Blutdrucksenker Hydralazin kann offenbar das Leben deutlich verlängern

Fabian Peters

Altes Blutdruck-Medikament erhöht bei Modellorganismen die Lebenserwartung

Das Streben nach ewiger Jugend ist weit verbreitet und viele Menschen versuchen sich mit kosmetischen Hilfsmitteln ein jüngeres Aussehen zu verleihen. Auch die Medizinforschung sucht seit Jahren nach Möglichkeiten, die Zellalterung zu verlangsamen. Nun haben Wissenschaftler entdeckt, dass das Blutdruck-Medikament Hydralazin das Leben eines Modellorganismus um 25 Prozent verlängert. Wäre der gleiche Effekt bei Menschen zu erzielen, könnten wir durch die Einnahme des Medikament rund zwanzig Jahre älter werden.


Hydralazin ist zur Behandlung von Bluthochdruck zugelassen, doch findet es aufgrund drohender Nebenwirkungen kaum noch Anwendung als Antihypertonikum. Eher zufällig entdeckten Wissenschaftler nun, dass das Medikament auch die Lebensspanne zweier Spulwurm-Arten des Stammes C. Elegans verlängert. Diese Würmer werden in der Altersforschung häufig verwendet. Ihre Lebensphase verlängerte sich um 25 Prozent bei Anwendung von Hydralazin, berichten die Forscher. Sie führen dies auf die verbessere Stressresistenz der Würmer zurück. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

Das Blutdruckmedikament Hydralazin schützt das Gehirn vor oxidativem Stress und verlängert die Lebensspanne bei dem Modellorganismus C. Elegans. (Bild: Tatiana Shepeleva/fotolia.com)

Bluthochdruckmedikament an Modellorganismen getestet

Die Forscher des UT Southwestern Medical Center in Dallas waren laut eigenen Angaben ursprünglich auf der Suche nach Biomarker für oxidierte und toxische Proteine im Gehirn. Bei ihrer Suche nach einer Substanz, die die Blut-Hirn-Schranke passieren kann und ungiftig für den Menschen ist, sind sie auf Hydralazin gestoßen. In den weiteren Untersuchungen habe das Bluthochdruckmedikament zu einer deutlichen Verlängerung der Lebenspanne bei zwei Stämmen des Modellorganismus C. Elegans geführt, so die Mitteilung des UT Southwestern Medical Center. Dies sei vermutlich auf die Aktivierung von Genen zurückzuführen, die die Zellen vor oxidativem Stress schützen.

Schutz vor oxidativem Stress

Der oxidative Stress ist eines der Kennzeichen des Alterns und der neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, erläutert Dr. Hamid Mirzaei. Der NRF2-Stoffwechselweg schütze menschliche Zellen vor diesem oxidativem Stress und SKN-1, ein Transkriptionsfaktor von C. elegans, entspricht NRF2 beim Menschen, so der Studienleiter weiter. Diese Transkriptionsfaktoren beeinflussen in den Zellen eine Vielzahl von antioxidativen Abwehrmechanismen, was den Schluss nahe legt, dass die im Alter nachlassende Fähigkeit des Körpers, die schädlichen Sauerstoffradikalen abzubauen, durch Steuerung des NRF2-Stoffwechselwegs ausgeglichen werden kann.

Protektive Wirkung im Gehirn

Das Bluthochdruckmedikament erhöhte in den Versuchen die Aktivierung von NRF2 bzw. SKN-1 und verlängerte die Lebensspanne von C. elegans um 25 Prozent (von 15 bis 18 Tagen auf etwa 20 bis 23 Tage). Um die Wirksamkeit von Hydralazin im Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen zu testen, verabreichten die Wissenschaftler den Würmern zudem eine hohe Dosis des chemischen Stressors Rotenon, der mit einem erhöhten Risiko für Parkinson-Erkrankungen bei Menschen in Zusammenhang gebracht wird, wenn sie hohen Dosen ausgesetzt sind. Die Würmer waren durch Hydralazin weitgehend resistent gegen das Gift, erläutert Dr. Mirzaei. Zudem habe Hydralazin auch eine signifikante Abnahme der Tau-Toxizität im C. elegans-Modell der Alzheimer-Krankheit gezeigt.

Aussicht auf neue Behandlungsansätze

„Altersbedingte neurodegenerative Erkrankungen sind verheerend, und ihre Verbreitung steigt aufgrund der Zunahme der Lebensspanne der Menschen“, betont Dr. Mirzaei. Daher sei es wichtig, neue Behandlungsansätze zu entwickeln, die die Gesundheit so lange wie möglich aufrecht erhalten. „Basierend auf den aktuellen Ergebnissen sehen wir in Hydralazin einen guten Kandidat für klinische Studien zur Behandlung von altersbedingten Erkrankungen beim Menschen, da es auch der alternden Bevölkerung allgemeine Gesundheitsvorteile bieten kann“, so das Fazit des Studienleiters. (fp)