Pflanzenfresser werden Menschenfresser: Wanzen beißen auf einmal massenhaft Menschen

Aus mehreren Regionen Westdeutschlands wird derzeit über eine Wanzenart berichtet, die offenbar Geschmack an Menschenblut gefunden hat. Auf schmerzhafte Stiche folgen entzündete Wunden. (Bild: by-studio/fotolia.com)
Alfred Domke
Ungewöhnliches Verhalten von Wanzen: Pflanzenfresser stechen Menschen
Experten zeigen sich derzeit verblüfft über das Beute-Schema einer bestimmten Wanzenart. Die Insekten der Art Psallus varians machen sich nicht länger nur über Grünzeug und Blattläuse her, sondern stechen massenhaft Menschen in Westdeutschland. Fachleute vermuten, dass die Wetterkapriolen an der Verhaltensänderung schuld sein könnten.

Geschmack an Menschenblut gefunden
Laut dem Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) gibt es weltweit rund 40.000 Wanzenarten. In Deutschland sollen es knapp 1.000 sein. Tendenz zunehmend, denn der Klimawandel lässt manche Arten ihr Areal stark nach Norden ausdehnen. Schon vor einigen Jahren hieß es, dass auch Bettwanzen Deutschland wieder erobern. „Vegetarische Wanzen gibt es ebenso wie Aasfresser, Räuber und Gemischtkostler. Allen gemein ist, dass sie nur Flüssignahrung zu sich nehmen können“, schreibt der NABU auf seiner Webseite. Einige Raubwanzen können laut den Experten die menschliche Haut durchstechen. So auch eine Wanzenart, die derzeit in Deutschland von sich reden macht, da sie offenbar Geschmack an Menschenblut gefunden hat.

Aus mehreren Regionen Westdeutschlands wird derzeit über eine Wanzenart berichtet, die offenbar Geschmack an Menschenblut gefunden hat. Auf schmerzhafte Stiche folgen entzündete Wunden. (Bild: by-studio/fotolia.com)
Aus mehreren Regionen Westdeutschlands wird derzeit über eine Wanzenart berichtet, die offenbar Geschmack an Menschenblut gefunden hat. Auf schmerzhafte Stiche folgen entzündete Wunden. (Bild: by-studio/fotolia.com)

Massenhafte Meldungen aus Westdeutschland
„Es ist ein verblüffendes Verhalten“, erklärte der Wanzenexperte Wolfgang Dorow vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Seinen Angaben zufolge habe er dutzendfach Fälle berichtet bekommen, wonach die Insekten Menschen gestochen haben. In Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen habe es massenhaft Meldungen zu den Blutsaugern gegeben. Die Rede ist von Psallus varians, eine wenige Millimeter große Weichwanzenart, die vor allem auf Buchen und Eichen zu finden ist. Die winzigen Tierchen saugen sich dort gewöhnlich an Baumpollen oder knöpfen sich Blattläuse vor. „Es kommt eigentlich selten vor, dass sie sich vertun und Menschen stechen“, meinte Dorow.

Auf schmerzhafte Stiche folgen entzündete Wunden
Allerdings zeigen die Tiere während der Wetterkapriolen der vergangenen Tagen mit Schwüle und Starkregen offenbar untypisches Verhalten. In sozialen Netzwerken berichten Augenzeugen von schwarmhaftem Auftreten und von entzündeten Stichwunden. „Dabei handelt es sich sicher um allergische Reaktionen. Normalerweise folgt auf den durchaus schmerzhaften Stich solcher Wanzenarten nicht einmal eine Hautrötung, wie sie etwa bei Mücken üblich ist“, so Dorow. Es sei ein Phänomen, dass die Tiere in Massen auf Menschen losgehen, sagte der Fachmann dem Sender Hit Radio FFM. Eine Erklärung für dieses ungewöhnliche Verhalten der kleinen Blutsauger habe der Wanzenexperte nicht.

Nur wenige Wanzenarten saugen Menschenblut
Allerdings sei diese Weichwanzenart nicht als Krankheitsüberträger bekannt. Ganz im Gegensatz zu andern Arten wie etwa bestimmten Raubwanzen, die die gefährliche Chagas-Krankheit verbreiten. Wie es in der dpa-Meldung heißt, vermehrt sich Psallus varians, eine von 26 in Deutschland bekannten Arten der Gattung Psallus, schwunghaft im Mai und Juni. Im Hoch- und Spätsommer hingegen sind nur noch vereinzelt Tiere zu beobachten. Dorow zufolge sind in Deutschland insgesamt 891 Wanzenarten bekannt, von denen lediglich fünf an Menschen, Vögeln oder Fledermäusen Blut saugen. (ad)

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