Führt Marihuana-Konsum zu einem hohen Risiko für Schlaganfälle?

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen Auswirkungen von Marihuana auf Schlaganfälle und Herzinsuffizienz
Der Konsum von Marihuana ist mittlerweile weitverbreitet. Immer mehr Länder lockern ihre Gesetze und oft ist der Eigenverbrauch von Marihuana heute schon straffrei. Forscher fanden jetzt heraus, dass der Konsum von Marihuana das Risiko von Schlaganfällen und Herzinsuffizienz erhöht.

Die Wissenschaftler vom Einstein Medical Center in Philadelphia stellten bei einer Untersuchung fest, dass Marihuana-Konsum das Risiko für einen Schlaganfall oder eine Herzinsuffizienz erhöht. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie beim jährlichen Treffen des American College of Cardiology.

Wie wirkt sich der Konsum von Marihuana auf das Risiko für Schlaganfälle oder das Auftreten einer Herzinsuffizienz aus? Mediziner versuchten genau diese Fragen bei einer Auswertung von Krankenhausakten zu klären. (Bild: rgbspace/fotolia.com)

Aktuelle Untersuchung beschäftigt sich mit den Auswirkungen auf Herz und Kreislauf
In der heutigen Zeit ist Marihuana, medizinisch bekannt als Cannabis, in mehr als der Hälfte aller US-Staaten medizinisch oder für den Eigenverbrauch legalisiert. Eine aktuelle Untersuchung wirft allerdings ein neues Licht auf die gesundheitlichen Auswirkungen der Droge auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Konsumenten. Während sich die bisherige Marihuana-Forschung vor allem auf pulmonale und psychiatrische Komplikationen konzentriert hat, gehört die neue Studie zu einer handvoll Untersuchungen, welche die Auswirkungen auf Herz und Kreislauf untersuchte, erläutern die Autoren.

Ärzte müssen die Nebenwirkungen von Marihuana kennen
Marihuana erhöht das Risiko für einen Schlaganfall und eine Herzinsuffizienz auch nach Bereinigung der Daten um demografische Faktoren, andere gesundheitlichen Bedingungen und Lebensstil-Risikofaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum, sagen die Wissenschaftler. Wie bei allen anderen Medikamente, egal ob sie verschrieben oder nicht verschrieben werden, versuchen Mediziner die genaue Wirkung und eventuelle Nebenwirkungen von Cannabis festzustellen, sagt die Autorin Dr. Aditi Kalla vom Einstein Medical Center in Philadelphia. Es sei äußerst wichtig für Ärzte solche Effekte zu kennen, damit Patienten besser beraten werden können, wenn diese beispielsweise nach der Sicherheit von Cannabis fragen oder ein Rezept für Cannabis haben wollen.

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Studie analysiert Daten aus mehr als 1.000 Krankenhäusern
Die Untersuchung verwendete die Daten aus dem sogenannten Nationwide Inpatient Sample, welches die Gesundheitsakten von Patienten aus mehr als 1.000 Krankenhäusern enthielt. Die Forscher nutzten die Aufzeichnungen von Probanden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren. Alle dieser Teilnehmer wurden zwischen dem Jahr 2009 und 2010 aus dem Krankenhaus entlassen. Zu diesem Zeitpunkt war die Verwendung von Cannabis in den meisten Staaten der USA noch illegal, erläutern die Wissenschaftler.

Marihuana-Gebrauch führt zu signifikant erhöhten Risiken
Der Verwendung von Marihuana wurde in etwa 1,5 Prozent (316.000) von mehr als 20 Millionen Gesundheitsakten diagnostiziert. Bei einem Vergleich der Herz-Kreislauf-Erkrankungsraten bei Patienten ohne die Verwendung von Marihuana, stellten die Forscher fest, dass der Gebrauch von Marihuana mit einem signifikant erhöhten Risiko für einen Schlaganfall, Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit und plötzlichen Herztod verbunden war.

Konsum von Marihuana erhöht das Schlaganfallrisiko um 26 Prozent
Die Verwendung von Marihuana wurde außerdem mit einer Vielzahl von Faktoren für das Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung gebracht, wie beispielsweise Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Rauchen und Alkoholkonsum. Nachdem die Experten die Analyse an diese Faktoren angepasst hatten, konnte die Verwendung von Marihuana mit einem Anstieg des Schlaganfallrisikos um 26 Prozent in Verbindung gebracht werden. Außerdem stellten die Wissenschaftler auch eine Zunahme des Risikos um zehn Prozent bei der Entwicklung einer Herzinsuffizienz fest.

Cannabis-Rezeptoren der Herzmuskelzellen könnten negativen Effekt bewirken
Die Forschung an Zellkulturen ergab, dass Herzmuskelzellen Cannabis-Rezeptoren haben. Solche Rezeptoren sind für die sogenannte Kontraktilität relevant, sagen die Autoren. Dies deute darauf hin, dass die Rezeptoren ein Mechanismus dafür sein könnten, durch den die Verwendung von Marihuana das Herz-Kreislauf-System beeinflusst.

Festgestellten Ergebnisse beziehen sich nicht unbedingt auf die allgemeine Bevölkerung
Die genutzten Datensätze der Studie basierten auf Krankenhausakten. Aus diesem Grund reflektieren die festgestellten Ergebnisse nicht unbedingt die allgemeine Bevölkerung, erklären die Mediziner. Die Forscher waren anhand der Daten auch nicht in der Lage, die Menge oder Häufigkeit der Verwendung von Marihuana, den Zweck der Verwendung (Freizeit oder Medizinisch) oder den Abgabemechanismus (Rauchen oder Verschlucken) zu berücksichtigen.

Mediziner hoffen in Zukunft auf weitere Einblicke über Effekte von Marihuana
Der wachsende Trend zur Legalisierung von Marihuana könnte bewirken, dass Patienten und Ärzte in Zukunft offener über die Verwendung von Marihuana sprechen. Dies könnte zu einer besseren Datenerhebung und weiteren Einblicken über die Effekte und eventuelle Nebenwirkungen führen, hoffen die Wissenschaftler. (as)