Charité: Streik weitet sich aus

Sebastian

Charité: Streik weitet sich auf andere Klinikbereiche aus

03.05.2011

Der Streik am Berliner Universitätsklinikum Charité weitet sich auf weitere Klinikbereiche aus. Neben den Pflegekräften, technischen Angestellten und Reinigungsfachkräften streikt nun auch die zentrale Poststelle der Klinik. Seit Montag sind über 2000 Klinikangestellten in den unbefristeten Streik getreten. Der OP-Betrieb ist nahezu stillgelegt. Fast alle medizinischen Eingriffe wurden abgesagt oder verschoben.

Mehr zum Thema:

Weitere Klinikbereiche solidarisieren sich
Dem Streik der Pfleger und Krankenschwestern hat sich nun auch die Poststelle der Charité angeschlossen. Das könnte für die Klinik weitere logistische und organisatorische Probleme bedeuten. „Wir haben heute in allen Bereichen noch mal eine Schippe draufgelegt“, erklärte der Vorsitzende der Verdi Betriebsgruppe an der Charité, Carsten Becker. Aufgrund des Streiks hätten zusätzliche Krankenbetten nicht zur Verfügung gestanden.

Verdi lobt hohe Streikbeteiligung
Auch am heutigen Dienstag, dem Dienstag, den 3. Mai 2011 wird der Streik der Angestellten weiter fortgeführt. "Die sehr hohe Streikbeteiligung ist ein deutliches Zeichen, das hoffentlich auch von der Arbeitgeberseite verstanden wird. Bislang haben die Arbeitgeber leider nicht die Chance genutzt, um mit einem verhandlungsfähigen Angebot die angespannte Lage zu entschärfen", sagte Bettina Weitermann, Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Verdi. Ein Ende des Streiks ist daher nicht in Sicht.

Notfälle werden weiterhin betreut
Durch die vor dem Streik mit der Klinikleitung ausgehandelte Notdienstvereinbarung wird sichergestellt, dass alle wirklichen Notfälle und Patienten mit lebensbedrohliche Erkrankungen behandelt werden. An allen drei Charité-Standorten haben sogenannte Clearingstellen die Arbeit begonnen, um Streitfälle mit den Arbeitgebern zu klären. Nicht dringend medizinisch notwendige Untersuchungen oder Therapie werden derzeit nicht durchgeführt.

Tarifangleichung auf Bundesniveau gefordert
Bevor der Streik begann waren alle Tarifverhandlungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeberseite gescheitert. Seit Beginn der Frühschicht am Montag streiken Krankenschwestern, Pflegekräfte und Mitarbeiter des medizinisch-technischen Bereichs für höhere Löhne. Für die Mitarbeiter fordern die Gewerkschaften mindestens 300 Euro brutto mehr, um eine Tarifangleichung auf Bundesniveau zu erreichen. Von Arbeitgeberseite wurden nach Angaben von Verdi bislang keine Angebote unterbreitet. Zwar habe man Verständnis für den Arbeitskampf, die finanzielle Situation erlaube jedoch keine Lohnanpassungen, wie es hieß.

Weitere Demonstrationen am Nachmittag geplant
Wie bereits gestern planen die Beschäftigten im Ausstand auch heute Demonstrationen durchzuführen. Vom Standort Virchow Klinik und Charité Mitte werden gegen 15.30 Uhr zwei Demonstrationen starten, die sich auf der Müller- Ecke Fennstraße treffen. Dort findet gegen 16.45 Uhr eine Kundgebung statt. Bereits gestern hatten über eintausend Streikende für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne demonstriert. (sb)