Pollensammler Gerät kann Allergikern helfen

Alfred Domke

Mini-Gerät am Rucksack: Pollensammler kann Allergikern helfen

15.02.2014

Millionen von Menschen leiden hierzulande an einer Pollenallergie. Allergikern fehlen jedoch meist genauere Infos über Pollenflug und die eigene Belastung. Dem könnte künftig ein kleines Gerät Abhilfe schaffen.

12 bis 16 Millionen Pollenallergiker in Deutschland
Auch wenn es nur ein kleines Gerät ist, könnte es künftig Millionen Allergikern in Deutschland große Dienste leisten. Derzeit entwickeln der Mainzer Geoinformatiker Klaus Böhm (48) und der Softwareentwickler Torsten Sehlinger (38) gemeinsam einen persönlichen Pollensammler, der die eigene Allergiebelastung messen soll. An der Berliner Charité beginnt in diesen Tagen eine Studie zu dem noch in der Entwicklung steckenden Mini-Gerät. Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie schätzt die Zahl der Pollenallergiker auf bundesweit etwa 12 bis 16 Millionen. Für die beiden Mainzer Forscher also Grund genug, der Belastung genauer auf den Grund zu gehen, denn bislang habe die Pollenmessung noch Defizite.

Messstationen an rund 45 Orten
Allergiker, die vor allem im Frühjahr und Sommer unter einer juckenden Nase oder tränenden Augen zu leiden haben, können sich per sogenanntem „Prick-Test“ auf Allergien untersuchen lassen. „Wenn man Antikörper gegen die Eiweiße von Birkenpollen hat, entsteht dort eine Schwellung und Rötung“, erklärt Allergologe Karl-Christian Bergmann (71) von der Berliner Charité. „Dann kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen: Es ist ein Heuschnupfen mit Birkenpollen.“ Zusätzlich kommen noch Informationen von Pollensammlern dazu. Dies sind Messstationen in etwa 15 Metern Höhe an rund 45 Orten in ganz Deutschland. „Damit wissen wir ungefähr, was in Deutschland ‚rumfliegt. Was in zehn Kilometer Entfernung fliegt, können wir aber nur ahnen und schätzen das.“

Symptome in digitales Tagebuch eingetragen
Geoinformatiker Böhm hatte vor rund sechs Jahren die Idee, die persönlichen Allergie-Symptome aufzuzeichnen und sie auf die Konzentration von Pollen in der Umgebung zu beziehen. „Allergiker sollten deutschlandweit ihre Symptome in einem digitalen Tagebuch eintragen. Dann konnte man auf einer Karte erkennen, wie geht’s mir, wie geht’s den Leuten in meiner Nachbarschaft?“, so der Mainzer Fachhochschulprofessor. Vernetzt wurden die Informationen der jeweiligen Tagebücher mit den Pollendaten des Deutschen Wetterdienstes.

Unpräzise Polleninformationen
Aus Sicht des Forschers hatte dies aber einen Haken: „Es fehlte die Motivation für die Allergiker, das permanent zu machen. Und die verfügbaren Polleninformationen waren zu unpräzise.“ Denn Werte wurden dort hochgerechnet, wo Sammler fehlten. Beispielsweise seien die für Mainz nächstgelegenen Messstellen in Bonn, Marburg und Mannheim/Heidelberg. „Es ist eine große Fehlerbreite“, so Bergmann. „Eine Studie für ein neues Präparat oder eine Immuntherapie ist teuer und kostet in der Größenordnung von einer Million Euro. Da kann man sich solche Unsicherheiten eigentlich nicht leisten.“

Beschwerden über Smartphone-App eintragen
Und somit komme der „Personal Pollen Sampler“ ins Spiel, ein Gerät, das Luft ansaugt und das man beispielsweise am Rucksack tragen kann. Wie Böhms Ex-Student Sehlinger berichtet, wird die Luft dort auf einen klebrigen Streifen geleitet, wo Pollen, Ruß und Pilzsporen landen. Dieser Streifen werde dann per Motor weiterbewegt, um so ein zeitliches Profil der Pollenbelastung zu bekommen. Dafür werde der Ort per GPS ermittelt. Das Mini-Gerät sei von einem Arzt einzustellen und der Patient müsse alle ein bis zwei Tage die Kassette wechseln und es aufladen. Der Allergiker trägt über eine Smartphone-App seine Beschwerden an Nase, Augen oder Bronchien ein.

Sinnvoll für Wissen über passende Therapieform
Auch wenn Allergikern durch den Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) im Internet eine Übersicht geboten werde, wo Pollenflug registriert wird, hänge dieser „Pollentrend“ allerdings davon ab, wie viele Betroffene sich melden. Der Verband halte die Entwicklung des Pollen-Samplers für sinnvoll. „Wenn das erfolgreich wäre, wäre es natürlich sehr hilfreich“, so Diplom-Biologin Anja Schwalfenberg in Mönchengladbach. Vor allem dafür, um zu wissen, mit welchen Pollen der Patient in Kontakt komme und welche Therapieform daher passend sei.

Interesse in der ganzen Welt
Auch der mit der Studie in Berlin betraute Allergologe Bergmann zeigt sich überzeugt: „Das Gerät wird Interesse finden in der ganzen Welt. Auch von Allergologen und Kliniken wird es genutzt werden.“ Weiter meinte er: „Es wird auch andere Anwendungen im Kindergarten, im Kinderwagen oder im Auto geben.“ Denn Kinder hätten ein höheres Risiko, später Heuschnupfen oder Pollen-Asthma zu bekommen, wenn sie in einem Monat geboren würden, in dem Pollen fliegen. Böhm und Sehlinger bekamen für ihre Entwicklung den Innovationspreis Rheinland-Pfalz 2013.

Unklar wann Gerät in der Praxis eingesetzt werden kann
Allerdings ist noch offen, wann der kleine Pollensammler in der (Arzt-)Praxis eingesetzt werden kann. Daher gilt es für Pollenallergiker, sich vorerst weiter mit den herkömmlichen Möglichkeiten zu begnügen. Konventionelle Mediziner raten dazu, sich frühzeitig mit symptomlindernden Medikamenten einzudecken. Als ursächliche Behandlung bieten viele Ärzte die Hyposensibilisierung an, eine Behandlung, bei der das Immunsystem das Allergen in immer höheren Dosen als Spritze oder in Tablettenform zugeführt bekommt, um eine immunologische Gewöhnung herbeizuführen. Die Behandlung wird jedoch hin und wieder als belastend erlebt, kann sie doch zu Nebenwirkungen, z.B. zu allergischen Reaktionen und Kreislaufsymptomen, führen. In der Naturheilkunde kommen neben Homöopathie und Akupunktur auch Methoden wie Eigenbluttherapie, Hypnose, Bachblütenbehandlung und Darmsanierung zur Anwendung. (ad)

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