Apotheker planen mehr Patienten-Beratung

Heilpraxisnet

Bundesvereinigung beschließt Perspektivpapier „Apotheke 2030“

26.06.2014

Tiefgreifende Veränderungen in den Apotheken? Wie die Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) aktuell beschlossen hat, soll unter anderem zukünftig mehr Beratung in den Apotheken stattfinden und dadurch eine dauerhafte Apotheker-Patienten-Bindung forciert werden. Mediziner und Krankenkassen stehen den Plänen jedoch skeptisch gegenüber.

Regelmäßige beratende Patientengespräche in den Apotheker geplant
In den Apotheken stehen offenbar große Umstrukturierungen an. Wie die Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) aktuell berichtet, sei das Perspektivpapier „Apotheke 2030“ in seiner derzeitigen Fassung von den Mitgliedsorganisationen der ABDA angenommen worden. „Wir wollen dem Patienten anbieten, sich dauerhaft an seinen Apotheker zu binden, in etwa so wie an einen Arzt", so ABDA-Präsident Friedemann Schmidt gegenüber der "Welt". Dieser Aspekt könnte insbesondere für Menschen vorteilhaft sein, die von chronischen Krankheiten betroffen sind, denn neben dem herkömmlichen Betrieb seien in Zukunft auch regelmäßige beratende Patientengespräche durch den Apotheker geplant, welche – ähnlich wie beim Arzt – mit vorheriger Terminabsprache in der Apotheke stattfinden sollen.

Entlastung für Ärzte?
Auch wer dauerhaft die gleichen Medikamente einnimmt, könne laut Schmidt von der „Apotheke 2030“ profitieren, da in Zukunft für ein Folgerezept kein Arztbesuch mehr nötig sei – stattdessen könnten die Patienten dieses einfach in „Ihrer“ Apotheke abholen. „Da könnten wir die Ärzte entlasten“, so Schmidt weiter gegenüber der „Welt“, wobei es vor allem um eine bessere Koordination der Versorgung mit Medikamenten ginge, denn wie Schmidt ausführt, würden nach wie vor Menschen dadurch sterben, dass sie mit ihren Medikamenten alleine nicht zurecht kommen.

Ziel: Kontinuierliche Analyse der Patienten-Medikation
In diesem Zusammenhang sei dem Perspektivpapier „Apotheke 2030“ zufolge auch ein zukünftiges „Medikationsmanagement“ geplant, welches als „ein wesentliches Instrument für die sichere, wirksame und wirtschaftliche Arzneimitteltherapie“ fungieren soll. „Dabei wird die
gesamte Medikation des Patienten, einschließlich der Selbstmedikation, kontinuierlich analysiert. Ziel ist es, arzneimittelbezogene Probleme zu vermeiden bzw. zu erkennen und zu lösen und so Effektivität und Effizienz der Arzneimitteltherapie zu erhöhen.“

Zusätzliche Vergütungen für Refom gefordert
Doch die geplante Beratung und Betretung in den Apotheken sei laut dem ABDA-Präsidenten nicht als kostenloser Service vorgesehen, stattdessen fordern die Apotheker für zusätzliche Dienste auch zusätzliche Vergütungen: „Neben der bisherigen Grundvergütung, die sich an der abgegebenen Packung orientiert, brauchen wir eine zweite Vergütungssäule", so Schmidt weiter gegenüber der Zeitung. Dementsprechend müsse eine Gebührentabelle eingeführt werden, mithilfe derer die Zusatz-Leistungen abrechnet werden können. Für die Krankenkassen eine nicht nachvollziehbare Forderung, denn „zu den Kernaufgaben eines Apothekers gehört die gute Beratung der Patienten, und dafür werden sie bereits heute gut bezahlt", sagte Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung gegenüber der Zeitung. Auch seitens der Ärzte wurde Skepsis laut, denn durch eine engere Apotheker-Patienten-Bindung bestehe das Risiko, dass die Grenzen zwischen den Kernkompetenzen von Apotheker und Arzt aufgeweicht werden könnten. Der niedergelassene Arzt wüsste normalerweise genaustens über seine Patienten Bescheid: „Er weiß auch am besten, welche Medikamente der Patient braucht“, so Lanz weiter.

Bild: Siepmann H / pixelio.de