Kardiologe: Herzrhythmusstörungen – Ist Sport therapeutisch sinnvoll oder gefährlich?

Fabian Peters

Sport kann bei Herzrhythmusstörungen helfen – doch Vorsicht ist geboten

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) berichtet, dass Menschen, die an Herzrhythmusstörungen leiden, nicht zwangsläufig auf Sport verzichten müssen. So raten Experten den Herzpatientinnen und -patienten nach ausgiebiger kardiologischer Überprüfung Sport im richtigen Ausmaß und unter genauer Anleitung zu betreiben, um gesundheitsfördernde Auswirkungen zu erzielen.

Prof. Peter Seizer, Rhythmologe und Kardiologe am Universitätsklinikum Tübingen, berichtet bei den DGK-Herztagen, die vom 12. bis 14. Oktober in Berlin stattfinden, worauf Patienten mit Herzrhythmusstörungen achten müssen, wenn sie sich sportlich betätigen möchten. Zwar ist Vorsicht geboten, ein vollständiger Verzicht ist jedoch nicht von Nöten.

Sport unter genauer Beobachtung kann Patienten mit Herzrhythmusstörungen helfen. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Nicht jeder Patient ist gleich

Laut Prof. Seizer hängt es von der genauen Form der Herzrhythmusstörung ab, inwiefern Sport oder sportliche Betätigungen für den gesundheitlichen Zustand des Patienten förderlich ist. Untersuchungen mit EKG, 24 Stunden EKG und bei Bedarf zusätzlicher Echokardiographie können Einschätzungen darüber liefern. „Freizeitsportler sollten sich vor allem dann kardiologisch untersuchen lassen, wenn sie den Verdacht haben, dass sie an einer Herzrhythmusstörung leiden. Das bedeutet, dass sie entweder bereits Symptome verspürt haben oder es in ihrer Familie Personen mit dieser Erkrankung gibt“ erklärt Prof. Seizer. Der Großteil der Herzrhythmusstörungen von Freizeitsportlern sei zwar unangenehm, aber relativ harmlos.

Gefährliche Sportarten vermeiden

Eine Herzrhythmusstörung sei gewöhnlich unbedenklich, wenn keine zusätzlichen Erkrankungen vorliegen oder wenn die Störung nur auf Vorhofebene auftrete, erläutert Prof Seizer. Solche Störungen können bei Sportlern jeder Sportart und unabhängig vom Alter des Sportlers auftreten. Besondere Vorsicht sei jedoch bei Sportarten geboten, wo eine durch Herzrhythmusstörung ausgelöste Bewusstseinsbeeinträchtigung tödliche Folgen haben kann, also beispielsweise beim Klettern, Tauchen, Skifahren, Radfahren, Reiten oder Motorradfahren.

Symptome ernst nehmen

Der Experte berichtet, dass bei den Patienten schon vor dem erstmaligen Auftreten von Herzrhythmusstörungen Alarmsignale vorhanden seien. Diese werden aber zu oft vernachlässigt oder ignoriert. „Vor allem Männer gestehen sich die Symptome nicht ein oder glauben, dass sie sich nur etwas überbeansprucht haben. Sie sollten sich aber unbedingt untersuchen lassen“, warnt Prof. Seizer. Besonders gefährlich sei es, wenn ehrgeizige Hobbyathleten mit einer schweren unerkannten Herzerkrankung eine Sportart mit Wettbewerbscharakter betreiben, etwa Fußballspielen. Denn dann versuchen sie oft, das Letzte aus sich herauszuholen und über ihre Grenzen zu gehen.

Sport als Therapie

Prof. Dr. Frank Edelmann berichtet auf den DGK-Herztagen weiterhin: „Sport und körperliche Aktivität sind auch essentielle Bestandteile in der Vorsorge und Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz“. So könne körperliche Aktivität ein essentieller Bestandteil sein, um das Auftreten einer Herzschwäche um bis zu 50 Prozent zu verringern. „Selbst wenn es zu einer Herzschwäche kommt, kann diese bei vorher Aktiven milder verlaufen“, so Prof. Edelmann. Bei Patienten, die an einer Herzschwäche leiden, hätten bereits zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche einen wichtigen Effekt auf die Prognose. Außerdem könne schon nach kurzer Zeit die Leistungsschwäche und die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Auch wichtige Begleiterkrankungen wie Diabetes können mit Hilfe eines körperlichen Trainings besser behandelt bzw. eingestellt werden, erklärt der Mediziner. (fp)