Medziner: „Avocado-Hand“: Beliebte Grünfrucht mit oft unbekanntem Gesundheitsrisiko

Sebastian
Beim Entkernen verletzen sich immer mehr Patienten
Mit heißem Wasser verbrühen, auf einem gerade frisch gebohnerten Boden ausrutsche oder sich in die Finger schneiden, wenn man Zwiebeln schält- das alles sind Haushaltsrisiken, die Jedermann bekannt sein dürften. Warum aber ausgerechnet die Avocado ein erhöhtes Verletzungsrisiko darstellt, dürften nur die Wenigsten wissen. Beim Aufschneiden und Entkernen würden sich „immer mehr Menschen akut verletzen“, berichtet der Vize-Präsident der Britischen Gesellschaft für Handchirurgie, Simon Eccles. Obwohl der Konsum der grünen Früchten in den letzten Jahren rasant gestiegen sei, wissen noch immer nur die Wenigsten, wie die Frucht adäquat und Unfallfrei zu schneiden sei, weshalb die Ärzte innerhalb der Klinik diese Art von Wunden auch als „Avocado-Hand“ bezeichnen.

Avocados erfreuen sich seit langem wachsender Beliebtheit. Die fettreiche Frucht wird pur auf dem Brot gegessen, als Hauptzutat für Guacamole verwendet oder im Smoothie getrunken. Frische Avocados sind nicht nur äußerst lecker, sondern auch sehr gesund. Neben den gesunden pflanzlichen Fetten enthält die Frucht zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Untersuchungen zufolge können Avocados dazu beitragen, den Cholesterinspiegel zu senken und sind gut für die Blutbildung. Neben den gesundheitlichen Vorteilen drohen aber auch Gefahren – zumindest bei falschem Umgang mit den Früchten.

(Bild: pingpao/fotolia.com)

Wie der Vize-Präsident der Britischen Gesellschaft für Handchirurgie gegenüber „The Times“ erklärt, führt der ansteigende Verzehr auch zu einem „konsequenten Anstieg von Verletzungen“. Viele wissen nämlich nicht, wie eine Avocado korrekt zu schneiden ist.

So schneidet man eine Avocado richtig auf

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Das sagt auch sein Kollege Simon Eccles, der in London als Facharzt für plastische Chirurgie tätig ist. Allein in einer Woche musste der Arzt vier Patienten versorgen, die sich beim Aufschneiden der grünen Frucht eine Handschnittwunde zugefügt hätten. Deshalb bezeichnen die Mediziner klinikintern die Verletzungen als „Avocado-Hand“.

Mit ihrem Hinweis wollen die Mediziner auf die Gefahren aufmerksam machen. „Die Menschen erwarten beim Kauf nicht, dass Avocados sehr reif sein können, und sie haben quasi keinen Schimmer von ihrer Handhabung“, sagt der Arzt. Aus diesem Grund plädieren beide für „eindeutige Warnhinweise“, um die Verletzungen zu reduzieren. So solle auf einem Etikett, das auf der Frucht klebt, eine Art Schaubild zur Handhabung abgebildet sein, fordern die Ärzte. Darauf sollten die Konsumenten vor den Risiken gewarnt werden, wenn sie den großen Kern aus der Frucht entfernen.

Nicht nur richtig schneiden, auch waschen!
Wie Experten des Instituts für Landwirtschaft und Natürliche Ressourcen an der Universität von Nebraska-Lincoln (USA) auf ihrer Webseite erklären, müssen Avocados vor der Zubereitung immer gewaschen werden.

Am besten werden die Früchte mit kaltem oder lauwarmem Wasser gereinigt und leicht geschrubbt. Denn auf der hubbeligen Schale der Früchte tummeln sich Bakterien und Pestizide, die beim Aufschneiden mit dem Messer in das Fruchtfleisch gelangen können. (sb)