Multiple Sklerose – Eine meistens missverstandene Nervenstörung

Multiple Sklerose beschädigt das zentrale Nervensystem. (Bild: decade3d/fotolia.com)
Dr. Utz Anhalt
Heute ist Welt-MS-Tag. Dieser Tag soll auf eine häufig missverstandene Krankheit aufmerksam machen: Multiple Sklerose ist keine psychische Störung und auch kein Muskelschwund, sondern eine Nervenerkrankung.

Multiple Sklerose
Die Krankheit setzt das körpereigene Immunsystem außer Kraft und schädigt das zentrale Nervensystem. Zellen, die normalerweise der Abwehr von Krankheiten dienen, geraten außer Kontrolle und greifen Moleküle im Gehirn und Rückenmark an. Dadurch entzündet sich das Nervensystem.

Multiple Sklerose beschädigt das zentrale Nervensystem. (Bild: decade3d/fotolia.com)
Multiple Sklerose beschädigt das zentrale Nervensystem. (Bild: decade3d/fotolia.com)

Die fehl geleiteten Abwehrzellen zerstören die Isolierschichten der Nervenfasern, und darum verhärtet sich das Gewebe. In der Folge sind die Informationswege der Nervenzellen zum Gehirn blockiert.

Symptome
Die Nervenstörungen zeigen sich als Lähmungen, Sehstörungen und Gefühle von Taubheit in Armen und Beinen. Betroffene sehen alles „wie durch einen Schleier“ oder doppelt: Multiple Sklerose wird oft beim Augenarzt erstmals erkannt. Betroffene nuscheln, sie sind leicht erschöpft, ihre Stimmungen schwanken ohne äußeren Anlass, die Kranken vergessen vieles.

Doch alle diese Symptome treffen auch auf viele andere Störungen zu und außerdem äußert sich MS bei jedem Betroffenen anders – eben multipel: Manche leiden „nur“ unter Zuckungen der Hände, andere sitzen nach Jahren schwer behindert im Rollstuhl und können nur noch Kopf und Hals bewegen. Das trifft aber nur einen von zwanzig MS-Patienten.

Die Krankheit beginnt meist mit deutlichen Schüben und geht dann in einen schleichenden Prozess über, bei dem sich der Gesamtzustand immer weiter verschlechtert.

Unheilbar
Die Krankheit ist unheilbar. Verbunden mit dem schleichenden Verlauf, unvorhersehbaren Schüben und der Perspektive, irgendwann im Rollstuhl zu sitzen, ist die Diagnose MS für Betroffene eine Hiobsbotschaft.

Neue Therapien
Zwar lässt sich MS nicht heilen, doch die Behandlung schritt in den letzten 20 Jahren voran: Gerade bei einer frühen Diagnose, lässt sich der Verlauf heute lindern und verlangsamen.

Kortison und Blutwäschen helfen bei akuten Schüben, andere Medikamente stabilisieren erfolgreich das Immunsystem.

Derzeit prüfen Ärzte Medikamente, die Nervenfaserhüllen heilen sollen. Manche Fachleute setzen große Hoffnungen auf die Nanomedizin: Nanopartikel in der Medizin, um zerstörte Nervenbahnen zu reparieren. Hilfe verspricht eine aktuelle wegweisende Studie: Pflanzenpeptide können den MS-Verlauf stoppen.

Physio- und Ergotherapie helfen Betroffenen, durch die Krankheit entstandene Behinderungen zu handhaben: Gangstörungen lassen sich zum Beispiel durch Training beheben, Spastiken lösen sich durch Entspannung der Muskeln.

Ergotherapien helfen den Betroffenen sogar, wenn durch einen Schub Nervenbahnen zerstört sind. Die Patienten lernen, gesunde Nerven zu trainieren, um so zum Beispiel bestimmte Bewegungen der Finger wieder auszuführen.

Neue Therapien wollen mit Yoga und Aquafit gegen MS-Symptome vorgehen.

Wer ist betroffen?
Weltweit leiden um die 2,5 Millionen Menschen an MS, in Deutschland immerhin 200.000, ungefähr dreimal so viele Frauen wie Männer. Warum Frauen häufiger an MS erkranken als Männer ist bei dem Mysterium MS nach wie vor unklar.

Ursachen
Die Nervenerkrankung ist bis heute ein weißer Fleck auf der medizinischen Landkarte. Die meisten Wissenschaftler sind sich allerdings einig, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken müssen, bevor sich diese Nervenstörung entwickelt. Zu den möglichen Auslösern gehören ein Ungleichgewicht im Bakterienhaushalt des Darms, vorhergehende Infektionen und ein Vitamin D-Mangel. Genetische Dispositionen sind vorhanden, aber MS ist keine Erbkrankheit. (Dr. Utz Anhalt)

Advertising