AOK prüft tausendfachen Rezeptbetrug

Fabian Peters

Tausende Apotheker rechnen falsche Medikamente ab

19.08.2011

Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) ist nach eigenen Angaben einem umfassenden Rezeptbetrug auf die Schliche gekommen, bei dem mehrere tausend Apotheken angeblich Medikamente abgerechnet haben, die niemals auf dem Markt waren. Die Apotheker wehren sich indes gegen die Vorwürfe und betonen, der Fehler liege bei den Rabattverträgen der AOK mit den Pharmaherstellern.

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Wie der aktuelle Streit um den angeblichen Abrechnungsbetrug ausgehen wird, ist bislang völlig offen. Die AOK berichtet von 30.000 Fällen, in denen angeblich Medikamente, die derzeit nicht einmal auf dem deutschen Markt verfügbar seien, an Patienten abgegeben wurden. Solange wirkstoffgleiche Arzneien abgegeben wurden, bestehe aus gesundheitlicher Sicht wahrscheinlich keine Gefahr für die Patienten, erklärte der AOK-Bundesverband. Allerdings könne für die Arzneimittelsicherheit der Präparate keine Gewähr übernommen werden. Auch gehe aus den Rezepten nicht hervor welche Arzneimittel tatsächlich verschrieben wurden. Möglicherweise bilden die aktuell aufgedeckten Betrugsfälle nur einen Bruchteil der tatsächlichen Fälle, vermutet die AOK. Denn aufgefallen war der Betrug nur, weil ein Pharmahersteller für das nachweislich noch nicht auf dem Markt befindliche Medikament Rechnungen wegen des Großhandelsrabatts erhalten hatte.

Rezepte enthalten Medikamente, die nicht auf dem Markt sind
Derzeit werden zehntausende Verdachtsfälle auf Rezeptbetrug von der AOK geprüft, berichtet die Krankenversicherung. Allein im Juni seien 30.000 Rezepte betroffen. Entsprechend werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, so die Mitteilung der AOK. Die Krankenkasse geht davon aus, dass weitere Fälle des Rezeptbetruges im weiteren Verlauf der Ermittlungen aufgedeckt werden könnten. Das Apotheker ein offenbar nicht auf dem Markt befindliches Medikament auf den Rezepten vermerken und die Krankenkasse so quasi mit der Nase auf den Rezeptbetrug stoßen, scheint für Außenstehende jedoch eher unverständlich. Dies könnte auch ein Indiz dafür sein, dass die Apotheker tatsächlich, wie von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) behauptet, nicht in betrügerischer Absicht gehandelt haben, sondern lediglich im Interesse der Patienten. Denn laut Aussage der ABDA bilden Lieferschwierigkeiten der Pharmahersteller, mit denen die AOK Rabattverträge ausgehandelt hat, das eigentliche Problem. Die Hersteller können die benötigten Medikamente oftmals nicht liefern, wodurch die Apotheken faktisch dazu verpflichtet seien, „ein Medikament abzugeben, das nicht existiert“, erklärte die ABDA. Mit den aktuellen Berichten über tausendfachen Rezeptbetrug, werde die Öffentlichkeit „wider besseren Wissens“ verunsichert, nur um von den eigenen Fehlern abzulenken, so der Vorwurf der Apotheker in Richtung AOK.

Zweifel am Rezeptbetrug
Obwohl immer wieder einzelne Apotheker und Ärzte durch Abrechnungs- und Rezeptbetrug auffallen, bei dem der persönliche Profit und nicht das Wohl der Patienten im Mittelpunkt stehen, scheint die Sachlage bei den aktuellen Vorwürfen der AOK durchaus ein wenig komplexer. Dass derart viele Apotheker versucht haben sollen, mit einem nicht vorhandenen Medikament auf betrügerische Weise Geld zu machen, darf bezweifelt werden, auch wenn dies theoretisch durchaus möglich wäre. Wie es tatsächlich zu den Rezepten mit nicht auf dem Markt befindlichen Medikamenten kam, muss nun jedoch die Staatsanwaltschaft klären. (fp)

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Bild: Benjamin Klack / pixelio.de