Hundemüde und trotzdem hellwach: Was tun wenn kleine Kinder nicht schlafen wollen

Sebastian
Was kann man tun wenn das Kind einfach nicht einschlafen will?
Die nächtliche Erholung von Eltern wird durch ihren jungen Nachwuchs meist mehrmals unterbrochen. Babys wollen nicht nur gefüttert werden, sondern schlafen oft auch schlecht. Schlafprobleme bei kleinen Kindern sind eigentlich normal, in manchen Fällen ist aber die Hilfe von Experten gefragt.

Schlafprobleme von Babys halten Eltern wach
Haben Eltern erst vor kurzem Nachwuchs bekommen, kann man das oft an Augenringen und ständigem Gähnen erkennen. Viele Mütter und Väter finden nachts zu wenig Erholung, weil das Baby Schlafprobleme hat. Wie lange die Kleinen schlafen sollen, ist wesentlich vom Alter abhängig. Bei kleinen Babys sind Schlafprobleme meist normal. In manchen Fällen sind Schlafstörungen aber auch ein Grund, einen Kinderarzt oder Psychologen aufzusuchen. Experten haben wichtige Informationen zum Thema, auch dazu, was beim Einschlafen helfen kann.

Hundemüde und trotzdem nicht schlafen wollen.. Bild: altanaka - Fotolia
Hundemüde und trotzdem nicht schlafen wollen.. Bild: altanaka – Fotolia

Schlafbedürfnis ist vom Alter abhängig
„Für viele Eltern ist das Thema Schlaf ein Buch mit sieben Siegeln“, sagte Dana Urban von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Eltern seien häufig unsicher und hätten keine genauen Vorstellungen, wie viel Schlaf ihr Kind eigentlich braucht. Das Schlafbedürfnis ist grundsätzlich abhängig vom Alter. Während Neugeborene ungefähr 16 bis 18 Stunden Schlaf brauchen und Einjährige zwischen zwölf und 15 Stunden, reichen ab vier Jahren rund zwölf Stunden. Diese Angaben sind jedoch nur eine grobe Orientierung. Jedes Kind schläft anders und unterschiedlich viel. Vor allem Eltern mit Säuglingen, die wenig schlafen, empfinden das als große Belastung und sind schnell verunsichert und stellen sich Fragen, wie etwa ob man das Baby schreien lassen soll, damit es lernt, durchzuschlafen.

Körperliche Ursachen müssen ausgeschlossen werden
Allerdings sind Schlafprobleme bei Babys häufig ganz normal. Wie Torsten Spranger vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, laut dpa erklärte, hätten Neugeborene meist einfach noch nicht gelernt, durchzuschlafen und sich selbst zu beruhigen, wenn sie nachts aufwachen. Wenn aber noch andere Beschwerden auftreten, sollten Eltern den Kinderarzt um Rat fragen. So kann etwa eine Atemwegserkrankung der Grund dafür sein, wenn ein Baby oder Kleinkind laut atmet. Auch Verdauungsprobleme können die Kleinen nachts wach halten. Und auch noch im Kindergarten- und Grundschulalter sollten bei Schlafproblemen organische Ursachen ausgeschlossen werden können.

Einfache Veränderungen im Alltag
Eltern sollten es zunächst mit einfachen Veränderungen im Alltag versuchen, wenn ein Kind partout nicht einschlafen will. Der Nachwuchs sollte tagsüber aktiv sein, um ausgelastet zu sein. Manche Experten meinen, dass nächtliche Schlafstörungen durch Mittagsschlaf begünstigt werden können und daher nicht alle Kinder einen solchen brauchen. Am Abend sollten Eltern bei der Schlafenszeit auf Regelmäßigkeit achten. Um den Schlaf-Wach-Rhythmus nicht durcheinander zu bringen, sollte das Kind am besten jeden Abend etwa zur gleichen Zeit ins Bett. „Vielen Kindern helfen Rituale, abends zur Ruhe zu kommen“, sagte Urban. So kann man etwa die baldige Schlafenszeit ankündigen, indem man nach dem Zähneputzen jeden Abend eine Geschichte vorliest, etwas singt oder sich Zeit zum Kuscheln nimmt. „Es geht nicht darum, ein ganzes Paket an Ritualen abzuhaken, sondern für sich selbst und das Kind etwas zu finden, was Freude macht und gleichzeitig Beständigkeit vermittelt“, erklärte die Expertin.

Hilfe bei Alpträumen
Wenn ein Kind nachts wegen Alpträumen aufwacht, ist es wichtig, es zu beruhigen. „Fürchtet es sich vor Monstern unter dem Bett, sollte man das ernst nehmen“, erläuterte Urban. Ein Weg um die Angst zu vertreiben, könnte sein, gemeinsam mit dem Kind ein Kuschelmonster zu nähen oder einen Traumfänger zu basteln. Experten des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) haben vor kurzem darauf hingewiesen, dass Eltern zwar helfen können, es aber besser sei, Kinder bei Alpträumen selbst Lösungen finden zu lassen. Vorschläge der Kleinen, die ihnen bei der Angstbewältigung helfen könnten, sollten ernst genommen werden. Wichtig ist zudem, dass Kinder nicht im Streit mit den Eltern ins Bett gehen. „Auch wenn es am Tag einen Konflikt gab, ist es wichtig, dem Kind zu zeigen: Wir haben dich lieb und klären das morgen“, hob Urban hervor. Der Kinderpsychologe Holger Simonszent erklärte, dass es bei älteren Kindern helfen könne, Gedanken und Sorgen am Abend in einem Tagebuch loszuwerden. Dies auch deshalb, da oft schon ein besonderes Ereignis wie ein Schulwechsel oder eine bevorstehende Klassenfahrt ausreicht, um Kinder vom Schlaf abzuhalten.

Probleme gemeinsam mit Experten angehen
Er verwies jedoch darauf, dass die Ursachen nicht immer so banal seien. Schlafstörungen bei Kindern entstehen häufig durch eine emotionale Belastung. So können Streit in der Familie, Leistungsdruck oder die Krankheit eines Elternteils Gründe für emotionalen Stress sein. „Wer nur das Symptom Schlaflosigkeit behandelt, nicht aber die Ursache, hilft dem Kind nicht“, so Simonszent. Wenn eine psychische Belastung der Auslöser für die Schlafstörung ist, sollten Eltern das gemeinsam mit einem Kinderpsychologen aufarbeiten. Dabei stehen den Experten verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Vor einigen Jahren haben Psychologen der Universität Würzburg ein spezielles Schlaftraining entwickelt, das Kindern bei Schlafstörungen helfen kann. Da ein Kind umso eher zur Ruhe kommt, je gelassener Eltern mit dem Schlafproblem des Nachwuchses umgehen, sollten die Erwachsenen offen aussprechen, wenn sie überlastet sind. „Häufig sind es die Mütter, die irgendwann völlig erschöpft sind“, meinte Spranger. Nur denen, die es offen aussprechen, dass sie nicht mehr können, kann geholfen werden. Um ein Kind zu beruhigen und beim Schlafen zu unterstützen, brauchen Eltern selbst Kraft – und Schlaf. (ad)