Gefährliche MRSA-Keime in Liegemietwagen

Heilpraxisnet

Gefährliche MRSA-Keime in Liege-Mietwagen

03.12.2013

Liegemietwagen kommen immer öfter zum Einsatz. Sie sollen als billige Alternative für den Transportmit Krankenwagen dienen. Doch nicht immer ist es sinnvoll Kosteneinsparungen vorzunehmen. Gerade im Gesundheits –und Medizinbereich können Risiken für Patienten entstehen. So haben Recherchen des WDR-Magazins „Westpol“ gezeigt, dass Liegemietwagen vermehrt mit MRSA-Keimen belastet sind.

Die auch als Staphylokokken bekannten Keime, sind in der Natur weit verbreitet. Dabei kommen auch multiresistente Keime (MRSA) vor, die aufgrund der schwierigen Therapierbarkeit mit Antibiotika durchaus zu einem gesundheitlichen Problem werden können. Bei Menschen besiedeln sie Haut und Schleimhäute und gelten als Krankheitserreger.

Eine gemeinsame Studie der Liebig-Universität Gießen, der Goethe-Universität Frankfurt und des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt/Main hatte in Liegemietwagen häufig MRSA-Keime vorgefunden. Insgesamt wurden 74 Liegemietwagen untersucht, wobei sich bei jedem vierten eine Belastung mit MRSA-Keimen zeigte, so das WDR-Magazin in ihrer Sendung vom 1. Dezember. Bei 70 untersuchten Krankenwagen konnten hingegen keine Keime gefunden werden. Als Gründe wurden mangelnde Desinfizierung der Fahrzeuge sowie fehlendes Fachpersonal ausgemacht, denn Liegemietwagenfahrer benötigen lediglich einen Taxischein um Patienten transportieren zu dürfen. Hinzu kommt, dass diese Fahrzeuge nicht über entsprechende medizinische Ausrüstung verfügen. In den sonst üblichen Krankenwagen kommen ausgebildete Rettungsfachkräfte zum Einsatz, die über medizinischen Kenntnisse.

Offiziell sollen Liegewagen nur bei Patienten zum Einsatz kommen, die ohne fremde Hilfe ein –und aussteigen können. Es hat sich jedoch gezeigt, dass zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen wiederholt Dialysepatienten, Patienten mit offenen Wunden aber auch MRSA- Patienten transportiert wurden. Wer letztendlich mit einem solchen Liegewagen transportiert wird, entscheidet der behandelnde Arzt. Für eventuelle gesundheitliche Folgen muss er dann auch haften. Dabei spielen bei der Wahl des Transportmittels nicht nur medizinische Gründe eine Rolle, erklärt der stellvertretende Präsident der Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Walter Popp. Die Ärzte treffen ihre Entscheidung auch im Hinblick auf den Kostendruck der Krankenkassen. Nach Angaben der IHK Südwestfalen werden jährlich rund eine Million Krankentransporte mit Liegewagen durchgeführt.

Im Jahr 2011 hatte die Klinik für Anästhesie und das Institut für Mikrobiologie der Universitätsklinik in Ulm, ebenfalls eine Studie zur Hygiene in 86 Rettungswagen und 64 Krankenwagen durchgeführt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass generell die Hygiene in Transportfahrzeugen gewährleistet ist. Doch sind die Gefahren durch multiresistente Keime keinesfalls zu verharmlosen. Das Landgericht Bielefeld entschied aus diesem Grund, dass nur der qualifizierte Krankentransporter MRSA-Patienten befördern dürften. (fr)

Bild: Matthias M, Wikipedia