Bienenstich-Therapie als Heilmittel?

Fabian Peters

Bienenstiche werden in China gegen Krebs, Multiple Sklerose und zahlreiche weitere Beschwerden eingesetzt

28.08.2013

Bienen liefern zahlreiche Substanzen, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung von Patienten eingesetzt werden. Hierzu zählt auch das Bienengift, welches direkt per Bienenstich injiziert wird. Die Bienenstichen sollen eine positive Wirkung bei Erkrankungen an Multiple Sklerose (MS), Arthritis und sogar Krebs entfalten. Tausende Patienten in China unterziehen sich daher regelmäßig der schmerzhaften Bienenstich-Therapie.

Unter dem Begriff der Apitherapie werden verschiedene Anwendungsformen von Bienensubstanzen zusammengefasst. Hier kommt neben dem wachsartigen, in Bienenstöcken verbauten, sogenannten Propolis auch der Honig und das Bienengift zum Einsatz. Aktuell erfreut sich insbesondere die Bienenstich-Therapie in China einer hohen Beliebtheit, berichtet die Nachrichtenagentur „AFP“. Zu tausenden würden die Menschen die Akupunkturkliniken aufsuchen, um sich der vielversprechenden Behandlung zu unterziehen. Allerdings fehlt bislang der wissenschaftliche Beleg für die vorbeugende und heilende Wirkung von Bienenstichen. Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie MS oder Krebs sollten sich die Patienten daher keinesfalls auf die Wirkung der Apitherapie alleine verlassen, mahnen Mediziner der American Cancer Society und der National Multiple Sclerosis Society.

Tausenden Menschen erhalten eine Bienenstich-Therapie
Jede Sitzung der Bienenstich-Therapie kann dutzende Einstiche umfassen und sich daher extrem schmerzhaft darstellen. Dennoch haben sich bereits mehr als 27.000 Menschen in der Klinik von Wang Menglin in Peking der Behandlung unterzogen, berichtet die Nachrichtenagentur „AFP“ unter Berufung auf den Bienenstich-Akupunkteur und Betreiber der Klinik. „Wir halten die Biene auf einen Punkt am Körper und kneifen sie, bis der Stachel hervorsticht“, erläuterte Wang. Für die Bienen bedeutet dies den Tod. „Wir haben Patienten mit dutzenden von Krankheiten behandelt, von Arthritis bis Krebs, alle mit positiven Ergebnissen“, zeigte sich der Anwender von seinem Verfahren überzeugt. Auch präventiv könnten die Bienenstiche angewandt werden, so Wang weiter.

Zweifel am Nutzen der Bienenstich-Therapie
In dem Beitrag der Nachrichtenagentur „AFP“ kommen auch die kritischen Stimmen zu Wort, die in dem Angebot von Wang eine reine Geldmache sehen und den unterstellten Nutzen bezweifeln. So sei ein Verfahren, dass sich als Patentrezept und Allheilmittel generiert, „immer eine rote Fahne für Quacksalberei“, betont beispielsweise die US-Website „Science-Based Medicine“. Die American Cancer Society wird mit der Aussage zitiert, bislang würden „keine klinischen Studien am Menschen zeigen, dass Bienengift oder andere Bienenprodukte wirksam bei der Verhinderung oder Behandlung von Krebs sind.“ Ausdrücklich wird davor gewarnt, sich auf die Wirkung der Bienenstich-Therapie zu verlassen, so lange keine wissenschaftlichen Belege für deren Nutzen vorliegen.

Bislang kein Beleg für eine medizinische Wirkung
Zwar kursieren viele Legenden um den Einsatz der Apitherapie wie beispielsweise, dass bereits Karl (geboren 742, verstorben 814) mit Bienenstichen behandelt wurde, doch einen Nachweis des medizinischen Nutzens konnten Forscher bislang nicht erbringen. Vielmehr erläutert die US-amerikanische National Multiple Sclerosis Society, dass „trotz der langjährigen Behauptungen über die möglichen Vorteile von Bienengift für Menschen mit MS, eine 24-wöchige, randomisierte Studie keine Verringerung der Aktivität der Erkrankung, Behinderung oder Müdigkeit zeigte und keine Verbesserung in der Lebensqualität“ bewirkt habe. Belegt sei bislang allein die allergische Reaktion auf das Bienengift, die für Menschen einer Insektengift-Allergie lebensbedrohliche Folgen haben kann.

Traditionelle Chinesische Medizin eine boomende Branche
In China werden die Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) meist auch in den regulären Praxen und Krankenhäusern angeboten, da viele Menschen auf die überlieferten Verfahren vertrauen. Sie sind ein wichtiger Teil von Chinas Gesundheitssystem und eine stark wachsende Branche, die auch von Seiten der Zentralregierung mit erheblichen Investitionen unterstützt wird. „Es kann ein lukratives Feld für Unternehmen und Praktiker sein – im vergangenen Jahr produzierte die TCM-Industrie Waren im Wert von 516 Milliarden Yuan, mehr als 31 Prozent der gesamten Produktion im medizinischen Sektor Chinas“, so die Mitteilung der Nachrichtenagentur „AFP unter Berufung auf die Zahlen des chinesischen National Bureau of Statistics. Die hohe Nachfrage basiere zum Teil auch darauf, dass sich die Menschen die neuesten Arzneimittel nicht leisten können. Insbesondere bei den älteren Menschen gehe die Präferierung der TCM jedoch auf tief verwurzelte kulturelle Überzeugungen zurück. Die Menschen glauben an die Kraft der natürlichen Zutaten. (fp)

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Bild: Heiko Hausmann / pixelio.de