Progesteron bietet keinen Schutz vor Fehlgeburten

Fabian Peters
Risiko einer Fehlgeburt durch Progesteron-Therapie nicht verringert
Das Hormon Progesteron hat einen wesentlichen Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf. Ein Einsatz bei Frauen, die bereits mehrere Fehlgeburten hinter sich haben, schien daher naheliegend und seit Jahrzehnten sind entsprechende Präparate verfügbar, die das Risiko einer Fehlgeburt senken sollen. Doch kommt die aktuelle Studie eines Forscherteams um Professor Arri Coomarasamy von der University of Birmingham zu dem Ergebnis, dass die „Progesteron-Therapie in dem ersten Drittel der Schwangerschaft nicht zu einer signifikant höheren Rate der Lebendgeburten bei Frauen mit einer Geschichte von ungeklärten wiederholten Fehlgeburten führt.“

Die Progesteron-Anwendung kann bei Frauen, die bereits mehrere Fehlgeburten hatten, eine weitere Fehlgeburt nicht verhindern, so das enttäuschende Fazit der Forscher. Die Verwendung von Progesteron zur Sicherung des Schwangerschaftsverlaufs bei erhöhtem Fehlgeburt-Risiko ist demnach sinnlos. Allerdings können die Forscher nicht ausschließen, dass andere positive Effekte auftreten. Eine schädliche Wirkung sei nicht festzustellen gewesen, schreiben Professor Coomarasamy und Kollegen in dem „New England Journal of Medicine“.

Die Progesteron-Therapie schützt nicht vor Fehlgeburten. (Bild: Zerbor/fotolia.com)
Die Progesteron-Therapie schützt nicht vor Fehlgeburten. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Risiko einer Fehlgeburt unverändert
An der Fünf-Jahres-Studie nahmen 836 schwangere Frauen mit zurückliegenden ungeklärten wiederholten Fehlgeburten teil. Von ihnen erhielten 404 Frauen „zweimal täglich Vaginalzäpfchen, die 400 Milligramm mikronisiertes Progesteron“ enthielten und 432 Frauen ein Zäpfchen mit Placebo, erläutern die Forscher. Mit der Behandlung wurde unmittelbar nach dem ersten positiven Urin-Schwangerschaftstest (spätestens in der 6. Schwangerschaftswoche) begonnen und sie wurde bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels durchgeführt. In der Studie lag die Rate der Lebendgeburten bei 65,8 Prozent (262 von 398 Frauen) in der Progesteron-Gruppe und bei 63,3 Prozent (271 von 428 Frauen) in der Placebo-Gruppe. Demnach waren keine signifikanten Unterschiede bezüglich des Risikos einer Fehlgeburt zwischen der Progesteron-Gruppe und der Placebo-Gruppe festzustellen.

Progesteron-Therapie erfüllt nicht die Erwartungen
„Wie viele andere Menschen, hatten wir gehofft, dass die Studie Progesteron als eine wirksame Behandlung bestätigt“, betont Professor Arri Coomarasamy. Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Doch obwohl die Ergebnisse enttäuschend seien, könne die Progesteron-Therapie durchaus andere positive Effekte haben, wie beispielsweise „die Verhinderung einer Fehlgeburt bei Frauen mit frühen Schwangerschaftsblutungen.“ Zudem zeigten die Studienergebnisse auch, dass keine signifikanten negativen Auswirkungen der Progesteron-Behandlung auf die Frauen oder ihre Babys auftraten, berichtet die University of Birmingham. (fp)