Riskante Operationen: Chirurgen fordern medizinische Standards für Intimkorrekturen

Fabian Peters

Bislang fehlen Standards bei Intim-Operationen
Schönheitsoperationen haben in den vergangenen Jahren einen wahren Boom erlebt. Zwar wenden sich auch manche Männer an Chirurgen um etwas an ihrem Körper verändern zu lassen, doch es sind vor allem Frauen, die sich operieren lassen. Auch Korrekturen an den Schamlippen werden immer häufiger durchgeführt, nicht nur aus ästhetischen Gründen. Standards für solche OP`s im Intimbereich gibt es bislang nicht.

Immer mehr Schönheitsoperationen
Schönheitsoperationen sind mittlerweile für viele Menschen etwas „Normales“. Längst lassen sich nicht mehr nur Prominente Teile ihres Körpers verändern. Vor allem Frauen lassen Eingriffe vornehmen. In den vergangenen Jahren waren dabei hierzulande insbesondere Botox und Brust-OP`s gefragt. Dass man dabei auch an Pfuscher geraten kann, zeigte unlängst ein Skandal in Regensburg. Ein falscher Schönheitschirurg operierte dort dutzendfach und wurde dafür zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Operationen im Intimbereich werden aber nicht nur aus ästhetischen Gründen durchgeführt. So lassen etwa viele Frauen Korrekturen durchführen, da sie zu große Schamlippen haben. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, gibt es dafür jedoch noch keine Leitlinien.

Operationen im Intimbereich können bei fehlerhafter Durchführung massiver Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Daher sind Standards für deren Durchführung dringend erforderlich. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Fertigstellung der Leitlinie bis zum Jahresende
Operationen im Intimbereich liegen im Trend. Sie reichen von Korrekturen des Penis und Hodensackstraffungen beim Mann bis hin zu Korrekturen der Schamlippen bei Frauen. Letztere werden mittlerweile sehr häufig durchgeführt. So hieß es schon 2013 in einem Bericht der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), dass rund 5.400 solcher Eingriffe im Jahr vorgenommen werden. Dies hatte eine Umfrage unter etwa 900 Fachärzten ergeben. An einheitlichen Standards für Operationen mangelt es aber noch immer. Der DGPRÄC zufolge sind wissenschaftliche Kenntnisse in diesem Bereich dürftig und Anbieter eher auf ihre persönliche Erfahrung angewiesen. Experten wollen daher – auf Initiative der Gesellschaft – eine Leitlinie zur Intimchirurgie der Frau erarbeiten, in der die gängigen Verfahren bewertet werden. So sollen Ärzte und Patientinnen eine neutrale Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung bekommen. Zwar sei laut einem Sprecher der Gesellschaft noch offen, wann die Leitlinie erscheinen werde, die Fertigstellung ist aber offiziell angekündigt zum 31. Dezember 2015.

Zu große Schamlippen
Wie die dpa berichtet, sind laut Schätzungen bei etwa zehn Prozent der Frauen die inneren Schamlippen so groß, dass sie die äußeren überragen. Durch Intimrasur wird dies immer öfter sichtbar. Manche Frauen stört das aber nicht nur optisch, auch medizinisch kann es zum Problem werden. „Beim Sport, etwa beim Reiten oder Fahrradfahren, scheuern die Schamlippen. Es kann zu Schwellungen, minimalen Blutungen und auch zu Entzündungen kommen“, erläuterte der Leipziger Frauenarzt Marwan Nuwayhid, Gründer der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland (GAERID). „Es geht nicht darum, eine Designer-Vagina zu schaffen, sondern den betroffenen Frauen zu helfen. Die leiden richtig darunter“, sagte der Arzt. Der Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen, Professor Matthias W. Beckmann, erlebt seinen Angaben zufolge ebenfalls immer wieder Patientinnen, die unter ähnlichen Problemen leiden: „Wenn eine Frau nach einem Triathlon zum dritten Mal eine eingerissene Schamlippe hat, weil sie 60 Kilometer auf dem Fahrrad gefahren ist, dann sucht die eine Lösung dafür.“ DGPRÄC-Präsidentin und Professorin Jutta Liebau warnte jedoch: „Wer intimchirurgische Eingriffe aus rein ästhetischen Gründen vornehmen möchte, sollte das Risiko nicht unterschätzen.“

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Bei manchen Patientinnen wird „Murks gebaut“
Der Düsseldorfer Arzt Stephan Günther wendet bei seinen Operationen die sogenannte 3D Reduction Labiaplasty an. Günther, der auch Gründer der Deutschen Gesellschaft für Intimchirurgie und Genitalästhetik (DGINTIM) ist, teilte mit, dass sich diese Technik, eine Art Baukastensystem, langsam zum Standard entwickle. Sie erlaube gleichzeitig auch eine Korrektur des Klitorishäutchens und Verlagerung der Klitorisspitze. „Man kann zwar alle drei Dimensionen mit einer Operation korrigieren, muss es aber nicht“, hob der Arzt hervor. Er erklärte zudem: „Lange war die Keilschnitttechnik üblich, bei der die Schamlippen mit einem keilförmigen Ausschnitt verkleinert wurden.“ Wenn diese jedoch nicht richtig zusammenwachsen, bleibe ein hässliches Loch, das nur schwer zu korrigieren sei. Er habe immer wieder Patientinnen, bei denen andere Mediziner „Murks gebaut“ hätten und die deswegen eine weitere Operation bräuchten. Zudem werde laut Professorin Liebau die Narbenbildung oft unterschätzt. Matthias W. Beckmann arbeitet als Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe an der geplanten Leitlinie mit. Seine Gesellschaft unterstütze Schamlippenkorrekturen nur aus medizinischen, nicht aus ästhetischen Gründen. „Eine Frau hat das Recht, ihre Schamlippen reduzieren zu lassen, wenn sie dadurch in ihrem täglichen Leben eingeschränkt ist“, so der Mediziner. (ad)