Frauenärzte kritisieren: Apotheker-Beratung bei Pille danach nicht ausreichend

Die Pille danach ist seit einem Jahr rezeptfrei erhältlich. Frauenärzte bemängeln: die Beratung von Apothekern ist nicht ausreichend. (Bild: Teteline/fotolia.com)
Alfred Domke
Frauenärzte bemängeln nicht ausreichende Apotheker-Beratung bei Pille danach
Seit rund einem Jahr ist die sogenannte „Pille danach“ rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Der Absatz dieses Medikaments hat sich seitdem deutlich erhöht. Vom Berufsverband der Frauenärzte wird nun jedoch kritisiert, dass die Beratung in Apotheken nicht ausreichend sei. Die Bundesapothekerkammer sieht das anders.

Seit der Rezeptfreiheit werden mehr Präparate verkauft
Seit März vergangenen Jahres ist die Pille danach rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Verkaufszahlen zeigen: Immer mehr Frauen nutzen die Notverhütung seit der Rezeptfreiheit. Frauenärzte haben den Apothekern nun aber vorgeworfen, Frauen über die Wirkung der Pille danach nicht ausreichend aufzuklären. Durch die Rezeptfreiheit würden zwar mehr Präparate zur Notfallverhütung nach ungeschütztem Sex verkauft, heißt es in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Doch der Anteil, der wirkungslos bleibe, sei nach der Statistik höher als vorher, erläuterte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Ganz offensichtlich werden wesentliche Beratungsinhalte in der Apotheke nicht mit der notwendigen Dringlichkeit vermittelt.“

Die Pille danach ist seit einem Jahr rezeptfrei erhältlich. Frauenärzte bemängeln: die Beratung von Apothekern ist nicht ausreichend. (Bild: Teteline/fotolia.com)
Die Pille danach ist seit einem Jahr rezeptfrei erhältlich. Frauenärzte bemängeln: die Beratung von Apothekern ist nicht ausreichend. (Bild: Teteline/fotolia.com)

Frauenärzte warnten vor Freigabe
Seit Mitte März 2015 bekommen Mädchen und Frauen die Pille danach nicht mehr nur auf Rezept und nach einem Beratungsgespräch durch einen Arzt, sondern können sie rezeptfrei direkt in Apotheken kaufen. Bevor die Rezeptfreiheit beschlossen worden war, hatten Gesundheitsexperten vor potentiellen Risiken durch die Freigabe der Pille danach gewarnt. Frauenärzte hatten schon damals darauf hingewiesen, dass die nötige ausführliche Beratung, die den Apothekern auferlegt ist, im Kundengespräch nicht zu leisten sei. Die Präparate greifen laut Medizinern massiv in den Hormonhaushalt der Einnehmerinnen ein. Des Weiteren wurde über verschiedene Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Unterbauchschmerzen, Blutungen, Übelkeit und Erbrechen berichtet. Das Arzneimittel ähnelt zwar der konventionellen „Anti-Baby-Pille“, allerdings seien die Konzentrationen der Wirkstoffe um ein Vielfaches höher dosiert.

Apothekerverband sieht keine Sicherheitsprobleme
Laut dpa hatte die Bundesapothekerkammer bereits Mitte Februar erklärt, dass die Nachfrage nach der Neuregelung logischerweise gestiegen sei. Sie teilte jedoch auch mit: „Die Apotheker beraten intensiv. Und wir haben bisher keinerlei Sicherheitsprobleme feststellen können.“ Erst vor kurzem hatte das Statistische Bundesamt berichtet, dass im vergangenen Jahr rund 99.200 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet worden seien. Das seien 0,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Wie es heißt, setze sich damit ein jahrelanger Trend fort – seit 2004 gehe die Zahl demnach kontinuierlich zurück.

Jahrelanger Rückgang der Abtreibungen stoppte
Vom Frauenärzteverband wurde diese Entwicklung jedoch anders interpretiert. So setze sich der jahrelange Rückgang der Abtreibungen im ersten Quartal 2015 noch fort und höre dann aber auf. Im zweiten bis vierten Quartal gebe es den Medizinern zufolge im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr Schwangerschaftsabbrüche. „Der einzige zeitliche Zusammenhang, den wir hier sehen, ist die Tatsache, dass beide Arzneimittel zur Notfallverhütung seit Mitte März rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind“, so Albring. Dem Apothekerverband zufolge schnellte der Absatz der Pille danach nach der Freigabe hoch und lag seit dem Sommer ziemlich konstant bei rund 60.000 Packungen im Monat. Im Monat vor der Rezeptfreiheit lag die Menge noch bei etwas mehr als 38.000 verkauften Einheiten. (ad)

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