Antibiotika werden von Eltern vermehrt kritisch bewertet

Fabian Peters
Eltern zeigen kritische Einstellung zu Antibiotika
In früheren Jahren haben Eltern bei Infektionskrankheiten ihrer Kinder vielfach auf eine Behandlung mit Antibiotika gedrängt, obwohl diese Mittel zum Beispiel bei Virusinfektionen keinerlei Sinn ergeben. Die Einstellung der Eltern scheint sich laut einer aktuellen Umfrage der DAK-Gesundheit allerdings zunehmend zu ändern. Zurecht wird die leichtfertige Verschreibung von Antibiotika heute vermehrt kritisch bewertet.

Den aktuellen Umfrageergebnissen der DAK zufolge sehen heute 65 Prozent der Eltern den Einsatz von Antibiotika bei ihren Kindern kritisch. Vor sieben Jahren zeigten in einer entsprechenden Umfrage nur 59 Prozent der Eltern entsprechende Vorbehalte gegenüber der Verordnung von Antibiotika, berichtet die DAK weiter. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen (75 Prozent) und in den östlichen Bundesländern (durchschnittlich 70 Prozent) seien bei Müttern und Vätern starke Bedenken gegenüber Antibiotika festzustellen. Für die aktuelle Studie hatte das Forsa-Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit mehr als 1.000 Eltern mit Kindern im Alter bis sechs Jahre befragt.

Die Einstellung viele Eltern gegenüber Antibiotiaka hat sich in den letzten Jahren gewandelt. (Bild: Tomsickova/fotolia.com)
Die Einstellung viele Eltern gegenüber Antibiotiaka hat sich in den letzten Jahren gewandelt. (Bild: Tomsickova/fotolia.com)

Unterschiedliche Einstellung zu Antibiotika
Die DAK-Umfrage verdeutlicht des Weiteren, dass bei den verschiedenen Gruppen der Eltern durchaus erhebliche Unterschiede in der Einstellung zu Antibiotika bestehen. So hätten beispielsweise Alleinerziehende sowie Eltern, die zwei oder mehr Kinder unter 18 Jahren haben, vergleichsweise häufig geäußert, dass sie kein Problem mit der Gabe von Antibiotika haben, wenn der Arzt es ihnen empfiehlt, Allerdings spiele dabei auch das Alter der Kinder einer Rolle. Bei Kindern bis zum ersten Lebensjahr seien Eltern besonders vorsichtig und die Antibiotika-Gabe werde hier von vielen Eltern kritisch hinterfragt, während bei den vier bis sechsjährigen Kindern schon deutlich weniger Vorbehalte gegenüber der Antibiotika-Verordnung bestehen, so die Mitteilung der DAK.

Einsatz von Antibiotika kritisch hinterfragen
Insgesamt seien die Ergebnisse durchaus erfreulich, betont die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Sie begrüßt die zunehmend kritische Haltung der Eltern, da Antibiotika bis heute oftmals immer noch falsch eingesetzt würden und dabei mehr schaden, als sie nutzen. Insbesondere die häufig schnelle Verschreibungspraxis bei Virusinfekten wie Erkältungen oder Bronchitis in der kalten Jahreszeit sei deutlich zu kritisieren, weil die Antibiotika in solchen Fällen nicht helfen können. „Sie bekämpfen Bakterien, keine Viren“, erklärt die DAK-Ärztin. Eltern sollten mit dem Kinderarzt ihre Bedenken besprechen und nach den Gründen für die Verschreibung des Antibiotikums fragen, so Elisabeth Thomas weiter. Ist die Verordnung erforderlich, müssen die Mittel so eingenommen werden wie verordnet, damit sie auch wirklich helfen, betont die Expertin. Bei einer fehlerhaften Anwendung könnten nicht nur Nebenwirkungen auftreten, sondern es erhöhe sich aus das Risiko, dass Resistenzen entstehen.

Atemwegsprobleme plagen besonders viele Kinder
In der aktuellen Umfrage wurden auch zahlreiche weitere Aspekte zur Kindergesundheit abgefragt, wobei sich zum Beispiel feststellen ließ, dass laut Angaben der Eltern vor allem akute Probleme der Atemwege vielen Kindern zu schaffen machen (30 Prozent der Befragten gaben dies an), aber auch Hauterkrankungen (15 Prozent) und Ohrenleiden (10 Prozent) sind häufig zu beobachten. Eher selten sind zum Beispiel Probleme mit den Augen (3 Prozent) oder der Blase (1 Prozent). Aus der DAK-Umfrage geht darüber hinaus hervor, dass Eltern heute seltener mit ihren Kindern zum Arzt gehen als früher, was die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas auf die zunehmende Sicherheit und medizinische Aufklärung der Eltern zurückführt. Dies stärke die eigene Urteilskraft, ob ein Arztbesuch notwendig ist oder nicht. So seien in der aktuellen Umfrage nur noch 36 Prozent der Eltern vier bis achtmal pro Jahr mit ihrem Kind in der Praxis gewesen, während es im Jahr 2008 noch 58 Prozent waren.

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Viele Eltern vertrauen alternativen Heilmethoden
Die Einstellung der Eltern gegenüber alternativen Heilmethoden befindet sich ebenfalls im Wandel und ganze 24 Prozent der Befragten gaben an, den alternativen Heilmethoden wie zum Beispiel der Homöopathie, der Pflanzenheilkunde oder der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sehr zu vertrauen. Immerhin 46 Prozent der Eltern schenken diesen alternativen Behandlungsformen etwas Vertrauen und lediglich acht Prozent haben überhaupt kein Vertrauen in die natürlichen Heilmethoden. (fp)