Das Krebsrisiko kann deutlich reduziert werden

Sport treiben, Obst und Gemüse essen und Übergewicht vermeiden. Bild: Trueffelpix - fotolia
Sebastian
Menschen sterben meist an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder an Krebs. Um ein frühes Krebserkrankungsrisiko zu senken, sind einige Verhaltensweisen im Alltag erforderlich. So lassen sich relativ viele Krebserkrankungen verhindern, die nämlich oftmals überhaupt entstehen, weil der Betroffene ungesund gelebt hat. Am Welt-Krebs-Tag zeigen Experten, was zu beachten ist.
Jeder zweite Deutsche erkrankt an Krebs
In den vergangenen Wochen häuften sich Meldungen über Prominente, die einem Krebsleiden erlegen waren: Rocklegende David Bowie, Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister oder „Harry-Potter“-Star Alan Rickman: Sie alle starben an Krebs. Nach Herz-Kreislauferkrankungen sind bösartige Tumore die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) vor kurzem berichtete, wird etwa jeder Zweite früher oder später daran erkranken. Rund 500.000 Menschen in Deutschland erhalten jedes Jahr die gefürchtete Diagnose. Zwar ist es in vielen Fällen Schicksal, allerdings kann der Lebensstil das Krebsrisiko erheblich beeinflussen. Darauf weisen Experten anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar hin.

Häufige Solarium-Besuche erhöhen das Krebsrisiko. Bild:
Häufige Solarium-Besuche erhöhen das Krebsrisiko. Bild:

Die Hälfte der bösartigen Tumore wären vermeidbar
Es gibt auf diesem Gebiet jedoch Studien, die zu durchaus abweichenden Ergebnissen kommen. Bekannt ist, dass es dabei auch deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Krebsarten gibt. Nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler wären jedoch insgesamt bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen nicht rauchen würden, auf Alkohol verzichteten, auf ihre Ernährung achteten, Sport trieben und schlank blieben. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zum Thema, erklärte der Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Rudolf Kaaks: „Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen.“

Rauchen ist für viele Krebsfälle verantwortlich
Laut Kaaks sei Rauchen bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs sei der Anteil dem Experten zufolge sogar noch viel höher. Erschwerend hinzu komme, dass Lungenkrebs sehr häufig tödlich ende. „Rauchen ist Ursache und sicherlich auch Killer Nummer eins, wenn es um die Krebssterblichkeit geht.“ Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, warnte ebenfalls vor den Folgen des Tabakkonsums. Er meinte, es gebe relativ wenige Möglichkeiten, Krebs wirkungsvoll vorzubeugen, nicht zu rauchen sei eine davon. Besonders problematisch sei, dass Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährden. Wie es heißt, würden hierzulande pro Jahr rund 3.000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs sterben. Positiv ist hier eine Meldung des DKFZ aus dem vergangenen Jahr: Deren aktueller Tabakatlas zeigt, dass es immer weniger Raucher in Deutschland gibt.

Erhöhtes Risiko durch Übergewicht
Dass Übergewicht das Krebsrisiko erhöht, ist eher wenigen Menschen bekannt. Laut Schätzungen könnten darauf mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle zurückgeführt werden. „Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung vermutlich Übergewicht eine Rolle spielt, wird immer länger“, erläuterte Kaaks. Nicht nur Fettleibigkeit (Adipositas) gelte hier als Risikofaktor, sondern auch bei an sich schlanken Menschen mit viel Bauchfett sei die Gefahr größer. Bruns hingegen sieht keinen so offensichtlichen Zusammenhang. Zwar könne das Gewicht ein Risikofaktor für Krebs sein, doch niemand könne sagen, um wie viel das Risiko ab einem bestimmten Gewicht steige, so der Experte.

Schützende Wirkung von Ballaststoffen
Auch eine Fehlernährung erhöht das Krebsrisiko. Laut Kaaks spielt bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle falsche Ernährung eine Rolle. Andererseits gibt es auch Lebensmittel, die etwas vor Krebs schützen. Dem DKFZ-Fachmann zufolge seien die schützende Wirkung von Ballaststoffen und die schädliche Wirkung von rotem Fleisch am besten belegt und am stärksten ausgeprägt. Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte vor wenigen Monaten rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft. Zudem hat die IARC als Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) darauf hingewiesen, dass man durch einen hohen Konsum von verarbeitetem Fleisch – wie etwa Würstchen – sein Darmkrebs-Risiko erhöhe. Nicht bestätigt habe sich laut Kaaks, dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken.

