Querschnittsgelähmter kann dank Roboterskelett wieder laufen

Sebastian
„Exoskelett“: Querschnittsgelähmter kann wieder laufen
Ein Mann aus den USA, der nach einem Unfall querschnittgelähmt war, kann wieder laufen. Möglich wurde dies mit Hilfe einer Art Roboterskelett. Mit dieser Technik könnte womöglich in Zukunft die Lebensqualität und Gesundheit vieler Gelähmter verbessert werden.

Mann war jahrelang gelähmt
Mark Pollock hat in seinem Leben schon viel durch machen müssen. Doch nun scheint es für ihn buchstäblich vorwärts zu gehen. Wie der „Berliner Kurier“ auf seinem Internetportal berichtet, verlor der in Nordirland geborene Mann mit 22 Jahren sein Augenlicht. Der Athlet und Abenteurer ließ sich aber dadurch offenbar nicht von seinen Unternehmungen abhalten und schaffte es 2008 in Begleitung von zwei Freunden nach wochenlanger Wanderung als erster Blinder zum Südpol. 2010 stürzte er jedoch versehentlich aus dem Fenster im zweiten Stock, brach sich die Wirbelsäule und war seither von der Taille abwärts gelähmt.

Selbstständig bewegen dank Roboterskelett
Doch nun ist eine kleine Sensation gelungen. Der nunmehr 39-Jährige kann wieder auf beiden Beinen stehen und sich eigenständig ein paar Schritte fortbewegen. Er muss dabei zwar Krücken tragen und seinen Körper in ein Roboterskelett zwängen, doch er muss nicht mehr im Rollstuhl sitzen. Pollock helfen dabei Elektroden, die statt ins Rückenmark implantiert auf seiner Rückenhaut platziert sind. Den Angaben zufolge lösen diese Impulse aus, die die vom Gehirn abgeschnittenen tauben Beinnerven zur Bewegung anregen.

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Erste Schritte schon nach wenigen Wochen
Geholfen wurde Pollock von einem Ärzteteam an der Universität von Kalifornien (UCLA) unter Leitung von Professor Reginald Edgerton. Die Wissenschaftler haben ein speziell auf seinen Körperbau abgestimmtes sogenanntes „robotisches Exoskelett“ entwickelt, das dem Patienten die nötige Stabilität gibt und ihn aufrecht hält. Der Patient konnte bereits nach wenigen Wochen zunächst sein linkes und später auch sein rechtes Knie selbstständig beugen, die Beine heben und schließlich die ersten Schritte tun. „Zu erleben, wie die Elektroden wirken, wie ich in Gang kam, ohne die Stabilität zu verlieren, war aufregend und höchst emotional“, sagte Pollock vor kurzem auf einer Pressekonferenz. „Plötzlich sprang auch mein Kreislauf wieder an. Bei der Bewegung hatte ich einen Puls von 138. Das hatte ich in der Rollstuhlzeit nicht mal ansatzweise.“

Methode könnte künftig Lebensqualität Gelähmter verbessern
Professor Edgerton erklärte: „Kreislauf- und Nervensystemprobleme sind häufig bei Rollstuhl-Patienten.“ Künftig könnte die Kombination aus stimulierter Muskelbewegung und dem „Exoskelett“ Lebensqualität und Gesundheit vieler Gelähmter verbessern. Professor Edgerton meint, dass Pollock vor allem all denen Mut machen könne, „die schwer verletzt, aber nicht komplett gelähmt sind“. Die Energie- und Willensleistung des Patienten wurden ja unter anderem auch durch seine Reise zum Südpol bekannt. „Mit ausreichenden Mitteln könnten wir eine Menge tun, um Forschung und Technologie voranzubringen“, so Edgerton.

Erfolgreiche Behandlung mit Zelltherapie
Diese Methode ist aber nicht die einzige, die dazu beitragen kann, dass manche Gelähmte wieder laufen können. So wurde im vergangenen Jahr berichtet, dass einem Patienten, der seit vier Jahren aufgrund einer Messerattacke von der Brust abwärts gelähmt war, bei einer Behandlung in Polen mit Unterstützung britischer Forscher Nervenzellen aus der Nase ins verletzte Rückgrat eingesetzt wurde. Nach dieser Zelltherapie konnte sich der Patient schon bald wieder ohne Gehhilfe fortbewegen. Kritiker verwiesen jedoch darauf, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis gebe, dass die verpflanzten Zellen für die Fortschritte des Patienten verantwortlich waren. (ad)