Erneut Keimausbruch an Berliner Charité

Sebastian

Resistenter Keim befällt Patienten auf der Intensivstation

27.02.2013

Erneut gerät die Berliner Universitätsklinik Charité in die Schlagzeilen: Wieder ist ein Ausbruch von gefährlichen Bakterien zu beklagen, die eine Antibiotika-Resistenz aufweisen. Ein Patient ist bereits an den Folgen der Infektion verstorben.

Keim befällt Patienten auf der Intensivstation
Das größte Universitätsklinikum in Europa ist erneut aufgrund eines Keimausbruchs in den Negativschlagzeilen. Bakteriologen der renommierten Klinik berichten von einem Ausbruch des Keims Klebsiella pneumoniae (KPC-3). Das Bakterium hat inzwischen sechs von acht Patienten auf einer hoch sterilen Intensivstation befallen. Beim dem Erreger handelt es sich nach Klinikangaben um den häufig auftretenden „Carbapenemase bildenden Klebsiella-pneumoniae-Stamm in Deutschland“.

An den Folgen der Infektion ist bis jetzt ein Patient gestorben. Weitere drei Patienten, die aufgrund von Lungen- oder Muliti-Organversagen in die spezialisierte Klinik aus anderen Krankenhäusern verlegt wurden sind ebenfalls infiziert. Zwei Patienten wurde allenfalls besiedelt. Zwei sich in der Station ebenfalls betreuten Patienten wurde nicht angesteckt. Laut Angaben der Klinik „werden sie nun getrennt von den anderen Patienten versorgt.“

Erst 2012 hatten sich fünf Patienten im verlauf von vier Monaten mit einem gleichen Bakterium infiziert. Es sei „höchstwahrscheinlich, dass es sich um den selben Stamm handelt“, erläuterte die vorsitzende Hygienikerin, Professor Petra Gastmeyer, der Ärztezeitung.

Expertenteam untersucht Hintergründe des Keimbefalls
Jeweils ein internes und ein externes Team von Experten untersuchen nun, wie der resistente Keim überleben konnte oder auf welchem Weg die Bakterien wieder in die hoch sensible Station gelangen konnten. Eine abschließende Bewertung kann nur der Befund des Nationalen Referenzzentrums in Bochum leisten. Wann dieser erstellt ist, ist noch unklar.

Ein internes und ein externes Ausbruchsteam untersuchen, wie der Keim überlebt hat oder sonst auf die Station kam. Abschließende Klärung soll der Befund des Nationalen Referenzzentrums in Bochum bringen.

Resistente Keime künftig ein europäisches Problem
Der ärztliche Direktor der Klinik, Professor Ulrich Frei, betonte, dass „der Ausbruch mit diesem Keim besonders ernst genommen wird“. Allerdings verwies Frei auch auf die zunehmende Verbreitung des resistenten Bakteriums und der eingeschränkten Therapiemöglichkeiten. Die einzige Möglichkeit der Therapie besteht in der Gabe des Antibiotikums Colistin. Klebsiella pneumoniae werden nach Ansicht des Klinikleiters in naher Zukunft alle Krankenhäuser in Europa vor große Bewältigungen stellen. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass in den nächsten Jahren immer mehr Carbapenem-resistente Keime in den Krankenhäusern Europas auftreten", betonte Gastmeyer. Als erschwerendes Problem kommt hinzu, dass die „Forschungs-Pipeline leer ist“. (sb)

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