Pestizide: Glyphosat in zahlreichen Bier-Sorten festgestellt

Alfred Domke
Rückstände von Glyphosat in deutschen Bieren entdeckt
Nachdem bereits im vergangenen Jahr Glyphosat im Bier entdeckt wurde, hat sich bei aktuellen Untersuchungen erneut gezeigt, dass Reste des Pflanzenschutzmittels sowie weitere chemische Stoffe in zahlreichen Biersorten zu finden sind. Wie gefährlich die gefundenen Rückstände sein können, bleibt unklar.

Unkrautvernichter in deutschem Bier
Im vergangenen Jahr haben Untersuchungen nicht nur gezeigt, dass Glyphosat in Bieren nachweisbar war, sondern auch, dass Rückstände des Pflanzengifts bei einem Großteil der Deutschen im Urin messbar ist. Die Forderungen nach einem Verbot von Glyphosat wurden lauter. Doch nun sind erneut Untersuchungsergebnisse veröffentlicht worden, die verdeutlichen, dass sich der Unkrautvernichter auch noch heute in heimischen Bieren finden lässt.

In aktuellen Untersuchungen wurden in zahlreichen deutschen Bieren Rückstände des Pflanzenschutzmittels Glyphosat gefunden. Der Unkrautvernichter gilt als „wahrscheinlich krebserregend“. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Pestizide überstehen offensichtlich den Brauprozess
Wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) auf seiner Webseite berichtet, wurden im Jahr 2017 vom Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des Laves insgesamt 22 Proben Vollbier auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht.

21 der untersuchten Biere stammten aus Deutschland, eines aus Belgien. In insgesamt 18 Proben (17 Bierproben aus deutscher Produktion, eine aus belgischer) waren demnach Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachweisbar.

Vier Proben, darunter ein deutsches Biobier, enthielten keine Rückstände.

In zehn Bierproben war lediglich ein Pflanzenschutzmittel enthalten, sechs Proben wiesen zwei Wirkstoffe auf und in zwei Proben wurden jeweils drei Pestizidrückstände bestimmt.

Als Rückstände am häufigsten waren das Halmverkürzungsmittel Chlormequat (9x) und das Totalherbizid Glyphosat (7x) in den hier untersuchten Proben enthalten.

Laut Laves deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die im Hopfen- und Getreideanbau eingesetzten Pestizide offensichtlich den Brauprozess zumindest teilweise überstehen und in die fertigen Biere gelangen können.

Pestizide in 80 Prozent der Bierproben
Der niedersächsische Agrar- und Ernährungsminister Christian Meyer (Grüne) findet, es „ist ein erschreckendes Ergebnis, dass man in mehr als 80 Prozent der Bierproben Pestizide gefunden hat und dabei teilweise gleich Rückstände von drei verschiedenen Pflanzen- und Insektengiften“, so der Politiker gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“.

„Besonders schockiert mich, dass in rund einem Drittel der Proben Glyphosat gefunden wurde, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein“, sagte Meyer.

Glyphosat war vor zwei Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach aktualisierten Erkenntnissen der internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft worden.

Das Umweltinstitut München hatte im vergangenen Jahr – nach Glyphosat-Funden in verschiedenen Biersorten – die Forderung an die Brauereien gerichtet, den Stoff aus dem Bier zu verbannen.

Laut den Experten hat sich die Situation zwar offenbar etwas verbessert, doch Entwarnung kann noch nicht gegeben werden.

Situation hat sich offenbar verbessert
Das Umweltinstitut München hat vor kurzem die gleichen Biere testen lassen wie bereits 2016. Damals, wie auch jetzt, wurden in allen untersuchten Bieren Rückstände von Glyphosat nachgewiesen.

Aber: „Erfreulich ist, dass die in diesem Jahr von uns gefundenen Glyphosat-Rückstände im Durchschnitt deutlich niedriger sind als vor einem Jahr“, schreiben die Experten in ihrem Bericht.

Den Angaben zufolge handelte es sich bei den untersuchten Getränken um die 14 beliebtesten deutschen Biere.

Der Trinkwasser-Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter wird zwar von allen überschritten, doch die Werte sind im Durchschnitt um fast 80 Prozent gesunken.

„Einigen Brauereien gelingt es, konstant geringe Rückstandswerte zu erreichen. Doch keine der getesteten Brauereien schafft es, das Ackergift ganz aus dem Bier verbannen“, heißt es in einer Mitteilung.

Wie gefährlich sind die gefundenen Rückstände?
Doch wie gefährlich sind die Funde? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärte in der Vergangenheit, es sehe bei den gefundenen Mengen keine Krebs-Gefährdung für Konsumenten.

Das Umweltinstitut München schreibt jedoch: „In absoluten Zahlen sind die gefundenen Rückstandsmengen im Bier klein. Doch bei krebserregenden und DNA-schädigenden Stoffen gibt es keine Untergrenze, unter der sie sicher sind. Sie können selbst in kleinsten Mengen eine gesundheitsschädigende Wirkung entfalten.“

Der Deutsche Brauerbund hat erwartungsgemäß eine andere Position: „Glyphosat ist seit Jahrzehnten als Wirkstoff in einer Reihe von in Deutschland und weltweit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln enthalten, aus deren Anwendung sich bekanntlich Rückstände in Ernteprodukten und Lebensmitteln ergeben können“, schreibt der Verband in einer Stellungnahme.

„Eine Vielzahl von amtlichen und nichtamtlichen Studien hat diese Spuren für gesundheitlich unbedenklich erklärt“, heißt es dort weiter.

Der Brauerbund weist darauf hin, dass ein Erwachsener laut BfR an einem Tag rund 1.000 Liter Bier trinken müsste, um gesundheitlich bedenkliche Mengen Glyphosat aufzunehmen. (ad)