Hautkrebs: Solarien gefährlicher als vermutet

Fabian Peters

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention: Erhöhtes Hautkrebsrisiko durch Solarien

25.04.2012

Bräunen im Solarium erhöht das Hautkrebsrisiko deutlich stärker, als bislang angenommen. Laut Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, ist die Solarien-Nutzung dafür verantwortlich, dass „der so genannte schwarze Hautkrebs zunehmend bei jüngeren Menschen, insbesondere bei Frauen“, diagnostiziert wird.

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„Das Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken, steigt auf fast 200 Prozent, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden“, so die Aussage des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), Professor Dr. Eckhard Breitbart in der aktuellen Pressemitteilung. Der Experte beruft sich dabei auf eine Meta-Studie französischer und italienischer Wissenschaftler, die gestern im Rahmen eines internationalen EUROSKIN-Workshops in Berlin vorgestellt wurde.

Jedes Jahr erkranken den Angaben der deutschen Krebshilfe rund 24.000 Menschen in Deutschland an schwarzem Hautkrebs, etwa 3.000 versterben an den Folgen der Erkrankung. Die deutliche Zunahme, welche vor allem bei den Jüngeren zu verzeichnen ist, geht nach Ansicht der Experten zumindest teilweise au die häufige Solarien-Nutzung zurück. Die Deutschen sind Europameister im künstlichen Bräunen, so die Pressemitteilung der ADP.

Schon ein Solarienbesuch pro Monat erhöht das Hautkrebsrisiko deutlich
Die von französischen und italienischen Wissenschaftlern am Montag veröffentlichte Metaanalyse zu möglichen Zusammenhängen zwischen Hautkrebs und der Solarien-Nutzung berücksichtigt die neun weltweit größten Studien, die sich bislang mit dem Thema befasst haben. Das Ergebnis ist eindeutig: Das Risiko durch die Solarienbesuche an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, liegt deutlich höher, als bislang angenommen. Eine der berücksichtigten Studien habe sogar ergeben, dass bereits ein Solariengang pro Monat nach zwei bis drei Jahrzehnten das Hautkrebsrisiko gegenüber Personen, die kein Solarium besuchen, um das 2,4-fache erhöht, berichteten die Forscher im Rahmen des internationalen EUROSKIN-Workshops. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, erklärte heute auf einer Pressekonferenz in Berlin: „Wir werden die Bevölkerung daher noch stärker über die Risiken der Solariennutzung aufklären.“ Allerdings sieht der Experte auch die Behörden in der Pflicht. Die Solarien müssen „dringend regelmäßig kontrolliert werden, damit die seit Januar geltende UV-Schutz-Verordnung auch tatsächlich umgesetzt wird“, so die Aussage von Gerd Nettekoven.

Junge Frauen besonders oft im Solarium, entsprechend hoch ist ihr Hautkrebsrisiko
Zu der Nutzung von Solarien in Deutschland hat das Mannheim Institute of Public Health (MIPH) der Universität Heidelberg in einer aktuellen Studie 4.800 Bundesbürger im Alter von 15 bis 45 Jahren zu ihren Solarienbesuchen befragt. Die von der Deutschen Krebshilfe geförderte „SUN STUDY 2012“ zeigt, dass vor allem Personen im Alter unter 36 Jahren regelmäßig Solarien nutzen. So gehen etwa 3,5 Millionen Deutsche im Alter unter 36 Jahren regelmäßig ins Sonnenstudio. Die Studie des MIPH belegt darüber hinaus ein äußerst unterschiedliches Nutzungsverhalten der Solarienbesucher. „Bei den Solariengängern konnten wir eine typische ‚Viel-Nutzer-Gruppe‘ identifizieren, die entsprechend besonders gefährdet ist: Es sind Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren“, so die Aussage von Professor Dr. Sven Schneider vom Mannheim Institute of Public Health. Die „Frauen dieser Altersgruppe gehen etwa doppelt so häufig auf die Sonnenbank wie Männer“, erläuterte der Experte. Entsprechend höher ist ihr Hautkrebsrisiko. Im Rahmen der „SUN STUDY 2012“ stellten die Forscher auch fest, dass trotz gesetzlich geregelter Einschränkungen der Solarien-Nutzung rund 167.000 der Solarienbesucher minderjährig waren. Eigentlich ist es den Betreibern untersagt, Minderjährigen Zugang zu den Solarien zu gewähren. Seit März 2010 werden bei Zuwiderhandlungen Bußgelder bis zu einer Höhe von 50.000 Euro erhoben. Doch viele Betreiber scheinen sich – trotz der drohenden Strafen – nicht an die gesetzlichen Vorgaben zu halten.

Einhaltung der UV-Schutz-Verordnung kontrollieren
Insgesamt sind die gesetzlichen Regelungen zum UV-Schutz hierzulande bereits relativ umfassend, doch finden sie in der Praxis offenbar nicht die erforderliche Berücksichtigung. Seit Jahresbeginn gilt die UV-Schutz-Verordnung und stellt strenge Qualitätsanforderungen an die Betreiber von Solarien, wie beispielsweise eine fachliche Qualifikation des Personals der Sonnenstudios oder eine einheitliche Bestrahlungsstärke von maximal 0,3 Watt pro Quadratmeter. Nach Ansicht der Experten, muss sich die Wirksamkeit der Verordnung jedoch erst noch erweisen. Diese hänge davon ab, wie die einzelnen Bundesländer die Einhaltung der UV-Schutz-Verordnung kontrollieren. Allerdings drohen laut dem Generalsekretär von EUROSKIN, Dr. Rüdiger Greinert, die kontinuierlichen „Interventionen der Solarienindustrie auf europäischer Ebene bereits jetzt, den Erfolg zu verhindern.“ Zum Beispiel versuche „die Industrie, durch das Erstellen eigener Ausbildungsmaterialien die geforderte unabhängige Ausbildung des Fachpersonals für Solarien zu unterlaufen“, erläuterte Greinert. Dies gefährde die unabhängige fachliche Beratung der Solarienbesucher.

Kritik an „therapeutischen“ Angeboten der Solarien
Kritik übten die Experten auch an dem verstärkten Werben der Sonnenstudios mit therapeutischen Angeboten. „UV-Therapien dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht nach einer klaren Nutzen-Risikoabwägung für den Patienten durchgeführt werden“, betont der ADP-Vorsitzende. „Denn UV-Strahlen sind ein Karzinogen und erhöhen das Hautkrebsrisiko“, so der Professor Dr. Breitbart weiter. (fp)