Gedanken an Feierabendbier Alkoholmissbrauch?

Nina Reese

Alkohol nach Feierabend für viele entspannender Tagesabschluss

17.12.2013

„Endlich Feierabend! Und nun ein Bier!“ Dieser Gedanke kommt vermutlich vielen bekannt vor, denn nach einem stressigen Arbeitstag verspricht ein gemütlicher Abend mit einem Glas Wein oder einer Flasche Pils für viele Menschen Entspannung. Kommen die Gedanken an den Alkohol jedoch schon im Laufe des Tages immer wieder auf oder wird nach Feierabend schnell bzw. eine größere Menge alkoholischer Getränke konsumiert, kann dies ein Anzeichen für eine Alkoholabhängigkeit sein.

Drei bis vier kleine Gläser Wein pro Woche noch im grünen Bereich
Für viele Menschen ist das gemütliche „Feierabendbier“ oder das Glas Wein nach getaner Arbeit am Abend ein ganz „normales“ Ritual, um zu entspannen und den Tag zu beenden. Dabei sei es laut Anette Wahl-Wachendorf vom Verband der Betriebs- und Werksärzte „noch in Ordnung“, „drei bis viermal pro Woche am Abend ein kleines Glas Wein zu trinken“, denn bei dieser Häufigkeit trete normalerweise noch keine Gewöhnung ein, so die Expertin gegenüber der „dpa“. Problematischer werde es hingegen, wenn schon im Laufe des Tages immer wieder an die bevorstehende „alkoholische Belohnung“ nach Feierabend gedacht werde – denn dies sei nach Wahl-Wachendorf ein Hinweis darauf, dass der Konsum von Alkohol einen extrem hohen Stellenwert habe und Betroffene schnell in eine Abhängigkeit rutschen könnten.

Schnelles Trinken größerer Mengen Alkohol ebenfalls Hinweis auf eine Alkoholabhängigkeit
Ein weiterer Hinweis auf eine mögliche Alkoholabhängigkeit sei es, wenn Arbeitnehmer beispielsweise auf einer Weihnachtsfeier deutlich schneller und deutlich größere Mengen Alkohol trinken als andere. Dies deute laut Wahl-Wachendorf darauf hin, „dass jemand sehr gewöhnt ist an Alkohol und bewusst darauf zusteuert auf Pegel zu kommen.“ Personen, die das Gefühl haben, dass sie eventuell zu viel trinken, empfiehlt die Expertin daher eine „Selbst-Überprüfung“, indem zunächst sieben Tage auf Alkohol verzichtet wird – wem das auffällig schwer falle, der sollte sich im nächsten Schritt auf jeden Fall ärztlich beraten lassen.

„Alkohol-Selbsttest“ der BZgA hilft, eigenen Konsum zu überprüfen
Unterstützung bei der Einschätzung des eigenen Alkoholkonsums bietet auch der „Alkohol-Selbsttest“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), denn hier können Interessierte mit Hilfe von 16 Testfragen schnell und unkompliziert ihren Umgang mit Alkohol überprüfen und erhalten zudem entsprechende Hinweise auf Risiken und Probleme.

Ca. 9,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren haben Alkoholprobleme
Nach Angaben BzgA haben schätzungsweise 9,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren in Deutschland Alkoholprobleme, was bedeutet, dass sie Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen trinken. Etwa 1,3 Millionen von ihnen gelten demnach als alkoholabhängig, dabei ist Alkoholkonsum in allen Gesellschaftsschichten unabhängig vom Bildungsgrad verbreitet. „Alkohol wird in unserer Gesellschaft noch immer verharmlost“, so die Warnung der BzgA-Direktorin Prof. Dr. Elisabeth Pott. „Doch Alkohol ist ein Suchtmittel und ein Zellgift. Es kann erhebliche gesundheitliche Schäden hervorrufen. Deshalb müssen wir bei Erwachsenen und Jugendlichen gleichermaßen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Alkohol nicht bedenkenlos konsumiert werden kann“, so Dr. Elisabeth Pott weiter. Zu den häufigsten – durch dauerhaften – Alkoholkonsum hervorgerufenen Krankheiten zählen unter anderem die Leberzirrhose, Schädigungen des Gehirns sowie Herzmuskel- und Krebserkrankungen wie zum Beispiel Leberkrebs oder Speiseröhrenkrebs. (nr)

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Bild: Ute Mulder / pixelio.de