Mit Zwiebeln gegen Antibiotikaresistenzen

Alexander Stindt

Mediziner entdecken die verstärkende Wirkung von bestimmten Zwiebeln auf Antibiotika

Forscher fanden jetzt heraus, dass die antibakteriellen Eigenschaften einer bestimmten Art von Zwiebel in Zukunft zur Verstärkung der Wirkung von Antibiotika-Behandlungen verwendet werden könnten. Diese Zwiebelart könnte beispielsweise den Schlüssel zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen bei Tuberkulose-Erregern darstellen.


Ein Team aus Wissenschaftlern von Birkbeck, UCL, der University of Greenwich, der University of East London und dem Royal Free Hospital stellte bei ihrer Untersuchung fest, dass die antibakteriellen Eigenschaften der persischen Schalotte zur Verstärkung der Wirkung von Antibiotika eingesetzt werden könnten. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Scientific Reports“.

Eine bestimmte Art von Zwiebeln hat ein enormes Potenzial als Quelle zur Entwicklung für neue Antibiotika. (Bild: M.studio/fotolia.com)

Immer mehr Erreger von bakteriellen Infektionen entwickeln eine Resistenz gegen Antibiotika

Wenn Patienten unter einer bakteriellen Infektion leiden, kann den Betroffenen ein Antibiotikum verschrieben werden. Im Fall einer Tuberkulose-Erkrankung wird wahrscheinlich eine Mischung aus vier Antibiotika verschrieben, darunter Isoniazid und Rifampicin. Leider entwickeln Erreger bei bakteriellen Infektionen zunehmend Resistenz gegen die Antibiotika.

Wir benötigen neue Klassen antibakterieller Mittel zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen

Dies führt dazu, dass Antibiotika die Fähigkeit verlieren, schädliche Bakterien wirksam zu bekämpfen oder abzutöten. So können die Bakterien weiter wachsen, dem Patienten weitere Schäden zufügen und sich unter der Bevölkerung ausbreiten. Daher besteht ein dringender Bedarf, neue Klassen antibakterieller Mittel zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen zu entwickeln, erläutern die Experten.

Wissenschaftler untersuchen chemische Verbindungen der persischen Schalotte

Das Forscherteam unter der Leitung von Dr. Sanjib Bhakta und Professor Simon Gibbons untersuchte bei der aktuellen Studie die sogenannte persische Schalotte und ihre antibakterielle Wirkung. Sie synthetisierten die chemischen Verbindungen, welche in diesen Pflanzen vorhanden sind, um ihr antibakterielles Potential besser zu verstehen und zu optimieren.

Dafür testeten sie vier verschiedene synthetisierte Verbindungen, welche alle eine signifikante Verringerung der Anwesenheit der Bakterien bei der multiarzneimittelresistenten Tuberkulose bewirkten. Die vielversprechendste Verbindung inhibierte das Wachstum der isolierten Zellen von Tuberkulose um mehr als 99,9 Prozent.

Millionen von Menschen sind mit multiarzneimittelresistenter Tuberkulose infiziert

Das Team kommt zu dem Schluss, dass die chemischen Verbindungen als Vorlagen für die Entdeckung neuer Medikamente zur Bekämpfung von Tuberkulose-Stämmen dienen könnten, welche zuvor eine Resistenz gegen antibakterielle Medikamente entwickelt haben. Dr. Bhakta vom Birkbecks Department of Biological Sciences sagte dazu: „Trotz einer konzertierten weltweiten Anstrengung, die Ausbreitung von Tuberkulose zu verhindern, wurden 2016 rund 10 Millionen neue Fälle und zwei Millionen Todesfälle gemeldet.

Weltweit sind derzeit 50 Millionen Menschen mit multiarzneimittelresistenter Tuberkulose infiziert.“ Dies zeigt wie wichtig die Entwicklung von neuen antibakteriellen Mitteln ist.

Ist die gefährliche Medikamentenresistenz umkehrbar?

„Bei der Suche nach neuen antibakteriellen Wirkstoffen konzentrieren wir uns auf Moleküle, die so stark sind, dass sie selbständig als neue Wirkstoffe entwickelt werden können. In dieser Studie zeigen wir jedoch, dass durch die Inhibierung der intrinsischen Resistenz-Eigenschaften der Tuberkulose die Effekte bestehender Antibiotika-Behandlungen verstärkt werden können und die bereits bestehende Medikamentenresistenz umgekehrt wird“, fügt Dr. Bhakta in einer Pressemitteilung des University College London hinzu.

Weitere Forschung ist nötig

Natürliche Produkte aus Pflanzen und Mikroben haben ein enormes Potenzial als Quelle für neue Antibiotika, erklärt Professor Gibbons vom University College London. Pflanzen, wie die persische Schalotte, produzieren Chemikalien zur Abwehr von Mikroben in ihrer Umwelt. Weitere Forschung muss sich nach Ansicht der Experten darauf konzentrieren, neue Formen von Antibiotika zu entdecken und deren Wirkungsweise besser zu verstehen. (as)