Preisvergabe – Weniger Chemotherapie bei Brustkrebs

Volker Blasek

Vergabe des Junior Award der Claudia von Schilling Stiftung

Die Westdeutschen Studiengruppe (WSG) erhält den mit 10.000 Euro dotierten „Breast Cancer Research Junior Award“. Die Studiengruppe bekommt den Preis für ihre aktuellen Studien auf dem Gebiet der Brustkrebsforschung. Die WSG untersucht derzeit in klinische Studien mit 10.000 Patientinnen aus mehr als 100 Kliniken in Deutschland, welche Patientinnen auf eine Chemotherapie bei Brustkrebs verzichten können. Die Auszeichnung verleiht die Claudia von Schilling Stiftung in Hannover alljährlich an junge Wissenschaftler.


Die derzeitigen Behandlungsmethoden bei Brustkrebs sind von Operationen, Strahlen- und Chemotherapie geprägt. Die Chemotherapie soll zwar vor einem Rückfall schützen, doch bringt sie auch erhebliche Nebenwirkungen mit sich. Frühere Ergebnisse aus Langzeitstudien zeigten bereits, dass 20 Prozent der Patientinnen eine Chemotherapie erspart bleiben kann. Jetzt belegen erste Ergebnisse aktueller Projekte, dass sogar mehr als die Hälfte der Patientinnen keine Chemotherapie benötigen.

Wissenschaftler erhalten einen Preis für Brustkrebsforschung. Die Ergebnisse ihrer Arbeit könnten in Zukunft dazu beitragen, dass 50 Prozent der Brustkrebspatientinnen auf eine Chemotherapie verzichten können. (Bild: hikdaigaku86/fotolia.com)

Die Hälfte aller Brustkrebspatientinnen könnte bald auf die Chemotherapie verzichten

Die mehr als 5.000 Patientinnen umfassende sogenannte ADAPT-Studie der WSG untersucht die Wirksamkeit und die Verträglichkeit der verabreichten Therapien sowie die Verteilung der Risikoprofile bei Brustkrebspatientinnen. Erste Ergebnisse zeigen, dass mehr als die Hälfte der Patientinnen keine Chemotherapie mehr benötigen. Die WSG untersucht schon vor einer Operation, wie effektiv die Antihormontherapie sein wird. Bei der Antihormontherapie werden die Östrogene blockiert. Dies soll das Wachstum von Tumorzellen stoppen, um einen Rückfall oder ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Der genetische Fingerabdruck gibt Hinweise auf die Effektivität

„Wir erforschen, wie mit Hilfe des so genannten genetischen Fingerabdrucks von Brustkrebs die Effektivität der Chemotherapie eingeschätzt werden kann“, erläutert Dr. Gluz, Oberarzt am Brustzentrum Niederrhein in einer Pressemitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover. Weiterer Schwerpunkt der WSG-Forscung ist die Untersuchung von Geweben. Die WSG überprüft, ob die konventionelle Diagnostik in der Zukunft der modernen Medizin noch eine Rolle spielen wird, auch in Hinsicht auf die Kosten, die dabei verursacht werden.

Weitere Auszeichnungen

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, den 17. Januar 2018, um 18 Uhr in Hannover statt. Den mit 20.000 Euro dotierten „Claudia von Schilling Preis“ erhält Professor Dr. Walter Paul Weber vom Universitätsspital Basel für die Fortentwicklung von Standards im Bereich der brusterhaltenden Chirurgie. (vb)