Bedrohliche Viren: Pferde sterben an Herpes

Sebastian
Es sieht zunächst aus wie eine harmlose Grippe, doch die gefährliche Infektionskrankheit kann tödlich enden: In der Region Hannover grassiert derzeit Pferde-Herpes. Besitzer und Reiter sind besorgt. Es sollten unbedingt Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Sorge in Niedersachsen: Tiere sterben an Pferde-Herpes. Bild: Kirsty Pargeter - fotolia
Sorge in Niedersachsen: Tiere sterben an Pferde-Herpes. Bild: Kirsty Pargeter – fotolia

Ansteckende Erkrankung im Pferdeland Niedersachsen
Erst vor wenigen Wochen verbreitete eine Pferdeseuche große Angst in Bayern. Im Freistaat waren angesichts des Auftretens mehrerer Fälle der „Equinen Infektiösen Anämie“ (EIA) mehrere Reitställe gesperrt worden. Infizierte Tiere wurden getötet. Nun versetzt der Ausbruch von Herpesvirus-Infektionen in mehreren Pferdeställen Reiter in der Region Hannover in Unruhe. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa ist besonders das Reitergut Köthenwald in Sehnde betroffen. Dort sind den Angaben zufolge bereits zwei Pferde an den Folgen der ansteckenden Erkrankung gestorben. Und ein weiteres Pferd aus dem Sehnder Reitstall wurde auf der Isolierstation der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho) behandelt.

Keine Daten zur Verbreitung vorhanden
Tiermediziner Karsten Feige, der die Klinik für Pferde an der Tiho leitet, erklärte, dass auch in den Landkreisen Peine und Hildesheim Erkrankungsfälle bekannt geworden seien. Da Pferde-Herpes keine melde- oder anzeigepflichtige Krankheit ist, verfügt das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) nicht über Daten zur Verbreitung in Niedersachsen. Doch es kommt immer wieder zu Ausbrüchen, wie zuletzt 2012 im Landkreis Harburg. Allerdings verläuft die Infektion nur in Einzelfällen tödlich. Eine Übertragung auf den Menschen ist nicht bekannt. „Rotz“, eine andere Erkrankung, die vor allem bei Pferden auftritt, kann aber auf den Menschen übertragen werden und zu Symptomen, wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen führen. Anfang des Jahres war die erste Rotz-Infektion seit fast 50 Jahren in Deutschland gemeldet worden. Betroffen war ein Sportpferd aus Niedersachsen.

Sicherheitsvorkehrungen müssen eingehalten werden
Die aktuell betroffenen Höfe sind dazu angehalten, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. So dürfen die Besitzer beispielsweise die Ställe nur noch in Schutzanzügen betreten. Der Pferdesportverband Hannover hat Verhaltensempfehlungen im Fall akuter Herpesvirus-Infektionen auf seine Internetseite gestellt. „Es ist keine Seuche, aber man sollte die Krankheit nicht unterschätzen“, erläuterte Geschäftsführerin Erika Putensen, die an das Verantwortungsbewusstsein der Halter appellierte. Derzeit dürfe niemand mit einem Pferd aus Beständen, in denen das Virus grassiert, zu Turnieren losfahren. Bisher wurden jedoch in der Region Hannover nur wenige Veranstaltungen wegen Pferde-Herpes komplett abgesagt. Galopper müssen ohnehin alle sechs Monate gegen das Virus geimpft werden.

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Bei Symptomen Tierarzt holen
Pferdebesitzer sollten laut Veterinär Feige frühzeitig einen Tierarzt holen, wenn ihre Tiere Fieber, Schnupfen und Husten haben. Manche erkrankte Pferde zeigen auch neurologische Symptome. Der Tiermedizinprofessor erklärte, dass es nicht möglich sei, das Herpesvirus komplett aus den Ställen zu entfernen. Auch dann nicht, wenn sich mehr Halter für eine Impfung entscheiden würden. Wie es heißt, seien 70 bis 90 Prozent aller Pferde mit Herpesviren infiziert – meist, ohne dass die Besitzer davon wissen. Die Krankheit könne in Stresssituationen ausbrechen und sich dann schnell verbreiten. (ad)