Brustkrebstherapie: Risiko tödlicher Herzerkrankungen offenbar nicht erhöht

Alfred Domke

Tödliche Herzerkrankungen: Gefahr für Brustkrebspatientinnen geringer als angenommen

Erst kürzlich berichteten Gesundheitsexperten aus den USA, dass bestimmte Brustkrebsbehandlungen das Risiko für Herzerkrankungen verstärken können. Deutsche Forscher haben nun jedoch in einer Studie festgestellt, dass die Gefahr für Brustkrebspatientinnen, nach einer Strahlen- oder Chemotherapie an einer Herzerkrankung zu versterben, nicht größer als bei der durchschnittlichen Bevölkerung ist.


Häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Allein in Deutschland werden jährlich bis zu 70.000 Neuerkrankungen gezählt. Viele Patientinnen müssen sich einer Chemotherapie mit belastenden Nebenwirkungen unterziehen. Doch schon seit langem wird von Gesundheitsexperten darauf hingewiesen, dass diese bei Brustkrebs nicht immer sinnvoll ist. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass diese Behandlungsform und auch die Strahlentherapie mit einem erhöhten Herz-Risiko einhergehen. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg zeigen nun jedoch in einer Studie, dass die Gefahr für Brustkrebspatientinnen, nach einer Strahlen- oder Chemotherapie an einer Herzerkrankung zu versterben, nicht größer als bei der durchschnittlichen Bevölkerung ist.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben Hinweise dafür geliefert, dass Strahlen- und Chemotherapien bei Brustkrebspatientinnen das Risiko für Herzerkrankungen erhöhen. In einer aktuellen Studie wurde diese Gefahr jedoch nicht bestätigt. (Bild: auremar/fotolia.com)

Herzerkrankung nach Brustkrebstherapie

Eine verbesserte Früherkennung und wirksamere Therapieverfahren haben das Risiko, an Brustkrebs zu versterben, erheblich gesenkt.

„Allerdings deuten einige klinische Studien darauf hin, dass sowohl Chemotherapie als auch Strahlentherapie mit dem Risiko einhergehen, in Folge der Behandlung eine Herzerkrankung zu erleiden“, so Hermann Brenner vom DKFZ in einer Mitteilung.

Über die tatsächlichen Risiken dieser nebenwirkungsbedingten Herzerkrankungen war jedoch noch wenig bekannt.

Doch für einige Patientinnen könnte die Gefahr, nach überstandener Behandlung langfristig aufgrund der Nebenwirkung zu versterben, sogar größer sein als durch die Krebserkrankung selbst.

Die aktuelle Studie aus dem DKFZ vermag diese Sorge nun zu zerstreuen.

Keine erhöhte Gefahr festgestellt

Brenners Team hat die Daten von annähernd 350.000 Patientinnen aus US-amerikanischen Krebsregistern ausgewertet. Die Frauen waren in den Jahren 2000 bis 2011 an Brustkrebs erkrankt und daraufhin mit einer Strahlen- oder Chemotherapie behandelt worden.

Die Wissenschaftler verglichen die Daten der Patientinnen mit Daten zur weiblichen Durchschnittsbevölkerung in den Vereinigten Staaten und kamen zu dem eindeutigen Ergebnis:

Die Gefahr, langfristig an einer Herzerkrankung zu versterben, ist nach einer Brustkrebsbehandlung nicht größer als bei der durchschnittlichen weiblichen Bevölkerung. Das gilt für Chemotherapien ebenso wie für Bestrahlungen.

Auch spezielle Behandlungsmethoden für die Untergruppe der so genannten HER2-positiven Patientinnen sind nicht mit einem höheren Risiko für den Tod durch eine Herzerkrankung verbunden.

Gute Nachricht für Patientinnen

„Wir waren von diesem Ergebnis zunächst selbst überrascht“, sagt Janick Weberpals, Erstautor der Studie. „Doch wir gehen davon aus, dass unsere Untersuchung ein realistischeres Bild von der tatsächlichen Situation der Behandlung zeichnet, als es bei klinischen Studien der Fall ist.“

Für klinische Studien werden Probandengruppen nach speziellen Kriterien zusammengestellt. Die Auswertung der Krebsregister berücksichtigt jedoch alle darin erfassten Brustkrebspatientinnen.

Zum Teil lässt sich der Effekt wahrscheinlich auf ein gutes Risikomanagement in den Kliniken, etwa durch spezielle kardioonkologische Einheiten, zurückführen.

Dabei wird das individuelle Risiko einer Patientin, aufgrund der Brustkrebsbehandlung eine Herzerkrankung zu erleiden, bereits bei der Auswahl der geeigneten Therapie berücksichtigt.

Engmaschige Kontrollen im Verlauf der Behandlung ermöglichen zudem, Nebenwirkungen auf das Herz frühzeitig zu erkennen, die onkologische Therapie entsprechend anzupassen sowie eine mögliche Herzerkrankung rasch zu behandeln.

„Das Ergebnis unserer Studie werten wir als sehr positiv für die Behandlung von Brustkrebs“, fasst Brenner zusammen. Es zeige, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die meisten Patientinnen stimmt.

„Insbesondere ist es aber eine sehr gute Nachricht für die große Zahl der betroffenen Patientinnen, dass sie sich bei einer guten medizinischen Betreuung und nach überstandener Brustkrebserkrankung nicht mehr Sorgen bezüglich tödlicher Herzerkrankungen machen müssen, als Frauen gleichen Alters ohne Brustkrebs.“ (ad)