Gefährlicher Hebammen-Mangel: Kliniken schlagen Alarm

In manchen Regionen Deutschlands ist durch den zunehmenden Hebammen-Mangel die medizinische Versorgung von Schwangeren bedroht. Kliniken finden oft keine Geburtshelferinnen mehr. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Alfred Domke
Krankenhäuser haben zunehmend mit Hebammen-Mangel zu kämpfen
Schon seit Jahren wird vor dem zunehmenden Hebammen-Mangel in Deutschland gewarnt. In manchen Regionen ist dadurch bereits die medizinische Versorgung von Schwangeren bedroht. Viele Kliniken finden keine Geburtshelferinnen mehr.

Mangel an Hebammen gefährdet medizinische Versorgung
Seit Jahren warnen Experten vor einem zunehmenden Hebammen-Mangel. In manchen Regionen ist dadurch bereits die medizinische Versorgung von Schwangeren bedroht. Auch die Krankenhäuser in Bayern haben zunehmend mit dem Mangel an Geburtshelferinnen und der steigenden Zahl an Geburten zu kämpfen. Das Klinikum im schwäbischen Memmingen hat nun Alarm geschlagen: „Die Ärzte, Schwestern und Hebammen der Frauenklinik am Klinikum Memmingen arbeiten am Limit“, heißt es in einer Mitteilung.

In manchen Regionen Deutschlands ist durch den zunehmenden Hebammen-Mangel die medizinische Versorgung von Schwangeren bedroht. Kliniken finden oft keine Geburtshelferinnen mehr. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
In manchen Regionen Deutschlands ist durch den zunehmenden Hebammen-Mangel die medizinische Versorgung von Schwangeren bedroht. Kliniken finden oft keine Geburtshelferinnen mehr. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Steigende Geburtenzahlen
Chefarzt Felix Flock teilte mit: „Wir rechnen heuer mit knapp 2000 Geburten, im Vergleich zu 1600 im Jahr zuvor.“ Das Krankenhaus sei „dringend auf der Suche nach weiteren Hebammen“. Der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) zufolge gibt es solche Probleme bundesweit, da es fast überall einen Mangel an Hebammen gebe. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa sagte BKG-Sprecher Eduard Fuchshuber: „Es gibt viele Kliniken, die würden liebend gerne Hebammen anstellen.“

Fast jeden Monat schließt ein Kreißsaal
Durch die Probleme ist die regionale Versorgung mit Geburtsstationen bedroht. „Wenn ein Kind auf die Welt kommt, richtet es sich nicht nach der Entfernung zum nächsten Kreißsaal. Die werdenden Eltern müssen in angemessener Zeit zu einem Ort gelangen, wo sie Hebammenhilfe bekommen“, schreibt der Deutsche Hebammen Verband (DHV) auf seiner Webseite.

Den Expertinnen zufolge gab es 1991 noch 1.186 Kliniken, in denen Geburten möglich waren. 2014 waren es nur noch 725 Kliniken mit Geburtshilfe. „Seitdem schließt fast jeden Monat ein Kreißsaal ganz oder vorübergehend die Türen“, so der DHV.

Schließungen sorgen andernorts für mehr Bedarf
Auch in Bayern kam es zu Schließungen. So wurde etwa die Geburtshilfe im schwäbischen Illertissen dauerhaft geschlossen, was dazu führte, dass werdende Mütter aus dieser Region teils nach Memmingen wechselten und dort für zusätzlichen Bedarf sorgten.

Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Geburten. Laut einer Mitteilung des Bayerischen Landesamtes für Statistik gab es 2015 im Freistaat so viele Babys wie seit 15 Jahren nicht mehr. Über 118.200 Kinder erblickten dort das Licht der Welt.

Streit um Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen
Ein Faktor, der beim Hebammen-Mangel eine wesentliche Rolle spielt, ist der langwierige Streit um die Haftpflichtversicherung für freiberufliche Geburtshelferinnen. Nach Angaben des DHV haben sich die Prämien seit 2002 mehr als verzehnfacht.

Erst im vergangenen Jahr waren die Haftpflichtprämien für Hebammen wieder gestiegen. Für werdende Mütter wird es immer schwieriger, die richtige Hebamme zu finden. (ad)

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