Handy-Strahlung verursacht möglicherweise Krebs

Fabian Peters

WHO warnt: Handstrahlung könnte Krebs verursachen

01.06.2011

Handystrahlung ist möglicherweise krebserregend. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor der krebserregenden Wirkung der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung, die beim Mobilfunk verwendet wird. Der häufige Gebrauch des Handys könnte unter Umständen das Risiko von Hirntumoren signifikant erhöhen, so das Ergebnis einer Expertenkommission der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC.

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Seit der Einführung des Handys wird über mögliche gesundheitlich Gefährdungen durch die erhöhte Strahlenbelastung diskutiert. Zahlreiche Studien haben sich in der Vergangenheit mit dem Thema beschäftigt, doch eindeutige Belege für die Gesundheitsrisiken der Handystrahlung liegen bisher nicht vor. Daher hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stets eine krebserregende Wirkung der der Mobilfunkstrahlung ausgeschlossen. Doch die 31 Mitglieder der Expertenkommission kommen in ihrer am Dienstag vorgestellten Studie zu einem anderen Ergebnis, so dass sich die WHO dazu gezwungen sah, vor der möglicherweise krebserregenden Wirkung der Handystrahlung zu warnen.

Handys erhöhen das Risiko von Hirntumoren
Durch die häufige Verwendung des Handys könne das Risiko von Hirntumoren erheblich steigen, so das Studienergebnis der Expertengruppe. Zwar konnten die Wissenschaftler die Zusammenhänge zwischen der Handystrahlung und der Entstehung von Hirntumoren bisher nicht definitiv belegen, doch die aktuellen Studienergebnisse lassen auf eine krebserregende Wirkung der Mobilfunkstrahlung schließen, berichtet die WHO. Weiter Studien sollen folgen, um eindeutig wissenschaftlich zu belegen, ob die Nutzung von Mobiltelefonen die Bildung von Tumoren verursachen kann. Bis weitere Ergebnisse vorliegen sollten die Verbraucher sich jedoch möglichst wenig potenziell schädlicher Strahlung aussetzen, erklärte die WHO. Dass die hochfrequente elektromagnetische Strahlung des Mobilfunks möglicherweise Gewebeveränderungen und Krebs-Erkrankungen auslösen kann, wird von Mobilfunk-Kritikern bereits seit langem vermutet, doch die Gesundheitsbehörden und die WHO waren bisher stets sehr zurückhaltend mit eventuellen Warnungen.

Zahlreiche Studien beurteilen Handystrahlung als krebserregend
„Es gab in der Vergangenheit bereits viele Studien, die auf eine krebserregende Wirkung der Mobilfunkstrahlung hinwiesen“, erklärte der Diplom Physiker Dr. Hartmut Voigt vom ECOLOG – Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung in Hannover gegenüber "Heilpraxisnet.de". „Nun kommt auch die WHO in ihrer zusammenfassenden Bewertung zu einem ähnlichen Ergebnis“, ergänzte der Experte. Angesichts der drohenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat das ECOLOG-Institut schon vor Jahren eine eigene Grenzwertempfehlung für die „Summenbelastung aller Immissionen“ im Außenraum in Höhe von 10 Milliwatt pro Quadratmeter ausgesprochen. Für die Innenraumbelastung empfiehlt das ECOLOG-Institut einen Grenzwert von einem Milliwatt pro Quadratmeter. Dabei beziehen sich dem Fachmann zufolge die Grenzwerte auf eine Ganzkörperbelastung. Wer die ganze Zeit das Handy am Ohr hat, setzt sich jedoch vor allem im Kopfbereich einer erhöhten Strahlenbelastung aus, so dass auch bei Einhaltung der allgemeinen Grenzwerte durch häufiges Mobiltelefonieren das Risiko von Gewebeveränderungen im Gehirn erhöht werden könnte.

Mobilfunkkonzerne bestreiten krebserregende Wirkung
Die Mobilfunkkonzerne zeigten sich angesichts der kritischen Einschätzung der WHO empört und der internationalen Verband der Mobiltelefon-Produzenten CTIA wies die aktuellen Studienergebnisse der IARC umgehend zurück. Diese seien nicht aussagekräftig, da die Expertenkommission keine neue Untersuchung durchgeführt habe, sondern lediglich bereits veröffentlichte Studien nochmals bewertet wurden. Viele dieser neu bewerteten Studien werden von den Mobilfunkkonzernen ohnehin angezweifelt, da sie voreingenommen seien oder Datenfehler die Grundlage der Ergebnisse bilden könnten, erklärte der CTIA-Vizepräsident John Walls am Dienstag in Washington. „Die IARC hat eine ganze Reihe Beurteilungen durchgeführt und in der Vergangenheit beispielsweise auch eingelegtes Gemüse und Kaffee so eingestuft“, wetterte der CTIA-Vizepräsident. So bedeute auch die aktuelle IARC-Einstufung der Handystrahlung als „possibly carcinogenic“ („möglicherweise krebserregend“) nicht, dass Mobiltelefone tatsächlich Krebs verursachen, betonte Walls. Im Namen der Mobilfunkkonzerne verwies Walls darauf, dass ebenfalls Studien existieren, die keine gesundheitlichen Gefährdungen durch die Strahlung der Mobiltelefone festgestellt haben. Walls zufolge ist die „die US-Kommunikationsbehörde zu dem Schluss gekommen, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass die Benutzung drahtloser Telefone zu Krebs führen kann“. Gleiches gelte für die US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration).

Hohe Übertragungsgeschwindigkeit bedingt hohe Strahlenbelastung
Dass die Mobilfunkkonzerne auf die aktuelle Warnung der WHO besonders sensibel reagieren, scheint auch vor dem Hintergrund möglicher Schadensersatzansprüche durchaus logisch. Doch sollten sich die Konzerne fragen, welche Belastungen sie ihren Kunden und der Gesamtbevölkerung zumuten können. Denn definitiv ausschließen können auch die Mobilfunkkonzerne eine möglicherweise krebserregende Wirkung der Handystrahlung bislang nicht. Aus gutem Grund bestehen Grenzwerte, die nicht überschritten werden sollten, um eventuelle Gewebeveränderungen zu vermeiden. Dass diese Grenzwerte angesichts der aktuellen Studienergebnisse in Zukunft eventuell etwas niedriger ausfallen müssen, passt den Mobilfunk-Unternehmen jedoch nicht ins Konzept. Denn sie planen in Zeiten der Smartphones die Übertragungsgeschwindigkeiten weiterhin deutlich zu erhöhen, was jedoch auf Basis der bisherigen Technologien stets mit einer erheblich höheren Strahlenbelastung einhergehen würde. (fp)

Bild: Harald Wanetschka / pixelio.de