Studie: Mit Kind oder ohne: Stress ist Stress

Sebastian

Eltern fühlen sich gestresst – Kinderlose auch

14.02.2014

Einer aktuellen Studie zufolge fühlen sich viele Eltern gestresst. Die Doppelbelastung mit Kindern und Karriere belastet Mütter und Väter. Doch auch Kinderlose leiden während der „Rushhour des Lebens“ an Stress.

Gestresste Eltern und Kinderlose
Dem aktuellen Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) zufolge spürten ein Fünftel der Mütter und 17 Prozent der Väter im Alter zwischen Mitte 20 und Anfang 40 chronischen Stress. Sehr ähnlich sah das Ergebnis bei den gleichaltrigen Kinderlosen aus. Auch bei ihnen fühlten sich etwa ein Fünftel der Frauen und rund 18 Prozent der Männer dauerhaft gestresst. Rund 3.000 Bundesbürger zwischen 25 und 40 Jahren waren im Dezember für die Studie befragt worden.

Rushhour des Lebens
Unter Sozialwissenschaftlern gelte die Altersspanne zwischen 30 und 40 inzwischen oft als die sogenannte „Rushhour des Lebens“. Denn junge Erwachsene müssten mittlerweile meist in kürzerer Zeit als früher gleichzeitig Entscheidungen über Karriereplanung und Kinder treffen. In der Umfrage habe sich die Vermutung, dass dieser Marathon die jungen Eltern stärker auslaugt, als vor 20 oder 30 Jahren jedoch nicht bestätigt. Hans Bertram, Soziologe an der Berliner Humboldt-Universität, wertete am Donnerstag das Studienergebnis: „Es gibt deutlich weniger überforderte junge Eltern als erwartet.“ Er meint: „Das ist eine positive Botschaft.“

Ohne Kind beruflich weiter
Allgemein seien die Ergebnisse überraschend gewesen. Im Report heißt es: „Erwerbstätige Eltern, Mütter wie Väter, zeigen keine erhöhte Belastung durch chronischen Stress.“ Auch beim Krankenstand zeigten sich keine Unterschiede zwischen Eltern und Kinderlosen. „Selbst in Vollzeit arbeitende Mütter haben keine höheren Stresswerte als Mütter in Teilzeit oder nicht erwerbstätige Mütter“, wie die DAK schreibt. Die Studie zeige aber auch einige Probleme auf. So habe etwa die Hälfte aller Mütter angegeben, dass sie ohne Kind beruflich weiter wären. Zudem sei festgestellt worden, dass mehr als die Hälfte der kinderlosen Frauen (53 Prozent) um die richtige Balance zwischen Job und Privatleben fürchtet. Bei den Müttern täten dies nur 43 Prozent.

Eltern auf Freizeit bezogen im Nachteil
Auf Freizeit und Sport bezogen seien Eltern jedoch gegenüber Kinderlosen im Nachteil. So würden berufstätige Eltern offenbar weniger auf ihre Gesundheit achten, als Menschen ohne Nachwuchs. Da vielen die Zeit fehle, treiben nur etwa 17 Prozent der berufstätigen Mütter viel Sport, von den kinderlosen Frauen täte dies jedoch etwa jede Dritte. Und auch Schlafmangel sei unter Müttern verbreiteter. So achten laut dem Report nur 48 Prozent auf ausreichende Erholung. Bei den kinderlosen Frauen seien es immerhin 61 Prozent.

Väter plagt schlechtes Gewissen
Von den Vätern beklagt etwa die Hälfte, nicht genügend Zeit für sich selbst zu haben. Bei den Männern ohne Nachwuchs täten dies 43 Prozent. Kapp die Hälfte der Väter plage ein schlechtes Gewissen, da sie glauben, nicht genug für ihre Kinder da zu sein. Auch bei der sportlichen Betätigung fallen die Unterschiede bei den Männern ähnlich aus wie bei den Frauen. So würden es nur rund 23 Prozent der vollbeschäftigten Väter schaffen, viel Sport zu treiben. Bei den kinderlosen Männern seien es gut zehn Prozent mehr. Ebenso wie die Mütter würden Väter seltener für genug Schlaf und Erholung (rund 42 Prozent) sorgen als Männer ohne Nachwuchs (51 Prozent). Der Studie zufolge sei außerdem auffällig, dass Väter mehr Alkohol und Zigaretten konsumieren, als dies kinderlose Männer tun.

Prävention besonders wichtig
Auch wenn viele der Ergebnisse des Gesundheitsreports durchaus positiv sind, so weißt die DAK trotzdem auf die gesundheitlichen Probleme der jungen Generation hin. Viele der Befragten hätten angegeben, an Rückenschmerzen zu leiden und depressive Phasen zu erleben. Auch Bluthochdruck, der häufig mit Stress und Bewegungsmangel in Verbindung steht, sei für manche ein Problem. Dabei würden sich viele chronische Krankheiten, insbesondere in der Frühphase, durch einen gesunden Lebensstil beeinflussen lassen. Gerade in dieser Lebensphase sei Prävention deshalb besonders wichtig. (sb)

Bild: Benjamin Thorn / pixelio.de