Bettwanzen erobern Deutschland

Fabian Peters

Renaissance der blutsaugenden Parasiten in deutschen Betten

11.02.2014

Bettwanzen galten in Deutschland lange Zeit als annähernd ausgerottet, doch in den letzten Jahren erleben die Parasiten eine regelrechte Renaissance. Oft bringen Reisende die Bettwanzen aus Asien oder Osteuropa mit nach Hause, ohne davon überhaupt zu ahnen. Anschließend können sich die Blutsauger auch hierzulande rasant vermehren und zu einem unangenehmen Plagegeist in den eigenen vier Wänden werden. Lydia Böhm vom Bundesverband der Schädlingsbekämpfer berichtet in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“, dass bei Bettwanzen-Einsätzen bundesweit eine erschreckend steigende Tendenz zu verzeichnen sei und es hier zu wenig Aufklärung gebe.

In Berlin rücken die Kammerjäger laut Angaben des Branchenverbandes derzeit zu etwa 16 Einsätzen pro Woche wegen Bettwanzen in Wohnungen und Hotelzimmer aus. Dies stelle einen neuen Spitzenwert in der Hauptstadt dar und bedeute knapp eine Vervierfachung der Zahlen seit dem Jahr 2007. Wie der Name bereits vermuten lässt, nisten sich die kleinen Krabbeltiere vorzugsweise in Betten einen, wo sie sich tagsüber verstecken und nachts zum Blutsaugen aktiv werden. Die rotbraunen Bettwanzen sind normalerweise rund einen halben Zentimeter lang, können jedoch im vollgesogenen Zustand deutlich anschwellen. Bei einem Stich sondern die Bettwanzen Speichel in die Wunde ab, der meist zu erheblichen Hautirritationen im Bereich der Einstichstellen führt. Auf den ersten Blick erscheinen die in Reihe angeordneten Stiche der Bettwanzen daher oftmals als juckender Hautausschlag. Der Juckreiz hält dabei in der Regel für mehrere Tage an. Bei empfindlicher Reaktion auf den Speichel, können sich auch großflächigere Entzündungen der Haut bilden.

Bettwanzen als Urlaubsmitbringsel
Bettwanzen fühlen sich laut Aussage der Schädlingsbekämpfer überall wohl, wo sie einen warmen Schlafplatz mit Blut zum saugen finden. Dies könne auch Luxushotels und Villen betreffen. „Neulich hatten wir sie sogar auf einem Luxus-Kreuzfahrtschiff“, berichtet Lydia Böhm. Häufig würden die Eier der Wanzen unbemerkt unter Schuhsohlen oder an Koffern haftend eingeschleppt. Auf diesem Wege bringen viele Reisende sie auch aus dem Ausland mit. Demnach seien Bettwanzen heute oftmals ein Problem der „Schönen und Reichen, weil sie so viel unterwegs sind“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ den Vorstand des Berliner Verbandes der Schädlingsbekämpfer, Mario Heising. Dem Branchenkenner zufolge erhalten Kammerjäger auch vermehrt Anrufe von Reisenden aus dem Urlaub, die dort mit Bettwanzen konfrontiert wurden und diese keinesfalls mit nach Hause bringen wollen. In solchen Fällen würden die Koffer der Betroffenen am Flughafen abgeholt und anschließend tiefgefroren, da die Tiere bei Temperaturen unter Minus 18 Grad Celsius absterben. Den Reisenden selbst werde das Anlegen frischer Kleidung empfohlen. Nicht nur bei der Rückkehr von Auslandsreisen können Bettwanzen als ungewolltes Mitbringsel in die Wohnung gelangen, sondern nicht selten werden die Parasiten auch mit gebrauchten Möbeln oder Antiquitäten in die eigenen vier Wände gebracht, berichtet der Bundesverband der Schädlingsbekämpfer.

Unwissenheit und Scham begünstigen Ausbreitung der Bettwanzen
Zu der Ausbreitung der Bettwanzen in Deutschland erläuterte Karolina Bauer-Dubau, Biologin am Berliner Tropeninstitut, gegenüber der „dpa“, dass bei ihr 32 Anfragen zu Bettwanzen im Jahr 2000 eingegangen seien, während im Jahr 2013 die Zahl auf 251 Anfragen gestiegen sei. Eine offizielle Statistik zur Verbreitung der Bettwanzen gebe es jedoch nicht, da keine Meldepflicht für das Auftreten der Parasiten bestehe. Die Renaissance der Bettwanzen ist nach Ansicht der Expertin zum Einen ein Problem der Unwissenheit, anderseits sei das Thema auch mit Scham besetzt. Denn Bettwanzen würden oftmals mit dem Gedanken an mangelnde Hygiene in Zusammenhang gebracht, was heute jedoch völlig unbegründet sei. Dies führe dazu, dass viele Betroffene auch nachdem der Übeltäter identifiziert wurde, noch zu lange warten, bevor sie sich professionelle Hilfe holen. „Oft sind es mehrere Wochen. Da ist die nächste Generation schon geschlüpft“, zitiert die „dpa“ die Aussage der Biologin. Zwar gebe es in Deutschland bislang keinen Nachweis für Krankheiten, die durch Bettwanzen übertragen werden, doch sei aus Südamerika bekannt, dass dies durchaus möglich ist (beispielsweise Übertragung des Q-Fiebers durch Bettwanzen). Theoretisch könne auch eine Hepatitis-B-Infektion durch den Kot der Tiere übertragen werden, wenn dieser in die Einstichstellen gelange, so Bauer-Dubau weiter.

Bei Verdacht auf Bettwanzen einen Schädlingsbekämpfer kontaktieren
Zeigen sich morgens nach dem Aufstehen juckende Pusteln und Quaddeln auf der Haut, kann dies ein Hinweis auf Bettwanzen sein. Allerdings lassen sich die winzigen Krabbeltiere tagsüber kaum entdecken, da sie sich in Bettritzen, Matratzen, Spalten oder auch hinter Bildern und Tapeten versteckt halten. Bei Verdacht auf Bettwanzen lohnt daher eine intensive Suche nach den Parasiten. Mit Taschenlampe und Lupe lassen sich die Tiere durchaus aufspüren, vorausgesetzt man weiß, wo zu suchen ist. Des Weiteren empfiehlt sich bei Hinweisen auf die Parasiten die zeitnahe Hinzuziehung eines professionellen Schädlingsbekämpfers, um eine weitere Verbreitung der Bettwanzen zu vermeiden. (fp)

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