Lange Arbeitszeiten bei Eltern schaden der Kindergesundheit

Volker Blasek

Familienfreundliche Arbeitszeiten unterstützen die Entwicklung der Kinder

Junge Familien haben häufig mehrere Belastungen zu stemmen. Oftmals tritt ein Elternteil im Berufsleben kürzer, um sich mehr dem Kind widmen zu können. Weniger Einnahmen stehen dann im Gegensatz zu den erhöhten Ausgaben, die ein Kind so mit sich bringt. In vielen Fällen probiert das andere Elternteil dies durch Mehrarbeit auszugleichen. Doch Forscher stellten in einer Studie kürzlich fest, dass sich Abend- und Nachtarbeitsstunden der Eltern negativ auf die psychische Gesundheit der Kinder auswirken können.


Ein Forscherteam des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) untersuchten mögliche negative Auswirkungen auf das Verhalten und die emotionale Stabilität von Kindern aufgrund später Arbeitszeiten der Eltern. Dafür werteten sie Daten von 838 Kindern im Alter von sieben bis zehn Jahren aus. Demnach hatten insbesondere Abend- und Nachtschichten einen starken negativen Einfluss. Der Studie zufolge neigten Eltern mit diesen Arbeitszeiten zu mehr Strenge und negativem Kommunikationsverhalten. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem Journal „Community, Work & Family“ publiziert.

Laut einer aktuellen Studie gibt es einen Zusammenhang zwischen späten Arbeitszeiten der Eltern und Verhaltensauffäligkeiten ihrer Kinder. (Bild: Nomad_Soul/fotolia.com)

Schelten und Schreien

Das Team griff auf Daten der Studie „Familien in Deutschland“ zurück, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in den Jahren 2010 bis 2013 gesammelt wurden. Den Wissenschaftlern zufolge neigten Eltern mit späten Arbeitszeiten eher dazu, ihr Kind zu schelten, zu kritisieren und es anzuschreien, was wiederum das Wohlbefinden des Kindes stark beeinflusste. In vielen Bereichen der psychischen Gesundheit der Kinder konnten folglich negative Konsequenzen festgestellt werden.

Sind Eltern mit familienunfreundlichen Arbeitszeiten überfordert?

Aus den verwerteten Daten ging hervor, dass 23 Prozent der befragten Väter regelmäßig nachts und 40 Prozent abends arbeiteten. Bei den Müttern kam dies in elf Prozent der Fälle nachts und in 28 Prozent abends vor. Die Auswirkungen wurden in vier Bereichen gemessen: Hyperaktivität, emotionale Probleme, auffälliges Verhalten und Probleme mit Gleichaltrigen. In all diesen Bereichen waren die späten Arbeitszeiten mit negativen Folgen verbunden.

Das Verhalten der Kinder änderte sich am deutlichsten

Die größte Veränderung konnten die Forscher im Bereich des kindlichen Verhaltens feststellen. Offenbar zeigten die betroffenen Kinder mehr Verhaltensauffälligkeiten. „Das ist insofern bedeutsam, als Verhaltensstörungen in jungem Alter ein höheres Risiko späterer Straffälligkeit, Drogengefährdung oder schwieriger Bildungs- und Berufsverläufe mit sich bringen“, erläutert das Autorenteam in einer Pressemitteilung des WZB zu den Studienergebnissen.

Der Erziehungsstil beider Elternteile ändert sich

Ein weiteres interessantes Detail der Studie war die Feststellung, dass die Abend- und Nachtarbeitszeiten eines Elternteils oft dazu führten, dass sich auch beim anderen Elternteil der Erziehungsstil änderte. Dabei waren Männer noch stärker von dieser Beeinflussung betroffen. Wenn ihre Frauen späte Arbeitszeiten aufwiesen, hatte dies häufiger einen Wechsel des Erziehungsstils zur Folge. Die Forscher sprechen von einem sogenannten „Spill-over“ (Übertragungseffekt).

Ungesunde Nachtarbeit

Nicht nur das Forschungsteam des WZB beschäftigte sich mit den schädlichen Auswirkungen abendlicher und nächtlicher Arbeit. Andere Studien der letzten Jahre zeigten weitere negative Aspekte familienunfreundlicher Arbeitszeiten und sorgten für Schlagzeilen wie „Schichtarbeit führt zu tödlichen Herzerkrankungen“, „Für Frauen sind lange Arbeitszeiten ein Gesundheitsrisiko“ oder „Schichtarbeit beeinträchtigt Denkvermögen“. (vb)