Krebsforschung: MicroRNA kann die Invasionsfähigkeit von Hautkrebszellen hemmen

Eine spezielle microRNA kann die Invasionsfähigkeit von schwarzem Hautrebs deutlich reduzieren. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Fabian Peters
Forscher entdeckten neue Möglichkeit zur Bekämpfung der Hautkrebs-Metastasierung
Eine spezielle microRNA kann die Invasion von Hautkrebszellen bremsen und damit das Risiko von Lungenmetastasen verringern. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) habe die microRNA entdeckt, welche ein bekanntes Krebsgen blockiert und dadurch die Invasionsfähigkeit von Zellen des schwarzen Hautkrebses unterdrückt. In Versuchen an Mäusen habe die Ausstattung von Melanomzellen mit dieser microRNA dazu geführt, dass die Tiere weniger Lungenmetastasen entwickelten, berichtet das DKFZ. Die Ergebnisse der Forscher wurden in dem Fachmagazin „Cancer Research“ veröffentlicht.

Die winzigen RNA-Moleküle der microRNA, welche nur aus rund 20 Bausteinen bestehen, enthalten keine Bauanleitung für Proteine, sondern übernehmen laut Aussage der Experten Steuerungsaufgaben in der Zelle. Hierfür „binden sie direkt an passende Sequenzen proteinkodierender mRNA-Moleküle, die dadurch nicht mehr in ein Protein übersetzt werden können“, erläutert das DKFZ in seiner aktuellen Mitteilung. Mit einer speziellen microRNA lasse sich auch ein bekanntes Krebsgen blockieren und so die Invasion von Hautkrebszellen bremsen.

Eine spezielle microRNA kann die Invasionsfähigkeit von schwarzem Hautrebs deutlich reduzieren. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Eine spezielle microRNA kann die Invasionsfähigkeit von schwarzem Hautrebs deutlich reduzieren. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

MicroRNA beeinflussen das Krebswachstum
„Bei vielen Krebsarten bilden die Tumorzellen ein Muster von microRNAs, das von dem gesunder Zellen abweicht“, erläutert der DKFZ-Wissenschaftler Stefan Eichmüller. Je nachdem, welche Gene die microRNAs in der Zelle blockieren, könne das Krebswachstum entweder angetrieben oder gebremst werden. So haben die microRNA „großen Einfluss darauf, wie die Erkrankungen verlaufen“, betont der Experte. Das Forscherteam um Stefan Eichmüller hat nun untersucht, ob microRNAs auch die bösartigen Eigenschaften des Melanoms (schwarzer Hautkrebs) beeinflussen. Die Krebsform ist laut Aussage der Experten besonders gefürchtet, da die Tumore schon frühzeitig Metastasen bilden. Die Invasionsfähigkeit und Mobilität dieser Krebszellen sei ein guter Indikator für ihre bösartigen Eigenschaften, auf welche sich die Forscher bei ihren aktuellen Studien konzentrierten, berichtet das DKFZ.

Invasionsfähigkeit der Zellen steuerbar?
Im Rahmen ihrer Studie statteten die Wissenschaftler eine humane Melanom-Zelllinie nach dem Zufallsprinzip mit jeweils einer einzige der rund tausend bekannten microRNAs aus. Anschließend konnten sie die Wirkung der verschiedenen mircoRNAs vergleichen, indem sie prüften, welche Distanzen die Zellen in einem speziellen Gel zurücklegten, erläutert das DKFZ. Erwartungsgemäß sei ein breites Spektrum an Wanderstrecken festzustellen gewesen. Diese unterschieden sich, „je nachdem, ob die jeweilige Zelle eine microRNA erwischt hatte, die ihre bösartigen Eigenschaften förderte oder aber hemmte“, so die Mitteilung des DKFZ. Unter denjenigen Zellen, die sich nur minimal fortbewegten, habe das Team schließlich die microRNA miR-339-3p identifiziert, bei deren Blockade der Wandertrieb der Zellen deutlich gesteigert wurde. Dies sei der Beweis dafür, dass das Molekül tatsächlich die Invasionsfähigkeit der Zellen beeinflusst. Auf die Überlebensfähigkeit der Zellen habe miR-339-3p jedoch so gut wie keinen Einfluss gezeigt.

Krebsgen MLC1 wird blockiert
Den Angaben des DKFZ zufolge wiesen mehrere untersuchte Melanom-Zelllinien deutlich weniger miR-339-3p als normale Melanozyten aus der Haut auf und wenn die Forscher diese Zelllinien mit zusätzlicher miR-339-3p ausstatten, verloren sie an Invasivität. Die Untersuchungen mit bioinformatischen Methoden haben ergeben, dass miR-339-3p in den Melanomzellen unter anderem das bekannte Krebsgen MLC1 blockiert. Dieses fördere das Überleben der Krebszellen und seine Überexpression sei beim Melanom mit schlechter Prognose verbunden. Laut Stefan Eichmüller blockiert „miR-339-3p offensichtlich ein zentrales Schlüsselmolekül, das viele der bösartigen Eigenschaften der Melanomzellen fördert.“

Weniger Lungenmetastasen gebildet
In Versuchen an Mäusen konnten die Forscher nachweisen, dass eine Übertragung von Melanomzellen, die mit miR-339-3p ausgestattet waren, bei Mäusen tatsächlich die Bildung von weniger Lungenmetastasen nach sich zog, als bei Artgenossen, denen unbehandelte Krebszellen übertragen worden waren. Bei früheren Untersuchungen seien bereits microRNAs identifiziert worden, die bei anderen Krebsarten die Bildung von MCL1 hemmen und dadurch die Invasionsfähigkeit der Zellen drosseln können. „Mit miR-339-3p haben wir nun auch für das Melanom einen echten neuen Tumorsuppressor entdeckt“, so Eichmüller. In weiteren Untersuchungen müsse nun geprüft werden, ob sich miR-339-3p zudem als diagnostischer Marker eignet, mit dem die Aggressivität von Melanomen beurteilt werden kann. (fp)

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