Kurzes Nickerchen: Macht uns der Mittagsschlaf wirklich wieder fit?

Auch in sitzender Position kann ein kurzes Nickerchen im Büro gehalten werden, das neue Energie für den restlichen Tag spendet. (Bild: peterruter/fotolia.com)
Nina Reese
Nach dem Mittagessen ein kleines Nickerchen – das wünschen sich viele. Doch nur selten bietet der Berufsalltag eine Möglichkeit hierfür. Dabei hat das so genannte „Powernapping“ einen guten Ruf, denn es soll neue Energie liefern und die Konzentration fördern. Ist das tatsächlich so? Hat der Tagesschlaf wirklich so viele Vorteile wie gemein angenommen wird? Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“ klärt ein Experte auf.

Kleine Auszeit erhöht Konzentrationsfähigkeit und sorgt für gute Laune
Viele Menschen werden um die Mittagszeit herum müde und schlapp. Es fällt schwerer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, die Leistungsfähigkeit nimmt ab, man wird langsamer und es entstehen schneller Fehler als sonst. Ein kurzer Mittagsschlaf erscheint da oft sehr attraktiv, doch viele Berufstätige finden hierfür in ihrem stressigen Arbeitstag keine Zeit. Das ist schade, denn Experten schreiben dem Nickerchen viele Vorteile zu. Wer zwischendurch schläft, ist demnach wieder fit, kann im weiteren Tagesverlauf schneller reagieren, aufmerksamer und konzentrierter arbeiten und habe zudem bessere Laune.

Auch in sitzender Position kann ein kurzes Nickerchen im Büro gehalten werden, das neue Energie für den restlichen Tag spendet. (Bild: peterruter/fotolia.com)
Auch in sitzender Position kann ein kurzes Nickerchen im Büro gehalten werden, das neue Energie für den restlichen Tag spendet. (Bild: peterruter/fotolia.com)

Bei Schlafstörungen besser auf Nickerchen verzichten
Hierfür müssten jedoch laut Prof. Ingo Fietze einige Voraussetzungen erfüllt sein. Denn ein Power Nap am Mittag sei nur für Menschen geeignet, die auch sonst einen gesunden Schlaf haben, so der Leiter des interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Universitätsmedizin in Berlin. Zudem sorge das Nickerchen nur für neue Energie, wenn aus der Nacht zuvor noch Schlaf nachzuholen ist, jemand also nur ca. vier bis sechs Stunden geschlafen hat. Eine ebenso positive Wirkung könne es bei Schichtarbeit und den damit verbundenen unregelmäßigen und kurzen Schlafzeiten haben.

Sitzende Position verhindert zu langes Schlafen
„Und er sollte höchstens 40 Minuten dauern“, betont Prof. Ingo Fietze. Andernfalls trete man in die Tiefschlafphase ein, nach der es jedoch 30 bis 60 Minuten brauche, um geistig wieder in Schwung zu kommen. Um nicht zu lange zu schlafen, sei es sinnvoll, sich einen Wecker zu stellen oder in der sitzenden Position zu schlafen. Denn in dieser wache man innerhalb der 40 Minuten von alleine wieder auf. Stimmen die Rahmenbedingungen, sorge ein Mittagsschlaf anschließend für drei bis vier Stunden neue Energie, so der Experte.

Power Nap kann Gedächtnisleistung verbessern
Erst kürzlich hatten Forscher der Saar-Universität in einer Studie nachgewiesen, dass ein kurzer Schlaf auch die Gedächtnisleistung deutlich erhöhen kann. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Neurobiology of Learning and Memory“ berichten, hatten sie eine Gruppe von Studenten untersucht, die zunächst Wörter und Wortpaare lernen sollten. Während die eine Hälfte der Teilnehmer anschließend schlief, schaute die andere eine DVD. Es zeigte sich, dass 50 Prozent derjenigen, die kurz geschlafen hatten, deutlich mehr Wortpaare behalten hatten als die Kontrollgruppe. „Selbst ein kurzer Schlaf à 45 bis 60 Minuten führte schon zu einer fünffachen Verbesserung des Informationsabrufs aus dem Gedächtnis“ erklärte der Neuropsychologe und Hauptautor der Studie, Axel Mecklinger, in einer Mitteilung der Universität. (nr)

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