Ältere Eltern benötigen oft Unterstützung

Heilpraxisnet

Wenn Eltern älter werden, benötigen sie häufig Unterstützung

06.03.2015

Wenn die Eltern älter werden, kann sie das Treffen von Entscheidungen manchmal überfordern. Häufig erfahren die Kinder erst davon, wenn es Probleme gibt. Die Nachrichtenagentur „dpa“ sprach mit Experten darüber, wie Kinder ihre Eltern am besten unterstützen können, ohne sie zu bevormunden. Denn Vorwürfe helfen nicht.

Überforderung der Eltern mit zunehmendem Alter
Früher hätten sie nie eine fragwürdige Versicherung abgeschlossen, heute hatte der Versicherungsvertreter leichtes Spiel. Die Eltern unterschrieben, obwohl sie sich nicht sicher waren, ob sie die Versicherung tatsächlich benötigen. Mit zunehmendem Alter sind viele Menschen überfordert, wenn es um bestimmte Entscheidungen geht. Nach außen hin wirkt manches Verhalten dann seltsam. Besonders schwierig ist das für die Kinder, die sich plötzlich um ihre Eltern kümmern müssen, nachdem es doch jahrelang anders herum war.

Wenn sich die überforderten Eltern mit einem Problem wie der dubiosen Versicherung an ihre Kinder wenden, sollten diese nicht mit Vorwürfen wie „Das hätte ich dir gleich sagen können“ oder „Warum hast du nicht zuerst mich gefragt“ reagieren. „Natürlich darf man sich ärgern, aber Vorwürfe bringen niemanden weiter", erklärt Eva-Maria Popp, Coach und Kommunikationstrainerin aus Pfarrkirchen bei Passau, gegenüber der Nachrichtenagentur.

Auch die Kinder können in solchen Momenten überfordert und verunsichert sein. Gedanken wie „Sind meine Eltern noch in der Lage, wichtige Entscheidungen zu treffen“, „Werden sie jetzt senil“ oder „Was mache ich denn, wenn sie weiter geistig abbauen?“ bringen Kinder nicht selten in innere Konflikte. manchmal entsteht der Drang nach Kontrolle, um Schlimmeres zu verhindern. Meist meinen es die Kinder gut, doch die Eltern fühlen sich bevormundet, wenn Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden.

Kinder sollten älteren Eltern Unterstützung signalisieren
Psychotherapeutin Roswitha Brühl weist zudem gegenüber der Nachrichtenagentur daraufhin, dass jeder mal einen Fehler macht und nicht immer das Alter schuld daran ist. „Niemand ist davor geschützt, falsche Entscheidungen zu treffen – die Eltern ebenso wenig wie die Kinder", so Brühl.
„Man sollte in sich gehen und sich in den anderen versetzen: Wenn ich es wäre, wie würde ich wollen, dass man mit mir umgeht?", rät die psychologische Psychotherapeutin und Buchautorin Helga Maria Lauchart im Gespräch mit der Agentur. Kinder sollten ihren Eltern signalisieren, dass sie auf ihrer Seite stehen: „Wir halten zusammen, ich unterstütze euch. Dann werden wir das Problem gemeinsam lösen".

Kinder sollten jedoch nicht erwarten, dass sie ab diesem Zeitpunkt immer in die Entscheidungen ihrer Eltern mit einbezogen werden. „Es ist wichtig, eine eigene Position zu finden", betont Popp. So müssen die Kinder für sich herausfinden, wie weit sie sich für ihre Eltern engagieren und von ihnen einspannen lassen möchten.

Ältere Eltern bleiben mündige Menschen
Generell sei „aktives Zuhören“ in der Familie wichtig, erläutert Popp. Das beinhalte, viele Fragen zu stellen und zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn die Mutter beispielsweise wieder viel Geld beim Homeshopping ausgegeben hat, sollten sich die Kinder fragen, warum sich die Mutter so verhält. „Man sollte sich fragen, was dahinter steckt, warum sie das tut." Möglicherweise ist sie einsam und telefoniert gerne mit den Mitarbeitern des Homeshopping-Senders. Dann wäre es sinnvoll, sie mehr mit Menschen in Kontakt zu bringen. Ein gemeinsamer Besuch im Café und ein Einkaufsbummel sind dann häufig hilfreicher als die Mutter wegen ihrer hohen Ausgaben nur finanziell zu unterstützen. Erzwingen sollten die Kinder das jedoch nicht. „Auch fürsorgliche Bevormundung ist Bevormundung", berichtet Brühl. Wenn die Eltern älter werden, bleiben sie dennoch mündige Menschen mit ihren eigenen Ansichten und Vorstellungen.

Kinder sollten deshalb ihr eigenes Verhalten hinterfragen. Ist es tatsächlich Sorge um die Eltern oder Interesse an ihnen? Oder motiviert die Kinder vielmehr der Wunsch nach Kontrolle oder gar dem Erbe?

Viele ältere Menschen haben Angst davor, ihre Selbständigkeit zu verlieren, und lehnen deshalb Unterstützung ab. Bevormundung und Kontrolle sind dann besonders kontraproduktiv. Ich-Botschaften der Kinder können dagegen viel bewirken: „Ich würde mich viel besser fühlen, wenn ich dich unterstützen dürfte“. Wenn Eltern das Hilfsangebot jedoch nicht annehmen, ist das auch in Ordnung. „Das ist ebenfalls eine Entscheidung der Eltern, die zu respektieren ist”, so Popp. (ag)

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>Bild: wolla2 / pixelio.de