 25 bis 29 und Fettleibigkeit bei einem BMI von 30 oder mehr.

Warum wirkt sich das mütterliche Gewicht auf den Fötus aus?
Die aktuelle Untersuchung zeigt einen kausalen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Risiko für Geburtsfehler bei Säuglingen und einem erhöhten Gewicht der Mutter, sagen die Mediziner. Die Wissenschaftler versuchen dabei immer noch zu verstehen, wie genau sich das mütterliche Gewicht auf den Fötus auswirkt. Veränderte Hormonspiegel, höhere Werte von Entzündungen und eine weniger effiziente Abgabe von Nährstoffen über die Plazenta könnten eine Rolle spielen, erläutern die Autoren der Studie.

Es gibt immer mehr Personen mit Fettleibigkeit und Übergewicht
Das erhöhte Risiko für Geburtsfehler war nur einer von vielen zusätzlichen Risikofaktoren in der Schwangerschaft von übergewichtigen Frauen. Starke Fettleibigkeit führt während der Schwangerschaft zu einem erhöhten Risiko für viele negative Auswirkungen. Weltweit wird die Fettleibigkeit als ein wachsendes Gesundheitsproblem betrachtet, wobei sich die Zahl der Frauen im Alter von 18 Jahren oder älter mit einem BMI von mehr als 35 in den letzten Jahren massiv erhöht hat. Der Wert verdoppelte sich zwischen dem Jahr 2000 und 2010 von 50 Millionen auf 100 Millionen Betroffene, erläutern die Autoren. (as)