Arzt im Göttinger Organspende-Skandal belastet

Alfred Domke

Arzt im Göttinger Organspende-Skandal belastet

07.09.2013

Im Prozess um den Göttinger Organspende-Skandal bestreitet der angeklagte Arzt weiterhin die Vorwürfe. Jetzt wurde er jedoch von Verwaltungsangestellten belastet. Außerdem hieß es, dass die Klinik in Göttingen bei Spender-Organen nicht besonders wählerisch gewesen sei.

Den Tod von Patienten in Kauf genommen
Im Zusammenhang mit dem Organspende-Skandal an der Universitätsklinik Göttingen ist ein 46-jähriger Arzt angeklagt, der von der Staatsanwaltschaft des elffachen versuchten Totschlags sowie der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge beschuldigt wird. Der frühere Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin soll Daten von Patienten verändert haben, um so schneller an Spenderorgane zu kommen. Durch die verfälschten Angaben hätte er in Kauf genommen, dass Patienten starben, die nach den Richtlinien eigentlich eher ein Spenderorgan erhalten hätten müssen.

Verwaltungsangestellte fanden keine Belege
So seien unter anderem Patienten, die auf eine Spenderleber warteten, bei der zentralen Vergabestelle „Eurotransplant“ fälschlicherweise auch als dialysepflichtig gemeldet worden. Diese Patienten hätten dadurch schneller Organe erhalten, als nach den Richtlinien vorgegeben. Verwaltungsangestellte sagten nun vor dem Landgericht in Göttingen aus, das sie bei den entsprechenden Überprüfungen in einer Reihe von Fällen keine Belege für angebliche Dialysen gefunden hätten.

Nicht besonders wählerisch bei Organen
Am Mittwoch berichtete der Medizinische Direktor von „Eurotransplant“, Prof. Axel Rahmel, vor dem Landgericht, dass die Transplantationsmedizin im Göttinger Uni-Klinikum nicht besonders wählerisch gewesen sei, wenn es um die Vergabe von Spender-Lebern ging. So seien die Profile der gelisteten Patienten so gewählt worden, dass praktisch jedes Eurotransplant-Organ in Göttingen angeboten wurde. 2010 und 2011 sei dort mit „weiten Profilen“ gearbeitet worden, was heißt, dass die beschränkenden Daten wie Alter und Gewicht offen angeboten wurden, wie etwa das Alter von fünf bis 90 Jahre oder das Gewicht von 20 bis 120 Kilo. Es seien auch Patienten als Abnehmer für Organe von Drogenabhängigen oder Kranken gemeldet worden. Rahmel meinte: „Wir würden uns schon wünschen, wenn die Empfängerprofile so maßgeschneidert wie möglich wären“, um eine möglichst schnelle und genaue Zuteilung zu ermöglichen. Er verneinte jedoch die Frage, ob er bei der Daten-Recherche Unregelmäßigkeiten für Göttingen bemerkt hätte. Den Prüfern der Kommissionen habe man unterstützend zugearbeitet. (ad)

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Bild: Lothar Wandtner / pixelio.de