Einsamkeit wirkt sich schlimmer auf die Lebenserwartung aus als Fettleibigkeit

Alexander Stindt
Wie stark beeinflusst Einsamkeit und soziale Isolation unsere Lebenserwartung?
Können Einsamkeit und soziale Isolation eine Bedrohung für die Lebenserwartung von Menschen sein? Forscher fanden jetzt heraus, dass Einsamkeit deutlich die Sterblichkeit erhöht und sogar die Größenordnung des Risikos von gesundheitlichen Problemen durch Fettleibigkeit übertrifft.

In der heutigen Zeit gibt es leider immer mehr Menschen, welche in ihrem Leben unter starker Einsamkeit leiden. Die Wissenschaftler der Brigham Young University stellten bei ihrer Studie fest, dass Isolation und Einsamkeit wichtige Faktoren sind, wenn es um Beeinträchtigungen der Lebenserwartung geht. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift „PLOS Medicine“.

Trotz wachsender Kommunikationsmöglichkeiten leiden immer mehr Menschen unter Einsamkeit und sozialer Isolation. Dies kann dazu führen, dass bei Betroffenen die Lebenserwartung reduziert wird. (Bild: nikodash/fotolia.com)

Immer mehr Menschen leben alleine
Übergewicht und Fettleibigkeit sind in der heutigen Gesellschaft leider weit verbreitet. Die Auswirkungen von Gewichtsprobleme können so schwerwiegend sein, dass sie sogar zum Tode führen. Vergleichbar schwerwiegend seien die Auswirkungen von Einsamkeit und sozialer Isolation, berichten die Autoren der neuen Untersuchung. Auch würden immer mehr Menschen in den USA alleine leben, immer weniger Menschen heiraten und weniger Kinder geboren.

Soziale Isolation und Einsamkeit führen zu einer verkürzten Lebenserwartung
Mit anderen Menschen sozial verbunden zu sein, gilt weithin als ein grundlegendes menschliches Bedürfnis für das Wohlbefinden und das menschliche Überleben, erläutert Autorin Julianne Holt-Lunstad von der Brigham Young University. Es gebe „robuste Beweise dafür, dass soziale Isolation und Einsamkeit das Risiko für die vorzeitige Sterblichkeit deutlich erhöhen“, fügt die Expertin hinzu.

Welche Auswirkung hat eine intakte starke Beziehung auf die Lebenserwartung?
Durch eine Untersuchung von sozialen Beziehungen, Gesundheitszustand und Ursachen der Sterblichkeit war das Team in der Lage, einen Unterschied zwischen sozial isolierten Menschen und Personen mit stärkeren sozialen Bindungen zu quantifizieren. Menschen mit einer starken sozialen Beziehung hatten eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass sie länger als die isolierten Probanden lebten.

Auswirkungen des Effekts der Einsamkeit sind enorm
Die Größe des festgestellten Effekts übersteigt viele bekannte Risikofaktoren für die Mortalität. Zu diesen gehören beispielsweise Fettleibigkeit und körperliche Inaktivität. Für die Studie wurden mehrere Ergebnisse von anderen Untersuchungen ausgewertet. Dabei wurde besonders betrachtet, wie viele Menschen einsam sterben, sozial isoliert sind oder völlig alleine leben. Alle dieser Faktoren führen zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Mortalität um etwa 26 bis 32 Prozent, erläutern die Experten.

Einsamkeit kann zu psychischen Problemen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen
Es gibt ein zunehmendes Bewusstsein für die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Einsamkeit und sozialer Isolation. Denn die Ergebnisse früherer Studien hatten zum Beispiel bereits gezeigt, dass ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei alleine lebenden Personen vorliegt.

Immer mehr Menschen leben in Einsamkeit
In den USA lebt mehr als ein Viertel der Menschen alleine. Ähnliche Trends wurden auch in anderen Ländern der Welt beobachtet, wie Indien und Großbritannien, wo die Einsamkeit bei älteren Menschen besonders akut ist, erklären die Wissenschaftler. Bei einer zunehmend alternden Bevölkerung sei die Wirkung auf die öffentliche Gesundheit nur abzuschätzen, fügt Holt-Lunstad hinzu.

Wie können wir gegen die Einsamkeit vorgehen?
Es gibt in vielen Ländern eine Art von Einsamkeitsepidemie und die Herausforderung ist, erfolgreiche Methoden zu entwickeln, mit denen man dagegen vorgehen kann. „Wir müssen kollektive Maßnahmen ergreifen, um die Einsamkeit als eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu bekämpfen, indem wir beispielsweise soziales Kompetenztraining für Kinder in der Schule anbieten“, sagen die Forscher. Auf der individuellen Ebene sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Beziehungen lenken. Um Einsamkeit zu bewältigen, sollten wir die Qualität unserer Beziehungen verbessern, indem wir die Intimität mit den Menschen um uns herum verbessern, raten die Experten. (as)