Mikroplastik in Mineralwasser und Bier erwiesen

Heilpraxisnet

Mikroplastik in Mineralwasser und Bier

02.06.2014

Laut Recherchen des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“ wurden in verschiedenen Mineralwässern und Bieren namhafter Brauereien mikroskopisch kleine Fasern aus Plastik entdeckt. Die Deutschen Brauer wehren sich gegen die Anschuldigungen und verweisen auf eigene Untersuchungen.

Bier und Mineralwasser mit Plastikfasern
Recherchen des NDR Wirtschafts- und Verbrauchermagazins „Markt“ haben ergeben, dass verschiedene Mineralwässer und Biere teilweise mit mikroskopisch kleinen Fasern aus Plastik verunreinigt sind. Es wird angenommen, dass diese Fasern von Textilien aus sogenanntem Fleece-Material stammen könnten. Beim Waschen können solche Plastikfasern über das Abwasser in die Umwelt gelangen, sich dort verteilen und so möglicherweise mit der Produktion in die Getränke gelangen. Laut NDR handelt es sich bei den analysierten Mineralwässern und Bieren um die in Deutschland meistverkauften Marken. Alle untersuchten Getränke hätten Mikroplastik enthalten.

Keine Grenzwerte festgelegt
Im Auftrag der „Markt“-Redaktion wurde die Untersuchung von Prof. Gerd Liebezeit, früher Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, heute Firma MarChemConsult, durchgeführt. Die Plastikfasern wurden "in Mineralwässern großer Discounter sowie in Bieren der Sorten Pilsener und Weißbier namhafter Brauereien entdeckt". Als Spitzenwerte wurden in einem Liter Bier 78,8 Fasern und in einem Wasser 7,3 Fasern nachgewiesen. Auch wenn bislang keine Grenzwerte festgelegt wurden, hätten Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass möglichst wenig enthalten sein sollte. Bei Verunreinigungen mit Mikroplastik handelt es sich um ein generelles Umweltproblem. Prof. Liebezeit sagte: „Wir haben das synthetische Material weiträumig festgestellt, nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in der Luft.“

Ministerien fühlen sich nicht zuständig
Prof. Stephan Pflugmacher Lima, Ökotoxikologe vom Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin, erklärte: „Mikroplastik stellt auch für uns Menschen früher oder später eine Gefahr dar.“ Wie seine Experimente mit Muscheln zeigten, reichern sich solche Mikroplastik-Fasern im Gewebe an. Dies könne in hohen Konzentrationen sogar zum Tod der Tiere führen. Dem NDR zufolge haben sowohl das Bundesumweltministerium als auch das Bundesministerium für Ernährung auf eine „Markt“-Anfrage erklärt, nicht für die Problematik zuständig zu sein und jeweils auf das andere Ressort verwiesen.

Brauer weisen Vorwürfe zurück
Die deutschen Brauer wehren sich jedoch gegen die Vorwürfe. Laut verschiedenen Presseberichten hätten die Brauer selbst Untersuchungen, unter anderem bei der TU München, in Auftrag gegeben, um die möglichen Verunreinigungen zu überprüfen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele, sagte: „Alle Biere waren einwandfrei.“ Ähnlich hätten sich die Mineralwasser-Produzenten geäußert. Allerdings legten sie dem NDR gegenüber ihre Untersuchungsmethoden nicht offen.

Plastikteilchen in Honig und Regenwasser
Bereits im vergangenen Jahr hatte „Markt“ Plastikteilchen in Lebensmitteln nachgewiesen. Damals waren ebenfalls durch den Biologen Liebezeit Plastikfasern beziehungsweise Rückstände davon in vier von 19 untersuchten Honigsorten gefunden worden. Zudem hatten Untersuchungen von Regenwasser positive Befunde ergeben. Prof. Liebezeit forderte, dass die Verwendung von Plastikteilchen in Kosmetik- und Reinigungsprodukten verboten werden sollte. Hersteller hatten laut „Markt“ einen baldigen Ausstieg aus der Verwendung von Mikroplastik bei der Herstellung ihrer Produkte angekündigt. (ad)

Bild: Thomas Meinert / pixelio.de
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