Blutungen durch Blutverdünner und Antibiotika

Astrid Goldmayer

Blutverdünner und Antibiotika sind gemeinsam eingenommen riskant

17.01.2014

Blutverdünner hemmen die Gerinnung des Blutes. Sie werden beispielsweise gegen Herz-Rhythmus-Störungen oder Thrombose verschrieben. Neben Patienten gleichzeitig Antibiotika ein, erhöht sich dadurch das Risiko für Blutung drastisch. Zu diesem Ergebnis kamen Kölner Wissenschaftler bei der Auswertung von Krankenkassendaten von 24 Millionen Versicherten der AOK.

Gleichzeitige Einnahme von Antibiotika und Blutverdünnern erhöht das Risiko für Blutungen um das 2,4-Fache
Wer Blutverdünner und gleichzeitig Antibiotika einnimmt, hat ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Blutungen. Bei bestimmten Antibiotika ist das Risiko sogar um das Fünffache erhöht. Das ergab eine Studie von Dr. Sascha Abbas und Dr. Ingrid Schubert von der Uniklinik Köln und ihren Kollegen. Die Wissenschaftler analysierten für ihre Untersuchung die AOK-Daten von Versicherten, die in den Jahren von 2006 bis 2010 wegen einer Blutung im Krankenhaus behandelt wurden. „Wir haben Routinedaten der Krankenkassen benutzt, die eigentlich für die Abrechnung erhoben werden“, erklärte Abbas gegenüber der Zeitung „Die Welt“. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler die reale Versorgungssituation berücksichtigen und mussten nicht auf klinische Studien zurückgreifen.

Von 500.000 Patienten, denen Medikamente mit dem Wirkstoff Phenprocoumon verordnet wurden, mussten 14.000 wegen Blutungen in einer Klinik behandelt werden. „Wir haben die Fälle mit einem Blutungsereignis und die Kontrollen ohne Blutungsereignis im Hinblick darauf verglichen, ob der Patient zusätzlich Antibiotika bekommen hat“, erläuterte Abbas. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die gleichzeitige Einnahme von Blutverdünnern und Antibiotika das Risiko für Blutungen um das 2,4-Fache erhöht. „Je nach Wirkstoff des Antibiotikums kann es sogar noch höher liegen“, berichtete der Mediziner.

Bestimmte Antibiotika-Gruppen erhöhen das Risiko für Blutungen besonders stark
Wie sich herausstellte, erhöht sich das Risiko eines Blutungsereignisses durch die gleichzeitige Einnahme von Blutverdünnern und bestimmten Antibiotika-Gruppen besonders stark. So stellten Abbas und Schubert fest, dass die Gruppe der Fluorchinolone ein mindestens dreifach erhöhtes Risiko und der Wirkstoff Ofloxacin sogar ein fünffach erhöhtes Risiko birgt. Zwar sind die Wechselwirkungen von Blutverdünnern und Antibiotika bereits bekannt, die Forscher empfehlen jedoch, diese zukünftig noch stärker zu berücksichtigen angesichts der alarmierenden Studienergebnisse. „Wenn möglich sollte auf Antibiotika zurückgegriffen werden, die mit niedrigeren Blutungsrisiken einhergehen“, riet Abbas. „Auch Patienten sollten über das Risiko Bescheid wissen und Ärzte darüber informieren, dass sie Blutverdünner einnehmen.“ Die Studie der Kölner Wissenschaftler wurde in der Fachzeitschrift „Thrombosis and Haemostasis“ veröffentlicht.

Häufig Wechselwirkungen von Medikamenten
Anfang vergangenen Jahres ergab eine Untersuchung des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass jede sechste Arzneimittelverordnung das Risiko von gefährlichen Wechselwirkungen mit einem anderen Medikament birgt. Besonders gefährdet sind demnach ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen. Vor allem Pflegeheim-Bewohnern würden teilweise Dosierungen und Kombinationen von Arzneimitteln verschrieben, die als Körperverletzung bezeichnet werden könnten, schrieb damals die „Rheinische Post“. Laut Studie erhielten drei von tausend Patienten einen Medikamenten-Mix, der tödliche Folgen haben kann. In 3,5 Prozent der Fälle drohten schwere gesundheitliche Folgen berichtete die Zeitung.

Laut WIdO sind vor allem die Ärzte gefordert, riskante Wechselwirkungen von Medikamenten beim Verschreiben der Medikamente zu beachten und zu vermeiden. Mediziner müssten sich demnach auch besser informieren, welche rezeptfreien Mittel ein Patient zusätzlich zu den ärztlich verordneten einnehmme. (ag)

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