Pädagoge: Eltern dürfen ihr Baby nicht schreien lassen

Sebastian
Experte: Eltern dürfen ihr Baby nicht schreien lassen
Ob Hunger, eine volle Windel, das Bedürfnis nach Nähe oder Müdigkeit: Babys schreien hin und wieder, das ist ganz normal – denn anders können sie sich in den ersten Monaten nicht bemerkbar machen. Häufig hören oder lesen Eltern die Empfehlung, nicht gleich zu reagieren und das Kind ruhig schreien zu lassen. Doch von dieser „Erziehungs-Methode“ rät Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) dringend ab.
Viele „gute Ratschläge“ zum Umgang mit weinenden Kindern
„Warte ein bisschen, er muss doch lernen, dass nicht immer gleich jemand kommt“, „Ach, ein bisschen schreien hat noch niemandem geschadet“, „Schreien stärkt die Lunge“ – solche und andere „guten Ratschläge“ hören viele Eltern von Verwandten oder Freunden. Auch einige Ratgeber empfehlen frisch gebackenen Eltern, nicht sofort zu reagieren und das Kind stattdessen etwas „abhärten“ zu lassen. Doch das sei keine gute Idee, sagt Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“. Denn „man weiß ja nicht, was passiert ist.“

Babys nicht schreien lassen. Bild: candy1812 - fotolia
Babys nicht schreien lassen. Bild: candy1812 – fotolia

Kinder brauchen zuverlässige Rückmeldung
Bei der Vorstellung, das weinende Kind einfach weinen zu lassen, empfinden viele Eltern ein ungutes Gefühl – mit gutem Grund, denn ein Baby schreie niemals aus Boshaftigkeit oder um die Eltern zu scheuchen, erklärt Ulric Ritzer-Sachs. „Es braucht die Sicherheit, dass es Rückmeldung bekommt, wenn es Angst oder Schmerzen hat“, so der Experte weiter. Dies sei für die kindliche Entwicklung ganz wichtig, denn reagieren die Eltern zuverlässig und rechtzeitig auf das Bindungssignal „Schreien“ und trösten das Kind, kann dieses das beruhigende Gefühl verinnerlichen, niemals allein zu sein.

Meist helfen schon ruhiges Sprechen oder sanfte Berührungen
Trösten bedeute jedoch nicht, dass das Kind jedes Mal gleich auf den Arm genommen werden muss, wenn es schreit. „Oft kommen die Eltern dann schon hektisch, nehmen das Baby hoch, geben direkt den Schnuller und riechen an der Windel“, sagt Ritzer-Sachs. Um eine solche Stress-Situation zu vermeiden, sei es empfehlenswert, ruhig zu bleiben und das Baby erst einmal für drei Minuten nur anzuschauen oder leise mit ihm zu sprechen. Dadurch erkenne es das vertraute Gesicht und erlebe, dass jemand da ist, erklärt der Experte weiter.

Voraussetzung ist hier jedoch, dass das Baby satt und gewickelt ist, um Hunger bzw. eine volle Windel als Ursache für das Weinen ausschließen zu können. Lässt sich das Kind auf diese Weise nicht beruhigen, würden oft sanfte und langsame Berührungen helfen, indem z.B. für ebenfalls drei Minuten vorsichtig der Bauch gestreichelt wird. Weint das Baby danach immer noch, sollten Eltern es nun auf den Arm nehmen und beruhigen, rät Ritzer-Sachs. Werde dieser Ablauf immer wieder auf die gleiche Wiese durchgeführt, könne er für das Kind zu einem vertrauten Beruhigungsritual werden.

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Singen kann Babys gut beruhigen
Eine aktuelle Studie der University of Montreal kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass sich schreiende Babys durch Singen besonders gut trösten lassen. Demnach wirkte Gesang deutlich beruhigender auf Säuglinge als eine sanfte Zusprache – selbst wenn die Sprache des Liedes für das Kind unbekannt war. Wie die Forscher vermuteten, helfe das Vorsingen den Kindern, ihre emotionale Selbstkontrolle zu entwickeln. (nr)

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