Mikroben: Zig Bakterien-Stämme erreichen per Saharastaub Europa

Fabian Peters
Ausbreitung von Mikroben-Gemeinschaften mit dem Saharastaub
Die globale Ausbreitung von Bakterien kann auch über Staubpartikel in der Luft erfolgen. Ein Team italienischer und österreichischer Forscher hat dies bei der Untersuchung des Saharastaubs festgestellt, der bei extremen Wettereignissen über das Mittelmeer in den Norden transportiert wird. „In den Wolken können Mikroorganismen, oft auf Partikeln sitzend, sehr weite Strecken zurücklegen“, berichten die Wissenschaftler.

Den aktuellen Studienergebnissen zufolge werden ganze Gemeinschaften von Bakterien mit dem Saharastaub Richtung Norden transportiert. Laut Aussage der Forscher „könnten sich dabei auch Krankheitserreger etablieren“, was zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko führe. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Microbiome“ veröffentlicht.

Mit dem Staub der Sahara werden Mirkoorganismen über weite Strecken transportiert. (Bild: Leo Lintang/fotolia.com)

Saharastaub wird extrem weit transportiert
Durch extreme Wetterereignisse können großen Mengen von Saharastaub in den Norden verfrachtet werden. Die Belastung dieses Staubs mit Mikroorganismen hat das Forscherteam um Studienleiter Tobias Weil von der italienischen Stiftung „Fondazione Edmund Mach“ in seiner aktuellen Studie untersucht. Beteiligt waren auch Wissenschaftler des Nationalen Forschungsrat Italiens (CNR) sowie der Universitäten Innsbruck, Florenz und Venedig. Die Zusammensetzung des Teams umfasste Geologen, Meteorologen, Mikrobiologen und Bioinformatiker. Sie analysierten die „biologische Fracht von Sandwolken, die in den Dolomiten deponiert wurden und sich sehr gut sichtbar als rötliche Einlagerungen vom Schnee abhoben“, berichtet die Universität Innsbruck.

Ganze Gemeinschaften von Mikroorganismen leben im Saharastaub
Bei der Analyse des Saharastaubs stellten die Wissenschaftler fest, dass Extremereignisse „nicht nur einen Bruchteil, sondern ganze Gemeinschaften von Mikroorganismen der Sahara bis in die Alpen transportieren, wo sie im Winter in Schnee und Eis des Hochgebirges eingeschlossen werden.“ Zudem waren die nachgewiesenen mikrobiellen Gemeinschaften besonders resistent und konnten teilweise in völlig unterschiedlichen Lebensräumen überleben. Auch die Kälte in Schnee und Eis konnte vielen von ihnen nichts anhaben.

Klimawandel verstärkt das Problem
Schon heute überqueren Mikroorganismen mit dem Saharastaub das Mittelmeer, allerdings waren die entsprechenden extremen Wetterereignisse bislang relativ selten. Doch im Zuge des Klimawandels werden solche Extremereignisse laut Aussage der Forscher häufiger und Gletscher schmelzen vermehrt ab. So kommt nicht nur mehr Saharastaub über das Mittelmeer, sondern durch die Temperaturerhöhung werde auch die Revitalisierung der übertragenen Zellen gefördert, die ansonsten im Eis eingefroren bleiben würden. Während bei Sandablagerungen im Sommer die Zellen meist durch Niederschlag wieder verdünnt werden, akkumulieren sie sich im Winter in den Eis- und Schneeschichten, erläutern die Wissenschaftler. Hier finden sich daher viele Gemeinschaften von Mikroorganismen, die durch die fortschreitende Eis- und Schneeschmelze eine kritische Masse erreichen sogar heimische Arten verdrängen könnten.

Drohende Ausbreitung von Krankheitserregern
Durch den Transport per Saharastaub könnten sich schlimmstenfalls auch Krankheitserreger etablieren, was zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko für Mensch, Tier und Umwelt führen würde, warnen die Wissenschaftler. Auch bei den Vereinten Nationen ist dieses Problem bereits ein Thema und es wurden daher verschiedene Überwachungs- und Schutzmaßnahmen hinsichtlich der Wüstensandstürme vorgeschlagen. Dass interdisziplinäre Team italienischer und österreichischer Forscher empfiehlt diesbezüglich „schnelle und effiziente Methoden zum Monitoring der Risiken, die von den in Schnee und Eis abgelagerten mikrobiellen Gemeinschaften aus weit entfernten Regionen ausgehen.“ Denn der Saharastaub könnte möglicherweise ein bislang unterschätztes Gesundheitsrisiko darstellen. (fp)

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