Fernöstliche Kampfkunst Tai Chi – In Zeitlupe hoch konzentriert Probleme wegboxen

Auch für ältere Menschen ist Tai Chi eine gut Methode den Körper und Geist fit zu halten. (Bild: Paul Hakimata/fotolia.com)
Sebastian

Bewegungen wie in Zeitlupe: Beim Tai Chi konzentriert Probleme wegboxen
In China wird Tai Chi bereits seit Jahrhunderten praktiziert. Seit einigen Jahren wird die innere Kampfkunst auch in westlichen Ländern immer populärer. Es geht dabei darum, die Lebensenergie zum Fließen zu bringen. Die Bewegungen – fast wie in Zeitlupe – sind für viele Menschen eine gute Möglichkeit zum Stressabbau. Interessierten Anfängern wird empfohlen, auf professionelle Hilfe zu setzen.

Kampfkunst als Gesundheitssport etabliert
Zwar wird Tai-Chi Chuan (abgekürzt „Tai-Chi“) auch als „Schattenboxen“ bezeichnet, doch für manch einen sind die langsamen fließenden Bewegungen der inneren Kampfkunst nicht mit Boxen zu vergleichen. In China wird Tai Chi schon seit Jahrhunderten praktiziert. In den vergangenen Jahren wurde es weltweit zum Trend. In der westlichen Welt hat es sich insbesondere als Gesundheitssport etabliert. Es hilft unter anderem gegen chronische Schmerzen und Stress. So hat etwa der Berufsverband Deutscher Rheumatolgen e.V. bereits vor Jahren darauf hingewiesen, dass man Schmerzen bei Rheuma mit Tai Chi lindern kann. Auch das Wohlbefinden bei Herzleiden soll dadurch verbessert werden. Genügend Gründe, die Kampfkunst einmal auszuprobieren. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa haben Experten einige Tipps, worauf beim „Schattenboxen“ zu achten ist.

Auch für ältere Menschen ist Tai Chi eine gut Methode den Körper und Geist fit zu halten. (Bild: Paul Hakimata/fotolia.com)
Auch für ältere Menschen ist Tai Chi eine gut Methode den Körper und Geist fit zu halten. (Bild: Paul Hakimata/fotolia.com)

Meditative Bewegungen und konzentrierte Atmung
In China stellt das Taijiquan einen Volkssport dar, der meist morgens an der frischen Luft geübt wird. Die meditativen Bewegungen, die fast in Zeitlupe und in Kombination mit einer konzentrierten Atmung durchgeführt werden, sind spezielle Übungen, die sich aus der traditionellen Kampfkunst entwickelt haben. Sie sind eng verwandt mit den Übungen im Qigong. Tai Chi eignet sich grundsätzlich für fast alle Menschen, für manche wird es explizit empfohlen. Wissenschaftler konnten vor einigen Jahren feststellen, dass Tai Chi Parkinson-Patienten bei Gleichgewichtsstörung hilft.

Tai Chi lindert Krankheitsbeschwerden
Dr. Romy Lauche vom Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universität Duisburg-Essen, erklärte gegenüber der Agentur: „Tai Chi verbessert die Balance. Das ist hochrelevant, da insbesondere ältere Menschen durch Tai-Chi-Übungen möglicherweise Stürzen vorbeugen können.“ Die Expertin erforscht komplementäre und alternative Therapien. „Es finden sich aber auch viele positive Effekte bei Rückenschmerzen, Kniearthrose oder einer Vielzahl rheumatischer Erkrankungen“, so Lauche. In einem Gespräch mit „Heilpraxisnet.de“ berichtete der Präsident der europäischen Tai Chi Vereinigung TCFE, Sifu Nils Klug, über weitere positive Auswirkungen des Schattenboxens. Tai-Chi kann „zu einer Linderung der Beschwerden von verschiedenen Krankheiten beitragen und Krankheitsverläufe positiv“ beeinflussen. „Ich möchte hier Herz-Kreislauferkrankungen, vegetative Störungen, Knieprobleme aller Art, Rückenschmerzen bis hin zum Bandscheibenvorfall, sowie Tinitus nennen“, sagte Klug.

Anfänger sollten sich an Experten wenden
Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln rät dennoch: „Auch wenn Tai Chi für jede Altersklasse und viele chronische Krankheiten geeignet ist, sollte man bei bestehender Krankheit oder Schädigung immer Rücksprache mit einem Arzt halten“, sagte Froböse gegenüber der dpa. Wie auch beim Einstieg in eine andere neue Sportart, sollte Tai Chi zunächst unter Anleitung geübt werden. „Damit die langsamen, kontrollierten und fließenden Übungen korrekt ausgeführt werden, ist eine professionelle Anleitung unabdingbar“, meinte Froböse. Ansonsten könnten sich unbemerkt Fehler einschleichen und Fehlbelastungen oder Schädigungen wären dann nicht auszuschließen. Da sich die einen eher in asiatischer Kampfkunst üben wollen, andere wiederum jedoch das Chi zum Fließen bringen wollen, sind nicht alle beim selben Lehrer an der richtigen Adresse.

„Da hilft nur eins“, erläuterte die Vorsitzende des Deutschen Dachverbands für Qigong und Taijiquan, DDQT, Angela Menzel, „auf die Ausbildung des Lehrers achten, sagen, was man will und welche gesundheitlichen Einschränkungen man hat“. Falls Schnupperstunden angeboten werden, könne ausprobiert werden, „ob es für einen passt“. Kursleiter mit dem Gütesiegel des DDQT haben eine Ausbildung mit mindestens 250 Stunden innerhalb von drei Jahren absolviert. „Die Lehrer sind ganz einfach über die Postleitzahl auf der Website des DDQT zu finden“, so Menzel. In manchen Fällen gibt es für Tai Chi auch einen Zuschuss von der Krankenkasse. So ist im Präventionsleitfaden des Spitzenverbandes der Krankenkassen festgelegt, dass die Versicherer Entspannungstechniken wie entspannungsorientiertes Tai Chi bezuschussen können. Interessierte sollten sich am besten vor dem Kursstart direkt bei ihrer Kasse informieren. (ad)

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