Körperliche Aktivität gegen Darm- und Brustkrebs
Belegt ist zudem, dass körperliche Aktivität das Risiko für Darm- und Brustkrebs senkt. „Und es mag sehr wohl sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt“, so Kaaks. Der Fachgebietsleiter des Zentrums für Krebsregisterdaten am RKI, Klaus Kraywinkel, schätzt, dass mindestens jeder fünfte Krebsfall auf Bewegungsmangel, Übergewicht und/oder ungesunde Ernährung zurückzuführen ist. „Fitness wirkt ein Stück weit schützend“, erklärte Bruns laut dpa. „Aber kein Mensch sollte glauben, vor Krebs gefeit zu sein, nur weil er jedes Jahr den Berlin-Marathon läuft.“ Auch bei einer Erkrankung macht Sport offenbar Sinn. So berichteten britische Forscher kürzlich, dass aktive Bewegung im Kampf gegen Krebs helfen kann.

Sport treiben, Obst und Gemüse essen und Übergewicht vermeiden. Bild: Trueffelpix - fotolia
Sport treiben, Obst und Gemüse essen und Übergewicht vermeiden. Bild: Trueffelpix – fotolia

Schon ein Glas Bier könnte ausreichen
Auch Alkoholkonsum erhöht das Krebsrisiko. Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind laut Kaaks darauf zurückzuführen. Insbesondere die Kombination von Alkohol und Rauchen sei seiner Meinung nach gefährlich. Demnach reiche bereits ein Glas Wein oder Bier, um das Risiko für bestimmte Krebsarten leicht, aber nachweisbar zu steigern. Auch hier hat Bruns eine etwas andere Meinung. Er ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. „Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht“, erläuterte er. Allerdings sei diese Schwelle von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Hautkrebs wegen Sonnenbränden
Dermatologen warnen oft: Jeder Sonnenbrand wird auf dem eigenen Haut-Konto addiert. Kaaks zufolge gingen vermutlich 90 Prozent aller Melanome auf Sonnenbrände zurück. Somit sind diese der Hauptrisikofaktor für schwarzen Hautkrebs. „Daher ist es extrem wichtig, Sonnenbrände zu vermeiden.“ Besonderen Schutz brauchen beispielsweise Kinder und Menschen mit heller Haut und roten Haaren. „Aber man muss nicht so weit gehen, dass man bei Sonnenschein im Keller sitzt und nur abends rausgeht.“ Sonnenlicht sei schließlich wichtig für die Versorgung mit Vitamin D, das für Gesundheit und Psyche bedeutsam sei. Des Weiteren spielen Bakterien und Viren bei manchen Krebsarten eine gravierende Rolle. Wie Kaaks in der dpa-Meldung sagte, seien etwa HPV-Infektionen für alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Es gebe jedoch eine Impfung dagegen. Kraywinkel nimmt an, dass in Deutschland bei fünf bis zehn Prozent der Krebserkrankungen chronische Infektionen eine Rolle spielen. Zu den bekanntesten Erregern zählen dabei das Hepatitis B- und C-Virus sowie das Bakterium Helicobacter pylori.

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Krebsvorbeugung
Bruns meinte laut dpa, gesetzliche Vorsorgeuntersuchungen seien neben dem Verzicht aufs Rauchen die wichtigste Maßnahme zur Krebsvorbeugung. Zum Beispiel ließen sich bei einer Darmspiegelung schon Krebsvorstufen erkennen und entfernen. Darmkrebs könne dadurch gar nicht erst entstehen. Auch beim Hautkrebs-Screening und beim Pap-Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs gebe es ähnliche Effekte. An manchen dieser Untersuchungen wird aber immer wieder Kritik geäußert. Vor allem Hautärzte zeigten sich in der Vergangenheit verärgert über Zweifel an der Krebsvorsorge und wiesen auf deren Erfolge hin. Selbst wenn Krebs bereits entstanden sei, könne er durch manche Untersuchungen oft frühzeitig entdeckt werden. (sb)

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