Nur kurz zeugungsunfähig: Neue Pille für den Mann

Sebastian
Bislang beschränkt sich die Verhütung bei Männern im wesentlichen auf die Verwendung von Kondomen. Wissenschaftler arbeiten aber bereits seit Jahren an der Entwicklung einer Pille für den Mann. Japanische Forscher berichten nun über ihre Erfolge in diesem Bereich.

Verhütung mit Pille bevorzugt
Untersuchungen in den vergangenen Jahren ergaben, dass in Deutschland – wie auch in vielen anderen Ländern – die Verhütung mit Pille und Kondom bevorzugt wird. Frauen stehen eine Fülle von medizinischen Verhütungsmitteln verschiedenster Qualität zur Verfügung. Für Männer ist die Auswahl jedoch deutlich geringer. Neben der nicht ganz sicheren Kondom-Verwendung bleibt eigentlich nur die mit einem medizinischen Eingriff verbundene Methode der Vasektomie, die operative Durchtrennung des Samenleiters. Trotz jahrzehntelanger Forschung ist die Verhütung für den Mann auf medikamentösem Weg noch immer nicht möglich.

Die Pille für den Mann soll den Mann kurzzeitig zeugungsunfähig machen. Bild:  sharpshutter22 - fotolia
Die Pille für den Mann soll den Mann kurzzeitig zeugungsunfähig machen. Bild: sharpshutter22 – fotolia

Jahrelange Forschung brachte keinen Durchbruch
Zwar war in den vergangenen Jahren immer wieder über Erfolge bei der Erforschung der Pille für den Mann berichtet worden, doch meist folgten dann schnell wieder Meldungen über Probleme wie etwa gravierenden Nebenwirkungen. So war etwa 2011 eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Antibaby-Spritze für den Mann gestoppt worden, da viele Testpersonen die Testosteron-Spritze nicht vertrugen. Nun berichten japanische Forscher um Masahito Ikawa von der Universität Osaka von entscheidenden Forstschritten auf dem Gebiet der medikamentösen Verhütung für den Mann. Laut „deutschlandfunk.de“ spielte dabei der Zufall eine große Rolle.

Forscher machten Zufallsfund
Die Forscher hatten sich den Angaben zufolge eigentlich für ein Protein interessiert, das in der Immunabwehr eine wichtige Rolle spielt, das Calcineurin: „Wir hatten bemerkt, dass es im Erbgut von Säugetieren mehr als ein Gen für den Bau von Calcineurin gibt. Eines davon wird nur im Sperma abgelesen. Wir waren einfach nur neugierig was die Funktion dieses Sperma-Calcineurins ist. Deshalb haben wir Mäuse gezüchtet, bei denen genau dieses Gen inaktiv war. Wir hatten erwartet, eine Störung bei der Spermienproduktion zu sehen und waren sehr enttäuscht überhaupt keinen Unterschied zu finden.“ Nachdem bei den genetisch veränderten Mäuse der Nachwuchs ausblieb, nahmen Masahito Ikawa und seine Kollegen die Spermien noch einmal genauer unter die Lupe. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera filmten sie ihre Bewegung. Es zeigte sich, dass die Spermien der genmanipulierten Tiere eine steife Geißel hatten, wodurch ihnen die Durchschlagskraft fehlte um ein Ei befruchten zu können.

Vorübergehend zeugungsunfähig
„Da dachten wir, dass könnte ein Weg sein, um ein Verhütungsmittel für Männer zu entwickeln. Wir wussten aus der Humanmedizin, dass bestimmte Medikamente Calcineurin außer Kraft setzen. Wir haben also diese Mittel bei gesunden männlichen Mäusen ausprobiert. Und das hat tatsächlich funktioniert. Das hat uns sehr überrascht.“ Wie die Wissenschaftler im Fachjournal „Science“ berichten, wurde „das Sperma der Mäusemännchen zwei Wochen nach Beginn der Medikamentengabe lahm und die Tiere unfruchtbar. Die Spermien waren jedoch eine Woche nach dem Absetzen der Arznei wieder fit und die Männchen zeugungsfähig.“

Medikament beeinträchtigt Immunsystem
Da es das spezielle Sperma-Calcineurin nicht nur bei Mäusen, sondern auch bei Männern gibt, wäre lahmer Samen prinzipiell eine denkbare Verhütungsmethode. Nach derzeitigem Wissensstand allerdings mit unerwünschten Nebenwirkungen, denn die bei den Mäusen so gut wirksamen Medikamente werden in der Humanmedizin benutzt um das Immunsystem herunterzufahren, etwa um die Abstoßung eines Spender-Organs zu verhindern. „Wir müssen ein Medikament entwickeln, dass das Immunsystem nicht beeinträchtigt. Eines, das nur Sperma-Calcineurin unterdrückt. Mögliche Kandidaten dafür wären Derivate der Immunsuppressiva, die bei der Entwicklung der heute zugelassenen Medikamente verworfen wurden, weil sie nicht auf das Calcineurin des Immunsystems wirken. Einige dieser Mittel könnten aber das Sperma-Calcineurin blockieren.“ Bereit für die Pille wären wir, meint Masahito Ikawa: „Wir sind Männer. Wir müssen Verantwortung übernehmen!“ (ad)